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Tradition trifft Technik

Spielwarenwelt: Smartphones kommen, Holz bleibt - 07.02. 12:00 Uhr

Nürnberg  - Nichts geht offenbar mehr ohne die kleinen Technikwunder: Die Smartphone-Welle ist jetzt auch auf die Spielwarenbranche übergeschwappt und die Hersteller greifen tief in die Technik-Trickkiste. Doch es geht auch anders, wie Firmen für Holzspielzeug beweisen — und auch sie haben ihre Fans.

Mal was anderes: Die Firma Hape hat ein „Vier gewinnt“-Spiel aus Bambus hergestellt. Der Trend zu Öko-Produkten hat den Verkauf von hölzernem Spielzeug in Deutschland belebt.
Mal was anderes: Die Firma Hape hat ein „Vier gewinnt“-Spiel aus Bambus hergestellt. Der Trend zu Öko-Produkten hat den Verkauf von hölzernem Spielzeug in Deutschland belebt.
Foto: Stefan Hippel
Mal was anderes: Die Firma Hape hat ein „Vier gewinnt“-Spiel aus Bambus hergestellt. Der Trend zu Öko-Produkten hat den Verkauf von hölzernem Spielzeug in Deutschland belebt.
Mal was anderes: Die Firma Hape hat ein „Vier gewinnt“-Spiel aus Bambus hergestellt. Der Trend zu Öko-Produkten hat den Verkauf von hölzernem Spielzeug in Deutschland belebt.
Foto: Stefan Hippel

Tanzende Roboter, die zum Rhythmus von Popmusik wackeln, und hüpfende Plastikspinnen mit Leuchtaugen. Blinkende Kreisel, die sich so schnell drehen, dass einem beim Zusehen schwindlig wird. Diese und weitere flippige, elektronische Spielzeuge kommen — kaum einen mag es überraschen — überwiegend aus China. Was aber macht ihren Reiz aus? Sie lärmen, schimmern in grellen Farben und können im besten Fall — wie der programmierbare „Sket-Robot“ von Tosy — mit einer Schreibfeder auf Papier krakeln. Na toll.


Es ist nicht größer als ein Frühstücksbrettchen, kann aber deutlich mehr: Mit dem iPad lassen sich Modellzüge über ein virtuelles Cockpit steuern.
Es ist nicht größer als ein Frühstücksbrettchen, kann aber deutlich mehr: Mit dem iPad lassen sich Modellzüge über ein virtuelles Cockpit steuern.
Es ist nicht größer als ein Frühstücksbrettchen, kann aber deutlich mehr: Mit dem iPad lassen sich Modellzüge über ein virtuelles Cockpit steuern.
Es ist nicht größer als ein Frühstücksbrettchen, kann aber deutlich mehr: Mit dem iPad lassen sich Modellzüge über ein virtuelles Cockpit steuern.

Zugegeben, viele Männeraugen beginnen grundsätzlich zu leuchten, wenn ein ferngesteuerter Formel-1-Flitzer über den Boden saust, ein surrendes Ufo durch die Halle schwebt oder ein Mini-Helikopter über den Köpfen der Messegäste schwirrt. So weit nichts Neues. Betrachtet man die Piloten der wuselnden Winzlinge allerdings genauer, findet man partout keine Fernbedienung so wie früher. Was man sieht, ist ein Mann, der sein Telefon in beiden Händen hält und damit wild umherrudert. Bei näherem Hinsehen wird klar: Der Hubschrauber bewegt sich synchron zu dem Gehampel am Apparat. Rauf, runter, links, rechts — der Heli tut, was das Handy vorgibt.



„Die Flieger sind voll auf den Betrieb mit dem Smartphone getrimmt“, erklärt Hauke Hopp, Vertreter der Firma Wireless Input Inc. „Nach einer halben Stunde Übung kann das jeder.“ Und so funktioniert’s: Das Mobiltelefon ist mit einem Lagesensor ausgestattet, der die Bewegungen der Hand registriert. Über Bluetooth wird das Signal an den Flieger gesendet, der dann — in geübten Händen — abheben sollte.

Rentner am iPad

Smartphones, die mobilen Alleskönner, sind auf der Spielwarenmesse schwer im Trend. Manch einer mag sich an dem Dauergefummel — besonders beliebt bei jüngeren Nutzern — an den Mobilteilen stören. Eines aber sollte man erkennen: Die Geräte sind eine nette Beschäftigung. Erst recht, wenn man sie mit Spielzeug kombiniert.

 

Auch die Modellbahnbranche wurde von den Taschencomputern infiziert. Die Firma Fleischmann glaubt, dass die jungen Kunden mehr als nur Trafo und Drehregler wollen, um die geliebte Lok im Keller zu steuern. Auf dem iPad, dem großen Bruder des iPhones, hat der Hobby-Lokführer eine kompakte Schaltzentrale vor sich. „Mit einem Fingerstreich wählt man die gewünschte Lok aus und schon sitzt der Maschinenführer im virtuellen Führerhaus“, erklärt Wolfgang Wutzmer, ein Modellbahn-Veteran in Rente. Und tatsächlich, mit einem sanften Wisch über den Gashebel im originalgetreuen Cockpit setzt er den Zug in Bewegung. Ein weiterer Knopfdruck und die Lichter des Zuges blenden auf. Sogar die Weichenstellung kann über die Bedienoberfläche geregelt werden. „Alles in einem Gerät,“ strahlt Wutzmer.

Berührungsängste mit der neuen Technik haben vor allem die „Oldies“. Die Skepsis legt sich aber recht schnell, sobald sie sehen, wie praktisch und einfach die Handhabung ist, findet Wutzmer. Bald kann mit den Phones und Pads eine Kamera an Bord des Zuges angezapft werden, die ein Live-Bild von der Fahrt überträgt, sagt der Rentner voraus. Na gut, das kann der Trafo nun wirklich nicht. Bei dieser geballten Ladung technischer Finesse bleibt fraglich, wie Spielzeug-Dinos wie Bauklotz oder Schaukelpferd, überleben können? Der Stand von Loquai Holzkunst gibt darauf eine Antwort. „Es ist die lange Tradition und die Qualität“, erklärt Horst Loquai. Er ist die mittlerweile dritte Generation im Betrieb. Sein Vater Andreas hat seit 1950 keine Spielwarenmesse ausgelassen. Die Lokomotiven des Familienbetriebs funktionieren ganz ohne Signale, Sensoren und Smartphones. Die hölzernen Einzelstücke werden im Erzgebirge in Heimarbeit zusammengesetzt.

Wenn der jüngste Loquai sich an seine Kindheit erinnert, muss er zugeben, dass er das erste Taschengeld „dann doch für Lego“ ausgegeben hat — obwohl es zu Hause mehr als genug Holzspielzeug gab. „Ich denke, die Mischung macht’s“, räumt er ein.

Heinz-Jörg Hofmockel, Handelsvertreter von Hape, hält eine Spiel-Ente in der Hand. Für ihn liegt der Reiz des natürlichen Rohstoffes auf der Hand — und zwar wortwörtlich. Und er hat recht. Das Material fühlt sich solide an, griffig und irgendwie auch warm. Holz eben. Der Spielzeugprofi ist froh, dass nicht nur der Nachwuchs entscheidet, was im Kinderzimmer landet. Die Muttis haben da ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. In der Holzbranche setze man viel auf Mundpropaganda. Im Kindergarten, im Sandkasten oder am Kaffeetisch. „Wenn etwas gut ist, spricht sich das rum“, glaubt der Experte.

Hochwertig und langlebig, das seien Eigenschaften, die der „Plastikkram“ nicht habe. Hofmockel sieht in den Produkten Klassiker, die auch über Generationen weitergegeben werden. Aber auch ein Klassiker braucht gelegentlich mal ein Update. Deshalb hat Hape eine seltene Variante des Dauerbrenners „Vier gewinnt“ auf den Markt gebracht: Es besteht komplett aus Bambus. „Die Pflanze wächst schnell nach, ist robust und hat eine hervorragende Ökobilanz“, erklärt der Spielzeugfachmann. Der Trend zu umweltbewusstem Einkaufen habe auch seiner Branche geholfen, den Absatz zu steigern.

Ein Zugeständnis macht Hofmockel dem technischen Spielzeug dann aber doch: Wenn die Kinder erst mal sechs Jahre oder älter sind, sei Holz oft nicht mehr „cool“ genug.

 

  



VON PHILIP HAUCK

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