|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
So selbstbewusst Thilo Sarrazin in diesen Tagen auch auftrat, die Nerven waren zuletzt dünn geworden. Als Michel Friedman ihn Anfang der Woche zu seinen steilen Thesen über jüdische Gene befragte, brach der Bundesbanker das Interview kurzerhand ab und titulierte den jüdischen Publizisten als «Arschloch», wie Friedman der «Bild»-Zeitung (Donnerstag) berichtete. Auf den gemeinsamen Fernsehauftritt wollte Sarrazin am Mittwochabend trotzdem nicht verzichten. Doch seine überraschenden Einsichten kamen zu spät.
Nur wenige Stunden vor der Entscheidung der Bundesbank, bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung ihres Vorstandsmitglieds zu beantragen, ließ Sarrazin in der ARD-Talkshow «hart aber fair» erstmals Selbstkritik erkennen. So hartnäckig er seine Buchthesen zum Scheitern der Integration auch verteidigte, seine Interview-Äußerung, alle Juden teilten ein bestimmtes Gen, bezeichnete er schlicht als Dummheit: «Das war ein Riesenunfug, was ich auch extrem bedauere.» Tatsächlich sei er «definitiv nicht der Ansicht, dass es eine genetische Identität gibt».
Die Schuld an der Debatte, die nach dem umstrittenen Interview noch einen Ton schriller geworden war, sieht Sarrazin aber nicht bei sich, sondern bei den Journalisten. Die hätten ihn «aufs Glatteis» geführt, klagte er. Eigentlich habe er in dem Interview der «Welt am Sonntag» nur auf allgemeine genetische Ähnlichkeiten hinweisen wollen. Die Juden seien ihm als erstes eingefallen, weil er dazu gerade etwas gelesen habe. «Ich hätte sagen sollen, Ostfriesen oder Isländer, dann wäre es kein Thema gewesen.» Es sei eine ziemliche Dummheit gewesen, dass er diese Äußerung nicht nachträglich gestrichen habe. «Das war mein Blackout.»
Grundsätzlich lässt Sarrazin an seiner Argumentation aber nicht rütteln. Dass im Fakten-Check viele seiner Behauptungen widerlegt oder zumindest relativiert werden, ficht ihn nicht an. Dazu zählt auch die These, dass Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent vererbt werde. Streng und schneidend kontert er die Einwände, die Friedman, WDR- Moderatorin Asli Sevindim, SPD-Urgestein Rudolf Dressler und der Historiker Arnulf Baring vorbringen.
Seine Kontrahenten wirken bisweilen regelrecht fassungslos. Friedman nennt Sarrazin einen Hassprediger, der mit pseudowissenschaftlichen Analysen nachweisen wolle, dass Muslime dümmer seien als andere Menschen. Dies sei menschenfeindlich, gewalttätig und respektlos, sagt der frühere stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Juden. Sevindim spricht von Sippenhaft. «Ich habe schon Schnappatmung!»
Davon ist Sarrazin weit entfernt. Und doch lässt er erkennen, dass die vergangenen Tage an ihm nicht spurlos vorübergegangen sind. «Was an psychischem Druck auf mir lastet, ist beachtlich. Das halten viele Menschen nicht aus.»
Der Bundesbank-Vorstand hatte am Mittwoch tagsüber stundenlang getagt, aber noch keine Entscheidung über die Zukunft Sarrazins verkündet. Trotzdem wollten verschiedene Medien längst erfahren haben, dass Sarrazins Rausschmiss nur noch eine Frage der Zeit ist. Am späten Donnerstagnachmittag war es dann so weit.
