An der neuen Kreditvereinbarung sind nun acht statt bisher vier Banken beteiligt, möglicherweise kommen noch weitere Kreditinstitute ins Boot, erklärte ein Unternehmenssprecher am Freitagabend. Das Risiko auf mehr Schultern zu verteilen, sei auch im Sinne der Geldinstitute.
Die Arbeitnehmerseite des inzwischen in eine Aktiengesellschaft mit mitbestimmtem Aufsichtsrat umgewandelten Unternehmens trägt den Kapitalschritt mit. „Für die IG Metall und die Betriebsräte ist es zentral, dass die Schaeffler AG trotz der Schuldenlast operativ beweglich bleibt. Schaeffler kann mit dieser Refinanzierung seinen Wachstumskurs fortsetzen“, erklärte Jürgen Wechsler, IG- Metall-Chef für Bayern und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Schaeffler AG. Die Gewerkschaft sieht die Refinanzierung auch als Voraussetzung dafür, Investoren für die Schaeffler zu gewinnen und damit die Kapitalbasis der Unternehmensgruppe entscheidend zu verbessern. Wechsler: „Die Arbeitnehmer wollen aber, dass die Familien-Anteilseigner ihre kontrollierende Position behalten. Wir wollen die Stärken dieses Familienunternehmens bewahren.“
Seit der — in ihrem Resultat verunglückten — Übernahme des Autozulieferers Continental 2008 sitzt der Herzogenauracher Konzern auf einem riesigen Schuldenberg. Der ist seit 2009 nicht kleiner geworden. Schaeffler hält gegenwärtig rund 60 Prozent am Hersteller von Reifen und Autoelektronik.
Die neuen Kreditlinien lösen die bisherigen Verbindlichkeiten in Höhe von 7,7 Mrd. € ab. Das Gesamtvolumen wird auf nun acht Mrd. € leicht erhöht. Die Fälligkeiten werden auf maximal fünf Jahre gestreckt.
Zwei Milliarden € dieses Kredits sollen durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen abgelöst werden. Am Freitag noch hat Schaeffler ein Bankkonsortium damit beauftragt, besicherte Anleihen von zunächst einer Milliarde € an institutionelle Investoren auszugeben. Der Zinssatz entspricht der Risikokategorie: „Es wird eine Hochzinsanleihe mit Risikoaufschlag“, sagte der Sprecher. Der Umbau der Kreditstruktur sei „ohne Not“ geschehen; die Kreditvereinbarungen von 2009 hatten noch eine Laufzeit bis 2014. Schaeffler hatte zwei Ratingagenturen beauftragt, für die Anleihen die Bonität zu prüfen. Das ist der übliche Weg. Die Ratingnoten würden kurzfristig von Standard & Poor’s und Moody’s bekanntgegeben, teilte das Unternehmen mit.
Bereits im August 2011 habe der Wälzlagerhersteller mit der Vorbereitung der Refinanzierung begonnen. Es „sichert unsere unternehmerische Flexibilität“ und schaffe „die Basis für weiteres langfristig profitables Wachstum“, sagte Vorstandschef Jürgen Geißinger.
