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Nordanbindung: SPD sucht schon nach Alternativen

PFT-Rückstände wurden bei Routinekontrolle entdeckt - 17.02.2012 08:00 Uhr

Nürnberg  - "Das Planfeststellungsverfahren mit den Auflagen für die Beseitigung der Löschwasserrückstände bedeutet das faktische Aus für die Nordanbindung des Flughafens", stellte SPD-Fraktionschef Christian Vogel am Donnerstag fest. Es gebe derzeit keine technische Möglichkeit, die Polyfluorierten Tenside (PFT) aus dem Grundwasser oder aus dem Erdreich zu entsorgen.

Infografik Nordanbindung
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Der Stoff wird in jedem Fall die politische Debatte über die verkehrliche Anbindung des Flughafens erheblich belasten, denn CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm ist sich sicher, dass PFT entsorgt werden kann, und damit der Bau für die Nordanbindung frei wäre.

Die Regierung von Mittelfranken hat zwar Baurecht für die Direktanbindung des Flughafens an die Autobahn geschaffen. Allerdings mit dem Vorbehalt, dass vor Baubeginn die Belastung des Flughafen-Grundwassers und des -Erdreichs mit dem gesundheitsgefährdenden Stoff PFT beseitigt wird. Es soll sichergestellt sein, dass sich PFT während der Bauzeit nicht weiter ausbreiten kann, die NZ berichtete.

Umweltreferent Peter Pluschke sichert zu, dass sich das Umweltamt an einer sachgerechten Lösung des Altlastenfalls beteiligen wird. Vor allem im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts des Landesamts für Umwelt: Seit Ende 2011 wird versucht, Sanierungstechnologie für PFT-Kontamination zu entwickeln. Das Projekt ist auf mindestens zwei Jahre angelegt. „Über die Gesamtdauer der Sanierungsaktivitäten lassen sich derzeit keine präzisen Aussagen treffen“, so Pluschke, auch nicht, ob es erfolgreich ist.


Wie stark gesundheitsschädlich PFT ist, darüber gibt es wissenschaftlich kaum Nachweise. Es wird vermutet, dass PFT krebserregend ist. „Das einzige, was wir wissen, ist, es gehört nicht hinein. Wir wissen aber nichts über das Gefährdungspotenzial“, sagt Flughafen-Pressesprecher Reto Manitz. Vor rund eineinhalb Jahren waren bei Routinekontrollen die PFT-Rückstände, die von der Flughafen-Feuerwehr stammen, entdeckt worden. Seit 2003 wird der Stoff nicht mehr bei Löschübungen in Nürnberg eingesetzt.

PFT ist nicht kaputt zu kriegen

PFT-Sprays machen Gore-Tex-Schuhe nicht nur wasserdicht, der Stoff stabilisiert auch den Löschschaum von Feuerwehren, damit das Feuer erstickt. Er ist nicht kaputt zu kriegen. „Wohin soll man also mit dem Stoff“, fragt Vogel. Die einzige Möglichkeit sei, ihn zu verbrennen. Doch die Flughafenerde könne man nicht verbrennen. Auch das Abtragen des Erdreichs am Flughafen sei keine Lösung, denn die mit PFT kontaminierte Erde nehme keine Deponie an. Außerdem müsste der Flughafen für den Schaden aufkommen, was er mangels Geld nicht könne.


Vogel geht deshalb davon aus, dass die Löschschaumproblematik die Direktanbindung an die Autobahn auf Dauer ausbremst: „Wer etwas anderes behauptet, verkauft die Menschen für dumm.“ Man müsse jetzt Klarheit schaffen, wie mit der Umwelbelastung umgegangen werden könne. Vogel will sich mit allen Verantwortlichen zusammensetzen und überlegen, wie es verkehrlich am Flughafen weitergeht: „Wir müssen nach Alternativen suchen.“

Ganz anders schätzt CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm die Situation ein: „Wir sind überzeugt, dass die PFT-Rückstände beseitigt werden können. Die Umweltspezialisten müssen jetzt ans Werk.“ Wenn es keine Lösung für die Sanierung des Grundwassers am Flughafen gibt, dann hätte die Regierung von Mittelfranken sicherlich das Baurecht verweigert. Brehm geht davon aus, dass die vom Bund Naturschutz angekündigte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eine Verzögerung von zwei Jahren bedeutet.

Ein Baubeginn 2015 wäre möglich. „Die SPD wird eine Entscheidung treffen müssen und das Moratorium aufheben“, fordert Brehm. Das verlangt auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Frieser: Nur mit einem klaren Bekenntnis der Stadt zur Nordanbindung würde es auch Geld vom Bund für den Bau in den nächsten drei Jahren geben. „Ich hoffe, dass der Stadtspitze klar ist, dass wir mit anderen Projekten und Regionen in einem harten Wettbewerb um einen nicht eben üppigen Verkehrsetat stehen“, so Frieser.

Alle Flughäfen haben ein Problem mit PFT

Hartmut Beck von den Freien Wählern hat jedenfalls schon einmal Vorschläge von der Stadtverwaltung für eine alternative Trassenführung beantragt, wenn die Löschschaumproblematik technisch nicht gelöst werden kann, zu teuer oder zu zeitaufwendig ist.

Unter technischen Gesichtspunkten ist die PFT-Problematik tatsächlich noch kaum erforscht. Eine Expertengruppe der Stadt versucht seit eineinhalb Jahren vergeblich, eine Lösung für die mit PFT verunreinigten Löschwasserrückstände zu finden. Alle Flughäfen haben das gleiche Altlastenproblem, denn der Einsatz von PFT ist erst seit Sommer 2011 verboten. Mit Sicherheit ist der Stoff auch im Boden des aufgelassenen Flughafens München Riem – unter der Neubebauung.

Auch bei Großbränden wie vor einigen Jahren in Fürth, als der Spielwarenhersteller BIG abbrannte, wurde PFT-Schaum eingesetzt. Nachdem aber bislang noch ungeklärt ist, ob es sich bei PFT tatsächlich um einen Schadstoff handelt oder nur um einen Stoff, den man nicht haben will, wird mit den Ergebnissen der Messungen eher verhalten umgegangen. Trinkwasser und Gemüse sind im Knoblauchsland jedenfalls nicht belastet.
  

André Fischer


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Zum Thema
Kurzbeschreibung:
Seit vielen Jahren kämpfen Umweltschützer und ein Teil der Anwohner gegen den Bau einer Straße mitten durch den Sebalder Reichswald. Sie soll den Nürnberger Flughafen an die Autobahn A3 anbinden und den Stadtteil Ziegelstein vom Verkehr entlasten. Der Konflikt um die Nordspange entzweit auch die Rathaus-Parteien.

Grafik zur geplanten Nordanbindung des Flughafens



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