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Besser ein spätes Glück als gar keins

Catherine Deneuve in „Die Liebenden“ - 03.05.2012

Schwermut, Eleganz und eine Prise Kitsch: Aus diesen Zutaten setzt sich der französische Film „Die Liebenden – Von der Last, glücklich zu sein“ zusammen. Denn: Hier dreht sich eigentlich alles um die Untiefen der Liebe.

Paris bei Nacht, es herbstet schon sehr. Mutter Madeleine (Catherine Deneuve, links) und Tochter Vera (Chiara Mastroianni) reden über das Leben und die Liebe. Eine Szene aus dem Musical-Film „Die Liebenden“.
Paris bei Nacht, es herbstet schon sehr. Mutter Madeleine (Catherine Deneuve, links) und Tochter Vera (Chiara Mastroianni) reden über das Leben und die Liebe. Eine Szene aus dem Musical-Film „Die Liebenden“.
Foto: dpa
Paris bei Nacht, es herbstet schon sehr. Mutter Madeleine (Catherine Deneuve, links) und Tochter Vera (Chiara Mastroianni) reden über das Leben und die Liebe. Eine Szene aus dem Musical-Film „Die Liebenden“.
Paris bei Nacht, es herbstet schon sehr. Mutter Madeleine (Catherine Deneuve, links) und Tochter Vera (Chiara Mastroianni) reden über das Leben und die Liebe. Eine Szene aus dem Musical-Film „Die Liebenden“.
Foto: dpa

Erzählt wird eine Geschichte, die sich über vier Jahrzehnte erstreckt. Im Fokus: Die Pariser Schuhverkäuferin Madeleine (Ludivine Sagnier). Es sind die sündigen 60er Jahre und in geklauten roten High Heels stöckelt Madeleine unbedarft Richtung Rotlichtmilieu.

Einer ihrer Freier ist der junge Tscheche Jaromil. Mit dem Arzt zieht sie nach Prag und bald wird Tochter Vera geboren. Dann bricht der Prager Frühling an und Jaromil erweist sich als periodisch untreuer Zeitgenosse. Madeleine verlässt den Gatten und geht mit Vera nach Paris zurück.


Wie schon „Chanson der Liebe“ entpuppt sich auch der neue Film des französischen Regisseurs Christophe Honoré als Musical. Die von den Schauspielern gesungenen melancholischen Chansons wirken oft wie innere Monologe. Für die Musik zeichnet Honorés musikalischer Dauerpartner Alex Beaupain verantwortlich.

Mutter


und Tochter

Eine weitere Trumpfkarte ist die Damenriege. Ludivine Sagnier spielt die junge Madeleine beschwingt und goldig. Catherine Deneuve verleiht der gealterten Version eine tragische Komponente. Immer mehr rückt daneben die mittlerweile erwachsene Vera in den Mittelpunkt. Die wird von Chiara Mastroianni verkörpert. Zum ersten Mal steht Deneuve also hier mit ihrer leiblichen Tochter vor der Kamera, die aus der Beziehung mit Marcello Mastroianni hervorging.

Vera taumelt in den frühen 90ern durchs Pariser Nachtleben, wohl wissend, dass die freie Liebe heute mit viel Gefahr verbunden ist. Die Angst vor HIV lähmt die Libido. Wie schon Mutter Madeleine verguckt sich auch Vera in die falschen Männer. Sie liebt nämlich einen Musiker (Paul Schneider). Doch der ist fatalerweise schwul und zu allem Überfluss auch noch an Aids erkrankt.

Bei so viel Frauen-Power braucht es schon einen echten Kerl, um hier nicht mit Pauken und Trompeten unterzugehen. So einen wie die mittlerweile 80-jährige Regie-Legende Milos Forman („Einer flog über das Kuckucksnest“, „Amadeus“). Der gebürtige Tscheche glänzt als betagter Casanova Jaromil, der immer noch durch Madeleines Leben mäandert.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kommt das Paar wieder zusammen und findet in anonymen Hotelzimmern ein spätes Glück.

„Die Liebenden – Von der Last, glücklich zu sein“ erweist sich als leichtfüßig und tragisch zugleich. Ein Glücksfall also: 140 Kinominuten für die Seele. (MEISENGEIGE; Erlangen: MANHATTAN)
  

Thomas Susemihl


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