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Alois Glück und die Zukunft des Katholizismus

«Wir haben viel anzubieten» - 11.12.2009

Augsburgs Bischof Walter Mixa bezeichnete den Vorstoß postwendend als kontraproduktiv. Von einem ZdK-Vorsitzenden dürfe man angesichts «eines zunehmend aggressiven Atheismus und der Verdunstung menschlicher Werte in unserer Gesellschaft» etwas anderes erwarten, als eine neuerliche Debatte um den Zölibat vom Zaun zu brechen.

Die Härte der Antwort verwundert. Und ist gleichzeitig auch ein Zeichen.

Wenn es nach der Mehrheit der bayerischen Bischofskonferenz gegangen wäre, wer weiß, ob der 69-jährige CSU-Politiker und frühere Landtagspräsident überhaupt den Zuschlag bekommen hätte. Alois Glück, ein Wertkonservativer, der sich eigentlich in den Ruhestand verabschiedet hatte und sich nur noch seiner Familie widmen wollte, ist manchen konservativen Bischöfen nicht geheuer.

«Lassen Sie sich nicht irremachen»

Er war Gründungsmitglied von Donum Vitae, jenem Verein katholischer Laien, die eine Schwangerenkonfliktberatung gegen den Willen der Bischöfe weiterführten. Die Beraterinnen von Donum Vitae versuchen Frauen zum Austragen des Kindes zu bewegen, geben aber einen Beratungsschein aus, der eine Fristenlösung, sprich Abtreibung, möglich macht. Die Ausstellung eines solchen Beratungsscheines war vom damaligen Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 verboten worden. Der darauffolgende Streit hat Wunden geschlagen, die offenbar noch nicht vernarbt sind.

Alois Glück konnte aber schon deshalb bischöflicherseits nicht verhindert werden, weil bereits im Mai der ZdK-Kandidat Brockmann nicht die nötige Zustimmung der Bischofsmehrheit erreicht hatte und gekippt worden war.

Wenn Alois Glück erzählt, dass er mitunter auch Zuspruch von bestimmten Bischöfen bekommt, kann er eine gewisse Verschmitztheit nicht unterdrücken. «Lassen Sie sich nicht irremachen,» werde er immer wieder einmal von episkopaler Seite ermuntert. Offenbar ist die Bischofskonferenz doch nicht so uniform, wie es manchmal erscheint.

Gestörtes Gesprächsklima

Kaum jemand kennt das Innenleben der katholischen Kirche in Deutschland besser als Alois Glück. Er war Landjugendsekretär in Oberbayern und organisierte maßgeblich den Münchner Katholikentag 1984. Im ZdK gehörte er zu den Einflussreichen wie auch in der CSU, wo er freilich nicht zu den «Spezln» zählte, sondern die Grundsatzarbeit vorantrieb. Die Amigo-Affäre hätte die Partei sicher nicht so schnell wegstecken können, wenn Alois Glück nicht für einen anderen Stil gesorgt hätte.

Dieser Stil könnte auch die nächsten vier Jahre im Amt des ZdK-Präsidenten prägen – solange will er ausharren. Und vielleicht ändert sich ja auch das Gesprächsklima in der Kirche wieder, das «vor 20 Jahren noch ein anderes war als heute»; denn «die Kultur der Auseinandersetzung in der Kirche ist nicht beispielhaft».

Dabei habe in keinem Land der Welt die katholische Kirche soviel Einfluss wie in Deutschland. Glück lässt keinen Zweifel daran, dass er diesen Einfluss nützen will. Wie? Die Katholische Nachrichtenagentur spricht vom ZdK als einer Art «Nichtregierungsorganisation» (NGO), die einen Weg finden muss zwischen der politischen Einflussnahme der CDU/CSU und den Bischöfen. Dem Mann aus Bayern traut man jedenfalls die notwendigen Pfadfinder- und Führungsqualitäten zu. Dem sind aber auch Spiritualität und eine zeitgemäße Glaubensvermittlung wichtig: «Glauben kann nicht weitervererbt werden wie ein Familienvermögen. Glauben hat auch mit Gnade zu tun.»

Schwingt da etwa ein wenig Resignation angesichts leerer werdender Kirchen und dramatischer Austrittszahlen mit?

Der katholischen Kirche empfiehlt Glück, die Türen weit aufzustoßen, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu liefern. «Viel zu lange haben wir uns mit uns selbst beschäftigt.» Diese Gesellschaft brauche einen neuen Lebensstil. «Wir haben da viel anzubieten.» Freilich dürfe man jetzt nicht zur «Situation vor der Finanzkrise 2008» zurückkehren.

Glück will vielmehr eine neue Wertedebatte anstoßen. Noch nie seien so viele Menschen auf der Suche nach Sinn und Orientierung gewesen. Aber schafft es die Kirche auch, den Raum zwischen dem Aufkommen eines neuen Atheismus und dem Erblühen einer neuen Religiosität auszufüllen? Ja, meint Glück, schließlich könne man auf ein Menschenbild bauen, das die unantastbare Würde des Menschen in den Mittelpunkt rücke.

Anzustreben sei eine «Kultur der Verantwortung». Zu den drei Maximen des neuen ZdK-Präsidenten gehören: ein innerer Kompass, Kompetenz und Kompromissbereitschaft. Nicht von ungefähr nannte der frühere Kultusminister Hans Maier ihn einen «wandelnden Vermittlungsausschuss".

Da kann selbst der Bischof nicht mäkeln

Als solcher weiß er auch um die Risiken, die der Ökumenische Kirchentag 2010 in München mit sich bringt. Von ihm erhofft er sich viele persönliche Erfahrungen und spirituelle Impulse. Dabei solle klar werden, dass das Gemeinsame beider Kirchen größer sei als das Trennende. Allerdings habe gerade die 1999 unterschriebene Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre bewiesen, dass noch weiterer ökumenischer Klärungsbedarf bestehe, wie der Protest von über 100 protestantischen Theologen gegen die Unterschrift gezeigt habe. Für eine gegenseitige Einladung zum Abendmahl sei die Zeit jedenfalls noch nicht reif. Und an dieser Äußerung fände wohl auch Augsburgs Bischof Walter Mixa nichts zu mäkeln. 

Raimund Kirch

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