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Das Anderland wird wieder besiedelt

Neueröffnung in Johannis - 01.04.2010

Nürnberg  - Am Donnerstag öffnete in der Johannisstraße 140 ein alter Bekannter seine Pforten an neuer Wirkungsstätte: Das Anderland. Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass der kultige Nordstadt-Biergarten in der Berckhausstraße einem Wohnbauprojekt weichen musste. Aber dank eines Zeitungsartikels und vieler freiwilliger Helfer schafften die drei neuen Betreiber in kurzer Zeit, was kaum einer für möglich gehalten hat.

Ab heute wird nicht mehr gebohrt, sondern ausgeschenkt: Deniz, Chris und Anja haben bis zur letzten Minute am neuen Anderland gewerkelt.
Ab heute wird nicht mehr gebohrt, sondern ausgeschenkt: Deniz, Chris und Anja haben bis zur letzten Minute am neuen Anderland gewerkelt.
Foto: Wawarta

26 Jahre lang setzte sich Klaus Schöttner geduldig immer wieder mit den stetigen Anwohnerbeschwerden auseinander. Weil sein um die 700 Quadratmeter großer Biergarten inmitten eines Wohngebietes lag, blieben die nicht aus. Trotzdem schaffte er es, die Beschwerdeführer immer wieder zu beschwichtigen. Trotz großen Besucher-Andrangs.

Vielleicht lag das an dem urgemütlichen Hinterhof-Ambiente, in dem sich ein bunt gemischtes Publikum zwischen 16 und 66 zuhause fühlte. Oder an Schöttners Prinzip, nicht jedem Trend hinterher zu laufen, sondern auf Altbewährtes zu setzen ohne dabei altbacken zu wirken. Oder einfach an den leckeren Pizzas, Salaten und dem Landbier. Das selbst betitelte »Kompetenzteam» Anja Sobowa (30), Deniz Öztürk (26) und Chris Hader (34) will diese Tradition fortführen. Und trotzdem neue Akzente setzen. »Am liebsten hätten wir das Anderland dort übernommen, wo es gewesen ist.» Als Chris das sagt, merkt man die Wehmut, die in diesen Worten mitschwingt. Alle drei kennen den Laden nur zu gut. Chris und Anja haben lange Jahre selbst an Tresen und Pizzaofen geholfen. Deniz lernte die beiden als Stammgast kennen und schätzen.

»Als die Schließung dann näher rückte, hat mich Klaus gefragt, ob ich nicht Lust habe, was Neues fürs Anderland zu suchen.», berichtet die studierte Kommunikationsdesignerin Anja. Die richtige Mannschaft zu finden, war Formsache. Alle drei hatten schon länger damit geliebäugelt, sich in der Gastronomie auf eigene Beine zu stellen. Nach der Unterzeichnung des Pachtvertrages begannen sie im November des letzten Jahres mit den Umbauarbeiten.

Den ehemaligen Räumen des türkischen Restaurant »Olive» wurde ein komplett neues Gesicht verpasst. Der hohe Innenraum, der eine Mischung aus klassischer Gaststube mit etwa 40 Sitzplätzen und Lounge mit Kicker werden soll, erstrahlt in verschiedenen Farbtönen von Weiß über Violett bis Braun. Die Wände werden künftig von wechselnden Ausstellungsobjekten geziert, in den ersten paar Wochen gibt es hier Bilder vom alten und neuen Laden zu sehen, die von verschiedenen Fotografen gemacht wurden. Am geräumigen Tresen steht eine mächtige Zapfanlage im Blickpunkt, von der mindestens vier wechselnde Landbiere vom Fass ausgeschenkt werden.

Natürlich ist das gute alte Lindenbräu dabei. Aber dazu kommen verschiedene Sorten vom Land. Zum Beispiel das Spalter Dunkel – das Bier der Brauerei aus dem Norden des fränkischen Seenlands, wo Bürgermeister gleichzeitig Brauereiherr ist. Oder das Bier ohne Namen (www.bier.org), das im Anderland neu eingeführt wird und mit dem mutigen Slogan »Geschmack braucht keinen Namen» auf dem Emblem wirbt. Chris bringt das Grundsätzliche des Konzeptes auf den Punkt: »Lieber zahle ich im Einkauf einen oder zwei Euro mehr, dafür unterstütze ich kleine Betriebe vom Land.»

Entsprechend auch das Essensangebot: Statt Parmaschinken aus Italien gibt es Geräuchertes aus der Region, statt Rucola aus Spanien oder Radicchio aus Peru stellt man die Salate aus Saisongemüse zusammen. Hinterher natürlich ein fränkischer Obstler. Oder sogar ein Single Cask Malt Whiskey aus heimischen Brennereien.

In gut zwei Wochen öffnet dann auch der Biergarten, der Platz für etwa 100 Leute bietet (17. April). Besonders hier zeigt sich die Verwurzelung mit dem alten Anderland. Das komplette Inventar – inklusive Pizzaöfen – war zur Überbrückung in diversen Garagen, Kellern und Lagerräumen eingelagert. Jetzt kommt es wieder zum Einsatz: »Das Feeling des alten Anderlandes soll beibehalten werden. Aber natürlich wollen wir auch die Möglichkeiten der neuen Räumlichkeiten ausschöpfen», sagt Anja.

Der Außenbereich liegt auch dieses Mal im Wohngebiet. Aber da machen sich die drei Junggastronomen keine allzu großen Sorgen. Und falls es mal zu Diskussionen kommt: Klaus Schöttner hat die drei vom ersten Moment an voll unterstützt und steht ihnen garantiert auch hier mit Rat und Tat zur Seite.

Anderland, Johannisstraße 140. Heute Eröffnung des Innenbereiches, Biergarten ab 17. April. Im Internet: www.das-anderland.de 

David Lodhi


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