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Warum gerade in Nürnberg? Ganz einfach: Weil hier der Regisseur Michael Fiebrig lebt, der die Geschichte einst im "Spiegel“ gelesen und die Vision eines Filmes zu dieser Meldung hatte. Zudem bietet Nürnberg den idealen Drehort. Gesucht war ein vierstöckiges Haus, das im Erdgeschoss ein Café mit großer Markise beherbergen sollte. Das passende Gebäude kennt Fiebrig schon aus seiner Schulzeit: Das Haus mit dem Balazzo Brozzi in der Hochstraße, gegenüber vom Rosenaupark. Und der junge Filmemacher kennt auch den passenden Hauptdarsteller: Stipe Erceg, der an der Seite von Daniel Brühl mit dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei“ bekannt wurde.
"Wir haben uns vor einem Jahr bei einem Dreh kennengelernt, Michael war Kameramann“, erzählt Stipe Erceg. "Damals hat er mir geholfen, jetzt helfe ich ihm“ – das Engagement des in Berlin lebenden Schauspielers ist eine Art Freundschaftsdienst. Und obwohl Erceg nur insgesamt drei Tage in Nürnberg weilt, hat er einiges von der Stadt mitbekommen: "Ich wohne am Hauptmarkt“, erzählt Erceg, "und beim venezianischen Markt habe ich ein bisschen Wein getrunken. Außerdem war ich vor einem Jahr schon mal eine Woche hier.“
Gefränkelt wird in dem Film "Der Fall Nils B.“ allerdings nicht. Und auch sonst hält sich die Nürnberger Produktionsfirma „Medienjargon“ in Sachen Lokalkolorit zurück: "Wir haben sogar überlegt, ob wir auch mal die Burg ins Bild nehmen. Aber eigentlich soll der Film überall spielen können und nicht von einem Ort oder einer Jahreszeit abhängig sein“, sagt Fiebrig. Gedreht wurden bisher nur Straßenszenen in der Hochstraße sowie gestern in den verschiedensten Einstellungen die Fassade des Hauses Nr. 2: Permanent wurde das Kamerateam mit einem Lkw-Kran hoch- und runtergefahren.
Der Sturz wird dann extra aufgenommen und in diese Fassadenbilder hineinmontiert. Überhaupt ist der Umgang mit Bildern sehr frei: Betritt der Hauptdarsteller den Balazzo Brozzi, so steht er plötzlich in der Meisengeige. Der Regisseur erklärt: "Unser Cafébetreiber stammt aus dem Maghreb, da passt die Einrichtung der Meisengeige besser für die Atmosphäre. Also haben wir dort die Innenaufnahmen gemacht.“
Eine Herausforderung ist für Stipe Erceg die Länge des Filmes: Er dauert insgesamt nur acht Minuten. "Es ist einfacher, bei einem langen Film eine Figur zu entwickeln. Hier muss ich komprimiert arbeiten und sehr präzise sein.“ Und wo gibt’s den vom bayerischen Film- und Fernsehfonds geförderten Kurzfilm dann zu sehen? „Wir stehen gerade in Verhandlungen mit dem Sender Arte“, verrät Michael Fiebrig. "Außerdem soll er auf Filmfestivals laufen, auch auf größeren. Wir möchten schon auf die Berlinale!“
Der Reiz an der Geschichte ist, dass sie wahr ist, obwohl sie wie ein Märchen klingt – und auch im Film wie ein solches inszeniert wird. Da würde sich doch als märchenhaftes Element so eine alte Burg ganz gut machen...


