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Bewahren heißt nicht Stillstand

Das neue Antlitz der NZ - 01.10.2004

<SB220,85,130>NÜRNBERG (NZ). — Vom Montag an wird sich die „Nürnberger Zeitung“ in einem neuen Gewand zeigen. Warum das, werden sich Leserinnen und Leser fragen? Ist das noch unsere NZ? Keine Sorge. Der Inhalt wird auch weiter die Form dieser Zeitung...

NÜRNBERG (NZ). — Vom Montag an wird sich die „Nürnberger Zeitung“ in einem neuen Gewand zeigen. Warum das, werden sich Leserinnen und Leser fragen? Ist das noch unsere NZ? Keine Sorge. Der Inhalt wird auch weiter die Form dieser Zeitung... © -


Die „Nürnberger Zeitung“ sei die „bewahrende Kraft im täglichen Wandel“ — so lautete eine Plakatzeile, mit der vor Jahren geworben wurde. Und besser lässt sich die Maxime dieses Blattes nicht ausdrücken. Die Redaktion stand Moden und ihren Torheiten schon immer kritisch gegenüber. Konservativ, im guten Sinn des Wortes, setzte sie auf Tradition, freilich ohne die neue Sicht der Dinge zu vernachlässigen.

Aber Geschmacksrichtungen verändern sich nun einmal. Man könnte heute nicht eine Tageszeitung „aufmachen“, wie sie vor 200 Jahren ihren Lesern offeriert wurde. Da stimmt durchaus der Biermann-Satz: „Nur wer sich ändert, bleibt sich selber treu.“ Dass wir unser Fähnchen nach dem Wind hängen, heißt das jedenfalls nicht.

Die „Nürnberger Zeitung“ musste sich im Lauf ihrer Geschichte stets den Lese- und Lesergewohnheiten anpassen. Hätte sie es nicht getan — wer weiß, ob es das Blatt noch gäbe.

Auf unserer Grafik rechts lässt sich die Gestaltungsgeschichte an Hand der Zeitungsköpfe verfolgen. Nicht zu sehen ist die Bebilderung, die Anfang des 19. Jahrhunderts spärlich war und wenn, dann aus Holzschnitten und später aus Stahlstichen bestand.

Aus dem „Fränkischen Kreiscorrespondenten von und für Deutschland“ mit seinen wenigen Blättern im Format 20 auf 24 Zentimeter wurde bald der überregionale „Korrespondent von und für Deutschland“. Er erschien mit zwei Spalten. Als im Lauf der Jahre das Format größer wurde, ging man, den veränderten Lesegewohnheiten nachkommend, auf drei, später auf vier Spalten über, bis in den 60er Jahren die Fünfspaltigkeit festgeschrieben wurde. Sie gibt den Blattmachern die besten Gestaltungsmöglichkeiten; die meisten deutschen Tageszeitungen erscheinen mittlerweile fünfspaltig.

<SB220,85,130>Viele Zeitungen haben indes ihren ursprünglichen Kopf behalten. Dabei handelt es sich meist um eine altdeutsche Frakturschrift. Das war auch bei der NZ nicht anders, die aus dem vormaligen „Generalanzeiger“ hervorging. Mitte der 60er Jahre aber kam der Bruch. Die Frakturschrift wurde von einer Renaissance-Antiqua abgelöst. Diese Umstellung brachte nicht den erhofften Aufschwung. Im Gegenteil. Teil der folgenden Rettungsaktion (siehe 200-Jahr-Beilage) war eine völlige Neugestaltung.

Die damaligen Blattmacher wählten ein für heutige Augen schreiendes Blaugrün als Titelfarbe. Die Überschriften waren eine Kombination aus serifenloser Futura und einer halbfetten Candida. Man verpackte konservativen Inhalt in einem boulevardesken Mantel, was durchaus geschätzt wurde; die Auflage stabilisierte sich. Mit sanften grafischen und typografischen Änderungen überschritt die „Nürnberger Zeitung“ die Jahrtausendwende und möchte nun mit einer neuerlichen grundlegenden Umgestaltung die Zukunft meistern. Wobei wir uns an drei einfache Regeln halten: die Lesbarkeit steigern; das Finden erleichtern; den Unterhaltungswert nicht vernachlässigen. Wie heißt es doch beim Apostel Paulus: „Prüfet alles, das Gute aber behaltet.“ 

RAIMUND KIRCH

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