25°C

Donnerstag, 24.07. - 16:13 Uhr

|

Der Volks-Präsident

Kommentar: Horst Köhler zum Zweiten - 25.05.2009

Das sind die Stärken von Horst Köhler. Seine persönliche Ansprache, seine unverstellte Art, sein unpretentiöses, ja fast bescheidenes Auftreten. Die gezirkelten Sätze eines Richard von Weizsäcker, Roman Herzogs gewählte Worte oder die treffsichere Ausdrucksweise eines Johannes Rau liegen ihm weniger. Das Volk spürt trotzdem, dass es bei Köhler gut aufgehoben ist.

Am 1. Juli beginnt seine zweite Amtszeit. Dass sie kommen wird, war klar; dass er schon nach dem ersten Wahlgang gewählt würde, kam für manche Beobachter dann doch überraschend. Das Ergebnis war auch denkbar knapp. 613 Stimmen – eine weniger und die Wahlfrauen und -männer der Bundesversammlung wären nicht mehr rechtzeitig zum Bundesligafinale gekommen.

Köhler verkörpert Mittelmaß, mittelmäßig ist er aber keineswegs. Als Abteilungsleiter und später als Staatssekretär im Finanzministerium hatte er maßgeblich die Währungsunion nach Ablösung der alten DDR verantwortet. Der Vertrag von Maastricht ist ohne sein Mitwirken nicht zu denken. Allerdings hätte man vom ehemaligen Präsidenten des deutschen Sparkassen- und Giro-Verbandes (bis 1998) und vom Direktor des Weltwährungsfonds (bis 2004) deutlichere Warnungen vor der internationalen Finanzkrise erwartet. Sie kamen zu spät und fielen zu leise aus. Daran wird Köhler noch zu knabbern haben.

Aber vielleicht wird seine Stimme ja nun lauter. Denn ein drittes Mal kann er nicht aufgestellt werden. Dass die Union sich nicht auf ihn als Wahlhelfer verlassen kann, hat er bereits bei einigen Gelegenheiten in den vergangen fünf Jahren gezeigt. Er will ein Volks-Präsident sein, wie er den «lieben Landleuten» am Samstag signalisiert hat. Dabei bewahrt er durchaus seinen eigenen Kopf, was sich an dem Umstand zeigt, dass er die Bundesversammlung betont lange warten ließ, bis er am Reichstag vorfuhr.

Es ist deshalb tunlichst zu bezweifeln, dass von der Bundespräsidentenwahl ein Signal für die Bundestagswahl im September ausgeht. Zwei Abgeordnete der Grünen haben Köhler ihre Stimme gegeben. Die alten Blöcke scheinen sich aufzulösen. Von daher ist der Erfolg von Schwarz-Gelb noch gar nicht so sicher.

RAIMUND KIRCH 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.