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Stellenabbau bei Areva größer als vermutet?

Angeblich bis zu 1300 Stellen in Deutschland gefährdet - Sorgen in Erlangen - 21.11.2011 16:00 Uhr

ERLANGEN  - Zum ersten Mal droht die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende massiv Arbeitsplätze in Deutschland zu gefährden. Es häufen sich Berichte, nach denen der französische Atomkonzern Areva ernste Konsequenz für sein Deutschlandgeschäft und dabei auch für den Standort Erlangen ziehen könnte.

Areva-Sprecher Christian Wilson weist entsprechende Berichte  allerdings als reine Spekulation zurück. „Es bleibt bei dem, was wir schon vor Wochen erklärt haben: Der Konzern überarbeitet gerade seine komplette Strategie. Am 12. Dezember wird dazu der Aufsichtsrat in Paris Entscheidungen treffen, die am 13. Dezember bekanntgegeben werden.“ Vorher könne man weder etwas zu den Folgen für die deutschen Standorte noch zu Fragen eines Stellenabbaus sagen.

Hintergrund für die Unsicherheit über den weiteren Kurs des französischen Konzerns in Deutschland ist die abrupte „Energiewende“ der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Antwort auf die Katastrophe im japanischen Fukushima. Mit der Entscheidung, quasi über Nacht den Ausstieg aus der Atomenergie zu beginnen, hat die Kanzlerin zumindest dem größten Teil des Areva-Geschäfts für den deutschen Markt den Boden entzogen.

Atomkraft dominiert

Der Konzern betreibt im Land zwar mehrere Standorte, darunter in Bremerhaven und Hamburg, die den Bereich erneuerbare Energien abdecken. Das Hauptgeschäft in Deutschland liegt aber in der Kernenergie — angefangen bei der Belieferung mit Brennstäben bis hin zum Bau und der Wartung ganzer Atomkraftanlagen. Von den 5700 Beschäftigten in hierzulande verdienen 5400 ihr Gehalt im Bereich Kernenergie.

„Die Tatsache, dass mit der Energiewende jetzt acht Atomkraftwerke nicht am Netz sind, hat bei uns natürlich eine große Lücke gerissen“, erklärt der Areva-Sprecher. Daher gelte es jetzt, zumindest kurzfristig eine Kompensation für den plötzlichen Ausfall zu finden.

Der französische Energiekonzern betreibt in Deutschland das Atomgeschäft an fünf Standorten. Mit Abstand bedeutendster ist dabei Erlangen, wo 3600 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Unsicherheit unter den dort tätigen Mitarbeitern ist groß. Schon nach den ersten Meldungen über einen möglichen Personalabbau erklärte der Erlanger IG-Metall-Chef Wolfgang Niclas, dass es unzumutbar sei, die Kollegen bis Mitte Dezember in Ungewissheit über ihre eigene Zukunft zu lassen. „Wenn Gerüchte im Raum stehen, muss der Arbeitgeber Klarheit schaffen“, sagte er damals.

Gerüchte schießen ins Kraut

Und die Gerüchte schießen tatsächlich ins Kraut. Nach ersten Meldungen sollten es 800 Arbeitsplätze sein, die im Inland der deutschen Energiewende zum Opfer fallen. Jetzt sind es schon 1300 — und bis zur Entscheidung in Paris werden wohl noch ein paar mehr Spekulationen die Runde machen.

Fakt ist, dass nicht alle Erlanger Beschäftigte für den wegbrechenden deutschen Markt arbeiten. Areva-Sprecher Wilson schätzt sogar, dass nur etwa die Hälfte der Mitarbeiter für den Heimatmarkt tätig ist, die andere Hälfte arbeite für den Export. Und dort geht der Energiekonzern von weiter zunehmenden Wachstumsraten aus. Zudem dürfte auch in Deutschland der Rückbau bis hin zum Abriss von Atomkraftwerken und die Restwartung abgeschalteter Kraftwerke ein Geschäft bleiben.

„Die Experten sind sich weitgehend einig, dass der Bedarf an CO2-freiem Strom weltweit deutlich zunehmen wird“, erklärt das Unternehmen. Diesen Markt bediene Areva einerseits mit der Kernenergietechnik. Andererseits ist der französische Konzern auch im Bereich erneuerbare Energien wie Windenergie, Solarthermie und Biomasse unterwegs. Diese Wachstumstechnologien sind allerdings nicht in Erlangen angesiedelt. 

KLAUS WONNEBERGER


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