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Sammlung des Deutschen Spiele-Archivs kommt nach Nürnberg

Die Karten werden neu gemischt - 20.04.2010

Nürnberg  - Monopoly, Mensch ärgere Dich nicht, Scrabble und auch Kniffel dürften jedermann bekannt sein. Doch neben diesen vier »Klassikern« beherbergt der Bestand des Deutschen Spielearchivs rund 30 000 weitere Brett- und Gesellschaftsspiele hauptsächlich aus der Zeit seit 1945. Diese beachtliche Sammlung wurde in den vergangenen Tagen von Marburg nach Nürnberg geschafft, denn der bisherige Standort des Archivs wird aufgelöst. Neuer Eigentümer des Spielearchivs ist die Stadt Nürnberg, die den Ankauf im vergangenen Jahr beschlossen hatte.

Bernward Thole, Gründer und über zwei Jahrzehnte lang auch Leiter des Deutschen Spielearchivs, hat seine Sammlung von rund 30 000 Spiele-Titeln mittlerweile der Stadt Nürnberg übergeben.
Bernward Thole, Gründer und über zwei Jahrzehnte lang auch Leiter des Deutschen Spielearchivs, hat seine Sammlung von rund 30 000 Spiele-Titeln mittlerweile der Stadt Nürnberg übergeben.
Foto: privat

»Ich habe absolut keine Probleme damit loszulassen«, beteuert Klaus Thole, der das Archiv 1985 ins Leben gerufen hat, im Gespräch mit der NZ. »Ich habe drei Jahrzehnte lang archiviert, jetzt möchte ich einfach wieder spielen.« Dazu hat er den neuen Verein »Spiele-Brücke e.V.« gegründet und will in diesem Rahmen vor allem das Spiel als verbindendes Element zwischen den Generationen und den Kulturen fördern. Erste Projekte in diesem Rahmen wurden schon gestartet.

Natürlich ist es nicht einfach, das eigene Lebenswerk in andere Hände zu legen. Der heute 73-jährige Thole war zu diesem Schritt allerdings mehr oder weniger gezwungen worden, da durch den Ausstieg des Vereins »Spiel des Jahres« im Jahr 2007 eine entscheidende Finanzquelle für das Archiv versiegte. Dieses war für den bekanntesten deutschen Spiele-Preis lange Zeit als Dienstleister tätig gewesen.

Forschungs- und Dokumentationsmöglichkeiten

Auch Gespräche mit der Stadt Marburg, das Archiv in anderer Form fortzuführen, brachten kein tragfähiges Ergebnis. Die angedachten Verknüpfungen mit dem Marburger Kindheitsmuseum oder dem Zirkusarchiv wurden von Bernward Thole als »absolut perspektivlos« abgelehnt.

Das Archiv drohte auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung zu verschwinden – und mit ihm auch eine Reihe von wichtigen Forschungs- und Dokumentationsmöglichkeiten: So gibt es u. a. den Service für Spieleautoren, beim Archiv neue Spiele-Ideen einzureichen, um damit die Urheberschaft zu dokumentieren. Ein solcher Nachweis kann durchaus sinnvoll sein, denn anders als etwa bei gedruckten Werken oder bei Musiktiteln kann man sich im Spiele-Bereich seine Regel-Ideen nicht so ohne weiteres rechtlich absichern.

Mit der Übernahme der Sammlung nahm die Stadt Nürnberg nun sozusagen ihre »zweite Chance« wahr: Das Spielearchiv sollte nämlich schon einmal an der Pegnitz angesiedelt werden, damals aber scheiterte das Vorhaben an den begrenzten räumlichen Möglichkeiten des Spielzeugmuseums. Bernward Thole verlor allerdings auch während der »Marburger Zeit« nie den Standort Nürnberg ganz aus den Augen und war auch des öfteren hier aktiv.

So veranstaltete er auf der Spielwarenmesse ein »Autoren-Café« mit Gesprächsrunden, die in erster Linie um die Bedeutung des Gesellschaftsspiels als Kulturgut kreisten. 2008 war er Mitglied der Jury, die im Auftrag der Deutschen Akademie für Fußballkultur einen Fußball-Brettspielpreis vergab.

»Es handelt sich ganz ohne Zweifel um einen faszinierenden Fundus«, urteilt Matthias Henkel, Direktor der Museen der Stadt Nürnberg, über die von Thole angelegte Sammlung. Dieses fachlich fundierte Ergebnis einer 30-jährigen Sammel- und Analysetätigkeit solle natürlich auch in Nürnberg entsprechend genutzt werden und eine neue institutionelle Heimat erhalten.

Einzelheiten über das zukünftige Konzept des Archivs würden demnächst bekanntgegeben, wenn die entsprechenden Pläne detailliert ausgearbeitet seien. 

Clemens Helldörfer


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