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Solar Millennium hat Millionen verbrannt

Mitarbeiter und Anleger tief verunsichert — Insolvenzverwalter prüft Chancen für eine Fortführung - 23.12.11

ERLANGEN  - Ein Tag nach der Insolvenzanmeldung der Solar Millennium AG herrscht tiefe Verunsicherung am Standort Erlangen.

Aktionäre des solarthermischen Kraftwerkbauers Solar Millennium AG — hier Anteilseigner bei der letzten Hauptversammlung in Erlangen — haben bereits Millionen an Buchwerten in den Sand gesetzt.
Aktionäre des solarthermischen Kraftwerkbauers Solar Millennium AG — hier Anteilseigner bei der letzten Hauptversammlung in Erlangen — haben bereits Millionen an Buchwerten in den Sand gesetzt.
Foto: dpa
Aktionäre des solarthermischen Kraftwerkbauers Solar Millennium AG — hier Anteilseigner bei der letzten Hauptversammlung in Erlangen — haben bereits Millionen an Buchwerten in den Sand gesetzt.
Aktionäre des solarthermischen Kraftwerkbauers Solar Millennium AG — hier Anteilseigner bei der letzten Hauptversammlung in Erlangen — haben bereits Millionen an Buchwerten in den Sand gesetzt.
Foto: dpa

Die Beschäftigten sorgen sich um ihre Arbeitsplätze, weil noch nicht feststeht, ob das Solarunternehmen fortgeführt werden kann. Der vorläufige Insolvenzverwalter, der zur Kanzlei Schultze&Braun gehörende Nürnberger Anwalt Volker Böhm, beginnt gerade erst, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. „Im Wesentlichen geht es jetzt um zwei Fragen“, erklärt der Sprecher des Insolvenzverwalters. Zum einen müsse geprüft werden, ob die Mittel ausreichen, den Betrieb weiterzuführen.

Und es werde ermittelt, was aus den Millionen an Anlagegeldern wird, die vor allem private Investoren dem Projektentwickler zur Verfügung gestellt haben. Gleichzeitig bemüht sich Böhm um die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes und die Lohn- und Gehaltszahlungen für die Beschäftigten der Solar Millennium AG.

In der Sondierungsphase



Spätestens in drei, vier Wochen soll diese Sondierungsphase abgeschlossen sein. Am Ende des vorläufigen Verfahrens — Böhm geht von Ende Februar aus — legt der Insolvenzverwalter dann dem Gericht ein Gutachten vor, auf dessen Grundlage über die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens entschieden wird. Zur Frage, ob sich auch der Staatsanwalt näher mit der Insolvenz befassen wird, gab der Insolvenzverwalter gestern keinen Kommentar ab.

Der seit Monaten mit Turbulenzen und Skandalen kämpfende einstige Star der Solarbranche musste, wie ausführlich berichtet, am Mittwoch mit der Begründung der Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beim Amtsgericht Fürth beantragen. Den letzten Anstoß dazu gaben ausstehende Zahlungen aus dem Verkauf eines prestigeträchtigen US-Projektes und Probleme bei der Investorensuche für ein Kraftwerk in Spanien.

Wie Unternehmenssprecherin Susanne Krebs bestätigt, sind von der Insolvenz der AG zunächst rund 60 Mitarbeiter betroffen. Insgesamt beschäftigt der Konzern mit Ablegern in Spanien und in den USA rund 300 Mitarbeiter. Die einzelnen Tochterunternehmen wie die Technologiefirma Flaxol in Köln oder die Finanztochter Solar Millennium Invest sind — Stand gestern — nicht von der Insolvenz betroffen. Inwieweit die Pleite auch Auswirkungen auf die Tochterunternehmen hat, bleibt vorerst offen.

Unterdessen erheben die Gewerkschaften Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des Unternehmens. „Die Geschäftspolitik ist nicht so ganz durchsichtig und glücklich gewesen“, sagte der Vorsitzende des DGB Mittelfranken, Stephan Doll, der Nachrichtenagentur dapd. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Erlangen, Wolfgang Niclas, warf der Führungsriege vor, sich mit zu hohen Risiken „verzockt“ zu haben. Das Management von Solar Millennium habe in große Projekte mit „Glamour-Charakter“ investiert, die hoch riskant gewesen seien, ohne ausreichende finanzielle Rücklagen für den Fall des Scheiterns zu bilden. Dies sei unverantwortlich gewesen.

Zu leiden haben darunter jetzt die Mitarbeiter, aber auch die Anleger, die dem Unternehmen ihr Geld anvertraut haben. Wie die etwa 14000 Aktionäre (Stand Mitte 2011). Die haben bereits jetzt den größten Teil ihres eingesetzten Vermögens verloren, wenn man die aktuelle Börsenbewertung zugrunde legt. Vor vier Jahren lag der Aktienkurs noch bei über 47,50 €. Bis gestern stürzte das Papier auf 37 Cent und droht in der Insolvenz wertlos zu werden.

Neben den Aktionären sind auch die Zeichner von Unternehmensanleihen betroffen. 227 Mio. € stehen da bei fünf Anleihen noch im Feuer, drei dieser Schuldpapiere hat Solar Millennium bereits voll zurückbezahlt. Mit diesen Anleihen wurden als Alternative zu teuren Bankkrediten Unternehmensaufgaben bezahlt, beispielsweise wenn es galt, teure Turbinen für im Bau befindliche Kraftwerke vorzufinanzieren.

Wie bei den Anleihen, sind auch bei den Projektfonds hauptsächlich private Anleger betroffen. In dem andalusischen Kraftwerksprojekt Andasol, das nach Unternehmensangaben von gestern bereits am Netz ist und erfolgreich läuft, haben Anleger knapp 48 Mio. € eingezahlt. Vorzeitig geschlossen wurde dagegen der Fonds Ibersol, über den ebenfalls ein Kraftwerk in Spanien realisiert werden sollte. In Ibersol flossen bisher 6,6 Mio. €. „Die eingeworbenen Gelder“, so Solar Millennium, „sind in voller Höhe auf dem Treuhandkonto der Ibersol-Fonds GmbH&Co KG vorhanden.“

  



VON KLAUS WONNEBERGER

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