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Da kann noch so oft die selbe Farbe gefallen sein – die Wahrscheinlichkeitsverteilung für die nächste Runde bleibt trotzdem unverändert bei 50:50. Dennoch glauben viele Menschen unerschütterlich an das Gesetz der Serie oder an ein vermeintlich todsicheres System, das ihnen irgendwann einmal den großen Geldsegen bescheren wird. Und sie spielen immer wieder Lotto, obwohl die Chance auf eine Sechs mit Superzahl deutlich geringer ist als die, von einem Blitzschlag ins Jenseits geschickt zu werden, wo irdischer Reichtum im Übrigen völlig wertlos ist.
Spielepädagoge Jürgen Zeh ging es bei seiner Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Mitspieler gesucht“ mit Sicherheit aber nicht darum, Zockern mit heißen Tipps unter die Arme zu greifen. Wohl nirgendswo werden seiner Ansicht nach mehr Halb- und Unwahrheiten unters Volk gestreut als bei Glückspielen und Wettsystemen. Ein erfolgreicher Profi-Spieler müsste über schier unbegrenzte Mittel verfügen, um ein erfolgreiches System auch über eine lange „Dürreperiode“ hinweg durchziehen zu können. Auf der anderen Seite würdde er auch die schier unmenschliche Fähigkeit benötigen, seine Emotionen völlig unter Kontrolle zu halten. Es sei aber ein fast unweigerlicher Impuls, bei einer Pechsträhne einfach mehr zu setzen und auf so etwas wie „ausgleichende Gerechtigkeit“ zu hoffen.
„Naja, ins Casino gehe ich sowieso nicht“, mag sich da mancher sagen. Doch die meisten Umsätze mit Glücksspielen um Geld werden ohnehin andernorts gemacht: An den Abertausenden von Glücksspielautomaten, die in Deutschland aufgestellt sind. Allein in Nürnberg, so Jürgen Zeh, befinden sich 138 Spielhallen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind es gerade die leichte Erreichbarkeit dieser „Groschengräber“ in Verbindung mit ihrer hohen Spielgeschwindigkeit und der Illusion relativ vieler Gewinne, die das enorm hohe Suchtpotenzial ausmachen.
In Wirklichkeit aber wird der Eindruck des rasch erreichbaren Glücks durch sehr viele Beinahe-Gewinne erzeugt, und unter dem Strich schütten die Automaten auf lange Sicht deutlich weniger aus, als eingesetzt wird. Gerade im Bereich der Spielautomaten ist nach Ansicht von Jürgen Zeh eine Gesetzesreform überfällig, da hier die Zuständigkeit bei einer bundesweiten „Spieleverordnung“ liegt, wodurch der Glücksspielstaatsvertrag der Länder, der etwa das Lotto regelt, keine Gültigkeit besitzt. Bezeichnend ist auch der Euphemismus „Unterhaltungsautomat mit Gewinnmöglichkeit“. Für den Spielepädagogen ist die Geldspiel-Sucht mindestens genauso massiv wie eine Drogenabhängigkeit, da sie meist versteckt abläuft und mit der Zeit auch immer höhere Dosierungen verlangt.
Was aber ist mit einer „harmlosen“ Pokerrunde im Bekanntenkreis? Hier muss man erst einmal die Rahmenbedingungen beachten: Spielerunden, bei denen es um größere Bargeld-Einsätze geht, sind nämlich laut Zeh vom Gesetzgeber verboten. Dennoch drohe immer wieder die Gefahr, dass eine Spaß-Pokerrunde um symbolisch gemeinte Cent-Einsätze mit der Zeit in eine Zocker-Veranstaltung mit hohen Summen umschlägt: „Im Bekanntenkreis ist das Spielen um Geld grundsätzlich gefährlicher als etwa in der anonymen Umgebung eines Casinos“. Der Grund: Die Gefühle kochen noch leichter über, und man kann auch der Gefahr erliegen, die Freunde nach einer Pechsträhne „anzupumpen“.
Damit eine tolerable Spiel-Lust nicht in eine ungehemmte Spielsucht umschlägt, empfiehlt Zeh etwa das Führen eines Saldobuches und das Einhalten von Limits. Denn die Verdrängung von Verlusten sei schon der erste Schritt auf dem Weg in die Sucht.
www.spielen-mitverantwortung. de
