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Das Leben ist Theater – wir verkleiden uns

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 18. Februar 2012 - 17.02. 11:53 Uhr

Nürnberg  - Was zwischen Pegnitz und Piazza passiert, erzählt unsere NZ-Kolumnistin Nicoletta De Rossi. Jeden Samstag lädt sie zum Italienischlernen ein. Zu Fasching suchte sich Nicoletta eine original venezianische Maske.

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Was zwischen Pegnitz und Piazza passiert, erzählt unsere NZ-Kolumnistin Nicoletta De Rossi. Jeden Samstag lädt sie zum Italienischlernen ein. Zu Fasching suchte sich Nicoletta eine original venezianische Maske.

In den Hochburgen des italienischen Karnevals brodelt es schon seit Anfang des Monats, und auch an diesem Wochenende werden die Narren wieder durch die Straßen stolzieren. Neben traditionellen maschere (Masken), wie Colombina oder Arlecchino, ziehen aber auch carri allegorici (Persiflagewagen) durch die italienischen Städte, wie im toskanischen Viareggio, wo man den Karneval schon seit 1873 mit Riesenfiguren aus Pappmaschee feiert.

Obwohl der Persiflagewagen „Ma dov’è questa crisi?“ (Aber, wo steckt diese Krise?) eine sinkende Titanic präsentiert, wird aus Respekt für die Tragödie von Giglio keine spöttische Maske des Kapitäns Schettino gezeigt. Dabei muss ich auch an die unglückliche Wortwahl des Ministerpräsidenten Mario Monti denken, der bei der Präsentation seines Sparpakets sagte: „andremo a fondo“, das sowohl „wir werden der Sache auf den Grund gehen“ als auch „wir werden untergehen“ bedeuten kann.

Ein Schwein wird verbrannt



Ziemlich makaber sind l’estrema unzione e il funerale di Carnevale (die letzte Ölung und die Beerdigung des Karnevals) im apulischen Putignano, wo ein Schwein in cartapesta (aus Pappmaschee), das die Metapher für eine übermäßige Zeit verkörpert, il martedì grasso (am Faschingsdienstag) auf dem Hauptplatz verbrannt wird. Farbenfroh sieht es dagegen im sizilianischen Acireale aus, wo 10 Werkstätten um den Preis für den phantasievollsten und buntesten Wagen wetteifern. In Venedig wird diesmal am letzten Karnevalstag ein „Stier“ geopfert: Die riesige Statue, welche die Allegorie für den diesjährigen Karneval ist, erinnert an ein Stieropfer aus dem 12. Jahrhundert, das an Fasching in der Lagunenstadt zum Ritual wurde. Damit ist auch das Sprichwort „tagliare la testa al toro“ (ohne Verzögerungen eine Entscheidung treffen; wörtlich: dem Stier den Kopf abschneiden) verbunden – eine Einstellung, die perfekt zur Situation der letzten Monate in Italia passt: Schnell entscheiden, auch wenn es schmerzhaft ist!

Amouröse Anonymität

Wollten uns die Organisatoren mit dem Motto „La vita è teatro. Tutti in maschera!“ (Das Leben ist Theater. Verkleiden wir uns!) nur mitteilen, dass alle den Karneval mitfeiern sollten oder haben sie sich auf die traditionelle venezianische Maske la bauta bezogen? Die weiße Maske mit langem, komfortablem, schwarzem Umhang und Dreispitz, die sowohl Männer als auch Frauen vor allem im 18. Jahrhundert trugen, versicherte die absolute Anonymität nicht nur a Carnevale (an Karneval), sondern auch auf Festen, im Theater oder bei amourösen Begegnungen das ganze Jahr über. Ihre Form veränderte die Stimme und ermöglichte auch zu speisen, ohne sie abnehmen zu müssen: ein perfektes Inkognito!


In Mamoiada, in der sardischen Region Barbagia, vollziehen die mysteriösen schwarzen Masken Mamuthones und Issohadores am nächsten Dienstag einen uralten Ritus, um die Erde im kommenden Frühling fruchtbarer zu machen: Ob auch das italienische Wirtschaftsministerium darauf zurückgreifen wird, um die Produktivität der Halbinsel anzukurbeln? Mit solch einem Ritus könnten sogar die italienischen Gewerkschaften einverstanden sein – aber die italienische Politik sollte aufhören, di nascondersi dietro una maschera (sich hinter einer Maske zu verstecken)! 



Nicoletta De Rossi

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Ein italienisch-deutscher Blick auf das, was in Nürnberg so alles vor sich geht:
Unsere NZ-Kolumnistin Nicoletta De Rossi lädt jeden Samstag mit einem neuen Video-Beitrag zum Italienischlernen ein.