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«Die Städter können sich als etwas Besseres fühlen, wenn sie die vermeintlich doofen Bauern sehen», glaubt Elke Grasshof. Sie ist Partnervermittlerin für Landwirte (www.pv-grasshof.de) und ärgert sich maßlos über die Sendung. «Das bedient die niederen Bedürfnisse des Volkes.» Dabei seien die Landwirte vielseitig begabte Männer, die mit beiden Beinen fest im Leben stünden – «ganz anders als so mancher Großstädter», sagt die Partnervermittlerin. Bei der Sendung würden nur Extreme dargestellt: «Eine Diffamierung der Bauern ist das.»
Das sieht man im Deutschen Bauernverband (DBV) ganz ähnlich – obwohl sich schon einiges gebessert habe seit der ersten Staffel: «Inzwischen werden nicht mehr nur alte Betriebe gezeigt, sondern auch moderne, neue, wie sie heute in der Landwirtschaft üblich sind», erklärt Agnes Scharl, Pressereferentin des DBV. «Die Kritiker scheinen Gehör gefunden zu haben.» Man habe nicht den Eindruck, dass RTL die Berufsgruppe der Landwirte öffentlich an den Pranger stellt: «Das kommt in der neuen Staffel auch nicht mehr so rüber.»
Dennoch: Die Sendung ist dem Verband ein Dorn im Auge. Es werde der Eindruck vermittelt, dass Bauern es besonders schwer hätten bei der Partnersuche. «Dem ist überhaupt nicht so», sagt Agnes Scharl. «Bauern sind ganz normale Menschen mit wirtschaftlichen Unternehmen. Da gibt es keine Unterschiede zu anderen Berufen.»
Im Gegenteil sei es durch die guten sozialen Strukturen auf dem Land einfach, potenzielle Partner kennenzulernen: «Beim Feuerwehrfest oder anderen Feiern kommen sich die jungen Leute näher.»
Das wiederum sieht Partnervermittlerin Grasshof anders: «Landwirte haben es schon schwer, eine Partnerin zu finden.» Städterinnen seien oft nicht bereit für ein Leben auf dem Land – gerade für Schweinebauern sei die Partnersuche schwer. Der penetrante Geruch des Schweinestalls schrecke viele ab. Bauerntöchter wiederum seien oft neugierig auf die Welt und gingen in die Städte. Für Bauern sei es deshalb oft problematisch, die geeignete Frau zu finden. «Durch ihren Beruf sind Landwirte auch sehr eingebunden und haben wenig Zeit, nach einer Frau Ausschau zu halten.» Immerhin müssten sie sich neben den handwerklichen Tätigkeiten auf dem Hof auch um die betriebswirtschaftliche Seite kümmern. Gerade diese Vielseitigkeit sei aber das, was Bauer so attraktiv mache, findet Elke Grasshof, die über das Thema in ihrem Buch «Moderne Prinzen fahren Traktor» auch schon geschrieben hat.
Eine Diffamierung der Landwirte sieht der renommierte Medienexperte Professor Jo Groebel in der RTL-Sendung nicht. Im Gegenteil: «Ich glaube, die Show hat so gute Quoten, weil sich viele Städter nach dem vermeintlich einfachen Landleben sehnen», sagt der Direktor des Deutschen Digital-Instituts Berlin. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wünschte man sich, nah bei der Natur zu sein.
«Wir stellen uns alle mal schusselig an»
Zudem sei die Sendung nicht darauf ausgelegt, die Akteure bloßzustellen. «Natürlich gibt es trotzdem Schadenfrohe, die sich beim Zuschauen über die ,Deppen vom Land‘ lustig machen. Aber die sind selbst schuld und sollten mal über ihre arrogante Haltung nachdenken.» Sicher entstehe bei den Sendungen manchmal auch eine gewisse Situationskomik, aber: «Wir stellen uns alle mal schusselig an», so Groebel, der auch schon den früheren Bundespräsidenten Rau und die niederländische Regierung in Medienfragen beraten hat.
Gerade die Menschlichkeit mache den Reiz von «Bauer sucht Frau» aus: «Viele Zuschauer haben die Nase voll von platten, fast schon steril wirkenden Medienprofis. Die scheinen von vornherein immer zu wissen, wie sie reagieren müssen. Die Landwirte wirken dagegen authentisch und spontan.»
Ein weiterer Reiz für die Zuschauer sei das Aufeinanderprallen verschiedener Welten: «Wenn die verwöhnte Tussi aus der Stadt den bodenständigen Bauern trifft, ist das dramaturgisch spannend», erklärt der Medienexperte. Und zu guter Letzt sei die Sendung gut und professionell gemacht. «Man erwartet da nichts Tiefsinniges, aber sie ist prickelnder als so manch andere, auf intellektuell gemachte Sendung.»
Deshalb schämt sich Jo Groebel auch nicht dafür, dass er «Bauer sucht Frau» selbst gern hin und wieder anschaut. Dass die wenigsten Menschen eine solche Vorliebe eingestehen würden, ist für den Medienexperten typisch deutsch: «Bei uns sitzt immer noch der unsichtbare Studienrat mit auf dem Sofa. Kultur darf aber auch unterhalten.» Wie bei allem käme es eben auf die Dosis an: «Wer den ganzen Tag Doku-Soaps und Castingshows anschaut, verblödet. Aber nicht wegen der Sendungen an sich – sondern, weil er nichts anderes macht.»
