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Rund zwei Mrd. €: So viel zahlen die deutschen Verbraucher im kommenden Jahr zu viel an ihre Versorger, sollten die angekündigten und „nicht gerechtfertigten“ Preisaufschläge flächendeckend umgesetzt werden — zu diesem Schluss kommt ein Gutachten mit dem Titel „Sind die Strompreiserhöhungen zum Januar 2011 nachvollziehbar?“, das die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben hatte.
Für Autor Gunnar Harms, der auch dem Vorstand des Bundes der Energieverbraucher angehört, steht nach seiner Analyse eindeutig fest: „Die Preise dürften nicht auf breiter Front steigen.“ Denn bei den Endkunden seien die auf dem Strommarkt beobachteten Kostenrückgänge bislang nicht angekommen. Harms ist überzeugt: „Die gestiegene EEG-Umlage kann durch ein bislang nicht weitergegebenes, erhebliches Preissenkungspotenzial vollständig kompensiert werden.“ So seien die Strombeschaffungskosten für die Versorger seit Herbst 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken. Seit 2006 haben sich dem Ingenieur zufolge die Margen der Stromversorger bei den Haushaltskunden im gesamtdeutschen Durchschnitt annähernd verdreifacht. Umgerechnet seien dadurch rund 1,5 Mrd. € zusätzlich als Gewinn bei der Versorgern hängengeblieben, stellt Harms fest.
„Die Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern“, ärgert sich Hans-Josef Fell, der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Er fordert, dass die Unternehmen „die stark gesunkenen Einkaufspreise endlich an die Kunden weitergeben“.
Die Versorger verwahren sich gegen den Vorwurf, ihre Kunden abzuzocken. Vor allem die sogenannten Grundversorger, die jedem Bürger bei Bedarf Energie liefern müssen, sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.
Ihre Argumentation: Diese Versorgungspflicht mache es erforderlich, für alle Eventualitäten stets ausreichend Strom zur Verfügung zu haben. Die hierzu notwendige Menge könne nicht über den täglichen Einkauf am Spotmarkt sichergestellt werden, sondern nur durch längerfristige Lieferverträge. Diesen aber lägen die noch vor einiger Zeit geltenden höheren Preise zugrunde.
In seiner Studie legt einmal mehr Harms den Finger in die Wunde, die einen gesunden Wettbewerb auf dem Strommarkt verhindert: Rund vier Fünftel der deutschen Erzeugung liegt in den Händen von vier Konzernen, nämlich E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Eine knallharte Konkurrenzsituation sieht anders aus.
Der Ausstieg aus dem Atomausstieg — sollte er denn so kommen, wie von Schwarz-Gelb gewünscht — zementiert dieses Machtquartett noch. Denn bei längerer Laufzeit der Atomkraftwerke, für die wiederum die vier Konzerne stehen, werden Investitionen in neue Kraftwerke unattraktiver. Mit ihrer Kernkraft-Politik durchkreuzt die Bundesregierung damit die Pläne nicht weniger Kommunalversorger, die ihre eigene Stromerzeugung ausbauen wollen — auch, um so unabhängiger vom Quartett E.on/RWE/ EnBW/Vattenfall zu werden.
Und noch etwas bremst den Wettbewerb: die eher schwach ausgeprägte Bereitschaft der Verbraucher, zu einem günstigeren Versorger zu wechseln. Und das, obwohl sich dadurch etliche Euro sparen lassen, wie auch Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth nicht müde wird zu erklären.
Preisvergleiche lassen sich via Tarifrechner im Internet schnell ziehen, zum Beispiel bei www.verivox.de oder www.toptarif.de Beide Portale bieten auch einen kostenlosen Telefonservice unter 0800/8080890 (Verivox) oder 0800/1030499 (Toptarif).
