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Ein Fenstersturz wird zum Glücks-Fall

Dreharbeiten mit Stipe Erceg in Nürnberg - 08.05.2012 07:48 Uhr

Nürnberg  - Es klingt wie erfunden, ist aber wirklich passiert: Ein Kleinkind fällt im vierten Stock aus dem Fenster, landet aber erst auf einer Markise und dann in den Armen eines Mannes. Dieser leidet an Depressionen, doch der Sturz des zweijährigen Jungen ist für beide Beteiligte ein Glücks-Fall: Das Kind überlebt und der Mann kann durch dieses Erlebnis seine Krankheit überwinden. Passiert ist das Ganze in Paris, nun wird in Nürnberg ein Film darüber gedreht.

Eine wahre Begebenheit wird von Regisseur Michael Fiebrig (links) verfilmt: Ein Kind stürzt aus dem vierten Stock und wird von einem depressiven Mann (Stipe Erceg, rechts) aufgefangen – wodurch er seine Krankheit überwindet.
Eine wahre Begebenheit wird von Regisseur Michael Fiebrig (links) verfilmt: Ein Kind stürzt aus dem vierten Stock und wird von einem depressiven Mann (Stipe Erceg, rechts) aufgefangen – wodurch er seine Krankheit überwindet.
Foto: Stefan Hippel
Eine wahre Begebenheit wird von Regisseur Michael Fiebrig (links) verfilmt: Ein Kind stürzt aus dem vierten Stock und wird von einem depressiven Mann (Stipe Erceg, rechts) aufgefangen – wodurch er seine Krankheit überwindet.
Eine wahre Begebenheit wird von Regisseur Michael Fiebrig (links) verfilmt: Ein Kind stürzt aus dem vierten Stock und wird von einem depressiven Mann (Stipe Erceg, rechts) aufgefangen – wodurch er seine Krankheit überwindet.
Foto: Stefan Hippel

Warum gerade in Nürnberg? Ganz einfach: Weil hier der Regisseur Michael Fiebrig lebt, der die Geschichte einst im "Spiegel“ gelesen und die Vision eines Filmes zu dieser Meldung hatte. Zudem bietet Nürnberg den idealen Drehort. Gesucht war ein vierstöckiges Haus, das im Erdgeschoss ein Café mit großer Markise beherbergen sollte. Das passende Gebäude kennt Fiebrig schon aus seiner Schulzeit: Das Haus mit dem Balazzo Brozzi in der Hochstraße, gegenüber vom Rosenaupark. Und der junge Filmemacher kennt auch den passenden Hauptdarsteller: Stipe Erceg, der an der Seite von Daniel Brühl mit dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei“ bekannt wurde.

Bilderstrecke zum Thema
Seit er in "Die fetten Jahre sind vorbei" an der Seite von Daniel Brühl zu sehen war, ist Stipe Erceg aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Jetzt gastiert er für einen neuen Film in Nürnberg. Wenn auch nur für drei Tage, hat er einiges von der Frankenmetropole gesehen. Die Bilder vom Dreh gibt's hier.

Die Tür des Balazzo Brozzi führt direkt in die Meisengeige

"Wir haben uns vor einem Jahr bei einem Dreh kennengelernt, Michael war Kameramann“, erzählt Stipe Erceg. "Damals hat er mir geholfen, jetzt helfe ich ihm“ – das Engagement des in Berlin lebenden Schauspielers ist eine Art Freundschaftsdienst. Und obwohl Erceg nur insgesamt drei Tage in Nürnberg weilt, hat er einiges von der Stadt mitbekommen: "Ich wohne am Hauptmarkt“, erzählt Erceg, "und beim venezianischen Markt habe ich ein bisschen Wein getrunken. Außerdem war ich vor einem Jahr schon mal eine Woche hier.“

Gefränkelt wird in dem Film "Der Fall Nils B.“ allerdings nicht. Und auch sonst hält sich die Nürnberger Produktionsfirma „Medienjargon“ in Sachen Lokalkolorit zurück: "Wir haben sogar überlegt, ob wir auch mal die Burg ins Bild nehmen. Aber eigentlich soll der Film überall spielen können und nicht von einem Ort oder einer Jahreszeit abhängig sein“, sagt Fiebrig. Gedreht wurden bisher nur Straßenszenen in der Hochstraße sowie gestern in den verschiedensten Einstellungen die Fassade des Hauses Nr. 2: Permanent wurde das Kamerateam mit einem Lkw-Kran hoch- und runtergefahren.


Mit einem Lkw-Kran hat das Team gestern die Hausfassade von außen abgefilmt, der Sturz aus dem Fenster wird dann extra gedreht und in die Haus-Bilder montiert.
Mit einem Lkw-Kran hat das Team gestern die Hausfassade von außen abgefilmt, der Sturz aus dem Fenster wird dann extra gedreht und in die Haus-Bilder montiert.
Mit einem Lkw-Kran hat das Team gestern die Hausfassade von außen abgefilmt, der Sturz aus dem Fenster wird dann extra gedreht und in die Haus-Bilder montiert.
Mit einem Lkw-Kran hat das Team gestern die Hausfassade von außen abgefilmt, der Sturz aus dem Fenster wird dann extra gedreht und in die Haus-Bilder montiert.

Der Sturz wird dann extra aufgenommen und in diese Fassadenbilder hineinmontiert. Überhaupt ist der Umgang mit Bildern sehr frei: Betritt der Hauptdarsteller den Balazzo Brozzi, so steht er plötzlich in der Meisengeige. Der Regisseur erklärt: "Unser Cafébetreiber stammt aus dem Maghreb, da passt die Einrichtung der Meisengeige besser für die Atmosphäre. Also haben wir dort die Innenaufnahmen gemacht.“

Eine Herausforderung ist für Stipe Erceg die Länge des Filmes: Er dauert insgesamt nur acht Minuten. "Es ist einfacher, bei einem langen Film eine Figur zu entwickeln. Hier muss ich komprimiert arbeiten und sehr präzise sein.“ Und wo gibt’s den vom bayerischen Film- und Fernsehfonds geförderten Kurzfilm dann zu sehen? „Wir stehen gerade in Verhandlungen mit dem Sender Arte“, verrät Michael Fiebrig. "Außerdem soll er auf Filmfestivals laufen, auch auf größeren. Wir möchten schon auf die Berlinale!“

Der Reiz an der Geschichte ist, dass sie wahr ist, obwohl sie wie ein Märchen klingt – und auch im Film wie ein solches inszeniert wird. Da würde sich doch als märchenhaftes Element so eine alte Burg ganz gut machen... 

Von Erik Stecher


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