9°C

Sonntag, 23.11. - 13:56 Uhr

|

Der lange Marsch der Dai Quing

Kommentar: Buchmesse schrammt an Blamage vorbei - 12.09.2009

Auch Dai Quing, die Journalistin und Umweltaktivistin, musste die Konsequenzen aus ihrem Protest gegen den Bau des Drei-Schluchten-Staudammes ziehen. Sie wurde staatlicherseits totgeschwiegen, isoliert und beobachtet. Als sie es wagte, nach dem Tiananmen-Massaker im Juni 1989 aus der KP Chinas auszutreten, wurde sie verhaftet. Seitdem darf sie nur noch im Ausland veröffentlichen. Was heute, im Zeitalter des Internets, freilich keine unüberwindliche Barriere mehr darstellt.

Die modernen Übertragungstechniken sind es auch, die ein Regime wie das chinesische dazu zwingen, sich auf Kompromisse einzulassen. So wird man wohl die Boykottdrohungen nicht wahrmachen, wenn Dai Quing und ihr Kollege Bei Ling am China-Symposion in Frankfurt teilnehmen. Allzu schnell und willfährig hatte die Buchmesse die Dissidenten ausgeladen; erst danach dämmerte den Verantwortlichen, dass man damit «unnötige Kompromisse» eingegangen ist – man könnte auch von Feigheit sprechen.

Seit gestern ist alles wieder einigermaßen im Lot: Dai Quing ist sicher gelandet, was beileibe nicht selbstverständlich ist: Vor ihrem Abflug aus Peking war ihr Flugticket trotz doppelter Bestätigung am Vortag mit dem Reisebüro auf rätselhafte Weise storniert worden.

Die 68-Jährige kaufte sich jedoch flugs ein neues Ticket und konnte in letzter Minute doch einen Platz an Bord der Lufthansa-Maschine bekommen. RAIMUND KIRCH 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.