16°C

Samstag, 19.04. - 16:28 Uhr

|

Der Fundamentalist

Kommentar: Gerd Lüdemann - 15.12.2009

Und alle Jahre wieder bringt der Evangelische Pressedienst brav eine Meldung darüber, was dem Professor aus Göttingen diesmal eingefallen ist. Nichts Neues jedenfalls. Denn darüber, ob es den Stern von Bethlehem, die Drei Könige oder die Herbergssuche tatsächlich gegeben hat, streitet sich niemand mehr ernsthaft. Es sei denn, man gehört zu jenen Fundamentalisten, die mit Gewalt daran glauben wollen, dass Bibel oder Koran wörtlich zu nehmen sind.

Gerd Lüdemann, bis 1999 Professor für Neues Testament, hat sich mit seiner evangelischen Kirche überworfen, weil er deren Dogmatik ablehnt und meint, man müsse zu den Quellen zurück. Diese Quellen sind wichtig, sicher. Aber im Strom der Zeit vermischen sich die Wasser nun einmal. Es dürfte übrigens keine Universität auf der ganzen Welt geben, die lehrt, dass es die Heiligen Drei Könige wirklich gegeben habe. Ochs und Esel im Stall von Bethlehem sind für den Glauben nicht wirklich wichtig, und ob Jesus nun in Nazareth, Ramallah oder andernorts geboren wurde, ist zweitrangig.

Wichtig hingegen ist die zentrale Botschaft, die der Mann aus Nazareth der Nachwelt hinterlassen hat. Eine Botschaft, die revolutionierte, die jedoch auch immer in die jeweilige Zeit hinein übersetzt werden musste.

In der Bibel ist vieles symbolisch ausgedrückt; Gleichnisse und Metaphern wollen ausgelegt und interpretiert werden. Und niemand sollte das besser wissen als ein Professor, dem seine Universität das Fach «Geschichte und Literatur des frühen Christentums» zugewiesen hat. RAIMUND KIRCH 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Captcha

Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.