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Zuhause bin ich eher normal

Ein Gespräch mit dem Entertainer Mike Krüger über Kunst, Humor und seine Tournee - 23.10. 08:30 Uhr

Angeblich kennen ihn 98 Prozent aller Deutschen. Nach 35 Jahren Bühnen- abstinenz geht Mike Krüger jetzt auf Tournee mit seiner Show „Is‘ das Kunst, oder kann das weg?“ Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Mike Krüger - das Urgestein unter den deutschen Komikern.
Mike Krüger - das Urgestein unter den deutschen Komikern.
Foto: Carmen Jaspersen
Mike Krüger - das Urgestein unter den deutschen Komikern.
Mike Krüger - das Urgestein unter den deutschen Komikern.
Foto: Carmen Jaspersen

Herr Krüger! Diese Frage wurde eigentlich nie richtig beantwortet: Was haben Sie mit Ihrem berühmten Song „Der Nippel“ gemeint?

Na ja, an manchen Verschlüssen sind heute ja immer noch so Nippel und Laschen dran. Das hat sich leider nie geändert. Das zeigt mal wieder, dass Lieder nichts bewirken. Ich hab mir so’ne Mühe gegeben, dass sich die Verschlüsse zum Positiven hin verändern. Aber die Industrie hat mal wieder Augen und Ohren verschlossen.

Und was sind nun Ihr spezieller Nippel und Ihre Lasche?

Im Flugzeug kriegt man immer noch diese seltsamen Sahne-Töpfchen, die stets an der falschen Seite aufgehen. Beispiele gibt es ohne Ende.



Werden Sie oft auf Ihr Aussehen und Ihr Markenzeichen – die Nase – angesprochen?

Klar, früher war das ein Hauptthema. Aber nach 35 Jahren haben sich die Leute an meine Nase gewöhnt. Außerdem, es ist ja schön, wenn man ein Markenzeichen hat, an dem man sofort erkannt wird.

Darüber würden sich viele Leute im Showgeschäft freuen, wenn sie das hätten.

Um Sie gab es nie Skandale. Wie schafft man es, sein Privatleben so aus der Öffentlichkeit herauszuhalten?

Ja, wenn man nicht auf jede Galaverleihung und Einweihung geht, zu der man eingeladen wird, kann man das eigentlich sehr gut selber steuern. Und da ich persönlich nicht so viel Wert drauf lege, bei solchen Veranstaltungen rumzulaufen, und meine Frau auch sagt, ’Lass uns lieber gemütlich schön irgendwo essen gehen’, ist es eigentlich ganz einfach. Man muss nur wollen!

Weil Anonymität ein Luxus ist für jemanden, der so bekannt ist?

Ja! Und das muss man auch von Anfang an durchziehen. Man darf dann nicht irgendwann schwach werden und sagen, ’Jetzt müsste ich mal wieder was für meinen Bekanntheitsgrad tun’. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man macht es, oder man macht es nicht!

Am 31. Oktober treten Sie in Bamberg auf. Gibt es ein Nord-Süd-Gefälle in Sachen Humor?

Ich war auf dieser Tour schon in Hamburg und in München. Da gibt es überhaupt kein Gefälle. Selbst bis nach Österreich hinein lachen die Leute fast an den gleichen Stellen.

Worüber lacht der Franke?

Die Franken lachen sehr gern über einen ihrer Großen: Lothar Matthäus. Und da Lothar jetzt wieder in allen Schlagzeilen ist, ist er natürlich bei mir im Programm vertreten. Und darüber lachen die Franken sehr.

Ihre neue Bühnenshow und der Titelsong daraus heißen „Is’ das Kunst, oder kann das weg?“. Wie kam es dazu – Speicher ausgemistet?

Ja genau! Und wie sich jetzt herausstellt, ist das ein schöner roter Faden für das Bühnenprogramm, weil man vom Hundertsten ins Tausendste springen kann, wenn man auf der Bühne irgendwas aus Umzugskartons holt.

Steht das Lied auch für Ihre Einstellung zur Kunst?

Ja, es gibt viele Dinge, wo ich mich auch in Museen oder Kunsthallen frage, ist das eigentlich Kunst, oder kann das weg? Ich liebe Kunst natürlich. Ich wollte ja mal Architekt werden, da hätte ich sehr stark mit Kunst zu tun gehabt. Ich mag auch Kunst, die modern ist. Aber nicht alles. Von daher würde der Spruch auch zu meinem Kunstverständnis passen.

Wobei haben Sie sich gefragt: Kunst oder Ausmisten?

Also in der Kunsthalle in Hamburg gab’s tatsächlich einen Raum, in den ich reinkam und dachte: ’Ach, die renovieren. Das ist schön. Wurde auch Zeit‘. Aber ein Herr von der Kunsthalle meinte, das wäre eine Installation eines amerikanischen Künstlers. Und ich dachte: ’Kuck mal an, wenn er mir das nicht gesagt hätte, hätte ich vielleicht angefangen zu tapezieren!‘

Früher hieß es Kabarett, Alleinunterhalter, Komiker. Heute muss man schon Standup-Comedian sein. Hat das etwas für Sie geändert?

Das Thema Humor, worüber die Leute lachen, hat sich gar nicht geändert. Außer das, was es früher noch nicht gab. So gab es, als ich angefangen hatte, noch kein Internet. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Aber es war so. Wenn ich mich heute an den PC setze, könnte ich jeden Tag ein neues Programm über das schreiben, was alles im Internet erscheint. Aber der Grundhumor ist gleich geblieben. Nur die Themen ändern sich fast stündlich.

War Ihnen „Vier gegen Willi“ damals nicht peinlich? Es wurde Ihnen ja oft Frauenfeindlichkeit vorgeworfen ...

Das habe ja nicht ich mir ausgedacht, sondern meine Redaktion. Das wird immer gern verwechselt. Heute würde ich natürlich einiges anders machen. So eine Sendung könnte man heute nicht mehr produzieren, das war mit das Teuerste, was im deutschen Fernsehen hergestellt wurde.

35 Jahre in der Branche – Fühlen Sie sich da nicht als Fossil?

Fossil würde ich nicht sagen. Das heißt ja nicht, dass man, nur weil man etwas älter ist, nicht genauso lustig sein kann. Heinz Erhardt hatte auch erst im hohen Alter so richtig Erfolg.

Ihre vielen Preise sind ja auch eine Bestätigung Ihres Humors ...

Jeder Preis, in welcher Richtung auch immer, zeigt, dass man etwas richtig gemacht hat. Und so lange ich noch Preise kriege, ist alles okay.

Wird es noch ein „Supernasen“-Revival mit Thomas Gottschalk geben?

Da müsste uns schon ein Drehbuch überzeugen, dass wir sagen, ’Ja, das machen wir’. Diese Anfragen haben wir im Zweijahres-Rhythmus, selbst von großen Filmproduzenten. Aber man soll nie Nie sagen.

Wie geht es Ihnen zur Zeit, gut?

Ich hatte gerade eine Halsentzündung – auf einer Tournee nicht so wirklich witzig. Aber zum Glück konnte ich das – toi, toi, toi – gut be-handeln. Sonst geht’s hervorragend!

Wir hätten noch ’ne Minute ...

Klar, da gibt es politische Themen, die große Kabarettisten bearbeiten. Und die sollen das auch weiter tun. Ich halte mich da raus.

Wie anstrengend ist für Sie Humor von Berufs wegen?

Zuhause habe ich dienstfrei, weil meine Frau, wenn ich da auch so chaotisch wäre, sich sicher schon vor 20 Jahren getrennt hätte. Zuhause bin ich eher normal, auch im Freundeskreis. Der erwartet nicht, dass

ich den Kasper gebe. In meinem privaten Umfeld habe ich Ruhe vor der Comedy!

Tourdaten: 31. Oktober, Bamberg

24. November, Coburg,

25. November, Hof 





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