22°C

Mittwoch, 30.07. - 21:22 Uhr

|

Zertifizierte Krebsklinik im Nürnberger Nordklinikum

Noch lange kein Standard im deutschen Klinikalltag - 04.05.2011 21:57 Uhr

Krebspatienten im Nürnberger Nordklinikum werden von den Ärzten der verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam behandelt. Das Krankenhaus ist deshalb nun als erste Einrichtung in Nordbayern als Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum zertifiziert worden (Archivbild).

Krebspatienten im Nürnberger Nordklinikum werden von den Ärzten der verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam behandelt. Das Krankenhaus ist deshalb nun als erste Einrichtung in Nordbayern als Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum zertifiziert worden (Archivbild). © Klinikum Nord


Mit dem steigenden Altersdurchschnitt nimmt auch die Zahl der Krebspatienten dramatisch zu. In Deutschland erkranken jährlich 450000 Menschen, das Klinikum behandelt pro Jahr 3000 Neuerkrankte. „Es gibt kaum einen Patienten, der nicht mehrere Fachrichtungen braucht“, sagt der Chefarzt der Onkologie, Professor Martin Wilhelm. Im Sinne einer umfassenden Betreuung habe der Patient das Recht, dass alle beteiligten Disziplinen koordiniert werden.

Will heißen: „Wir behandeln Krebspatienten gemeinsam“, sagt Professor Hubert Stein, Chefarzt der Darmklinik. Indem nicht „multidisziplinär, sondern interdisziplinär“ gearbeitet wird; also nicht nebeneinander, sondern miteinander. Die Fachrichtungen seien näher zusammengerückt, „wir haben Türen aufgemacht und Mauern eingerissen“. Wöchentlich finden acht so genannte „Tumorboards“ statt: Die betroffenen Organzentren besprechen mit allen beteiligten Kliniken – unter anderem Pathologie, Radiologie, Radioonkologie, Psychosomatik – jeden einzelnen Fall, um gemeinsam ein auf den Patienten zugeschnittenes, individuelles Behandlungskonzept zu erstellen.

 

Keine Entscheidungen im stillen Kämmerlein

„Wir haben uns Regeln und Arbeitsabläufe gegeben, an die sich jeder halten muss“, sagt Dr. Günter Niklewski von der Klinikumsleitung. „Es gibt keine Entscheidungen im stillen Kämmerlein mehr.“ Die Besprechungen seien zeitlich sehr aufwendig, aber laut Wilhelm notwendig. Dabei sei mit dem neuen Zentrum kein neues Klinikkoloss entstanden, betont er. Das Vorhandene wurde lediglich vernetzt, die Kompetenzen gebündelt, um die Vielfalt der Behandlungsmethoden optimierter einsetzen zu können – und somit die Therapiemöglichkeiten und die Heilungschancen zu verbessern. 

Vor fast vier Jahren hat sich die Klinikumsleitung dazu entschlossen, mit der Bildung von Zentren an den internen Versorgungsstrukturen zu feilen. Daten belegen, dass Krebspatienten, die in Zentren behandelt werden, bessere Aussichten haben. In Deutschland gibt es bislang 32 Interdisziplinäre Onkologische Zentren, mit dem IOZ in Nürnberg steigt die Zahl in Bayern auf vier. Für das Zertifikat haben, so Niklewski, externe Experten alle beteiligten Kliniken überprüft. Der Stempel belege: Das IOZ sei kein Papiertiger – die Kooperation werde gelebt.

  

dpa

Mail an die Redaktion

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.