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Wir spazieren zunächst durch die Hauptstraße des Luftkurorts. Mitten durch die Altstadt also. Wer Pottenstein noch nicht kennt, lernt gleich die Schokoladenseite des 5000-Einwohner-Städtchens kennen. Das Stadtrecht besitzt Pottenstein seit 1348, aber die Siedlungsgeschichte reicht bis ins 1. Jahrhundert nach Christus zurück. Wir kommen am Rathaus vorbei und an der Stadtpfarrkirche von 1755, am Elisabeth-Brunnen sowie an vielen Fachwerkhäusern.
Die historischen Gebäude beherbergen urige Brauereigasthöfe wie jenen von Ernst Mager, der seit 1774 im Familienbesitz ist. Am Ende der Straße biegen wir links ab zur Püttlach. Zuvor bewundern wir noch die ehemalige Kohlmühle (heute Pension) – eine von insgesamt acht Mühlen. Wir passieren die Brücke über den 24 Kilometer langen Nebenfluss der Wiesent. Der Einfachheit halber orientieren wir uns vorerst am Wegweiser zum Waldcafé statt am Grünpunkt für den Emil-Riedel-Rundweg. Gleich nach der Brücke biegen wir rechts ab. Dasselbe wiederholen wir an der nächsten Brücke.
Das Löhrgässchen, eine schmale Aspaltstraße, mündet bald in einen Waldpfad. Lauschig windet er sich neben der Püttlach durchs Tal. Das strotzt vor urwüchsiger Schönheit. Mächtige Felswände verleihen ihm zusätzlichen Reiz. Es ist schattig und still. Nur die Püttlach murmelt munter. Eigentlich könnte man ewig so wandern. Möglich wäre es. Eine 14-Kilometer-Tour führt bis hinauf zur Ruine Hollenberg (Rotkreuz) und zurück nach Pottenstein.
Den Kraftakt überlassen wir anderen. Wir begnügen uns mit einem Stück vom oberen Teil des Tals. Ein Weilchen wollen wir die Idylle allerdings schon noch auskosten. Deshalb ignorieren wir die Gabelung, an der man (mit Grünpunkt) zum Großen Hasenloch abbiegen müsste. Wir bleiben auf dem Pfad am Fluss, bis wir am gegenüberliegenden Ufer tatsächlich das Waldcafé sehen. Weiter vorn gibt es einen hölzernen Brückensteg. Dort angekommen, sehen wir eine Bank. Ein idealer Platz, um innezuhalten!
Nach der Verschnaufpause laufen wir ein paar Schritte zurück. Über zwei bemooste steinerne Stufen geht es links ab. Achtung! Das kleine Schild „Emil-Riedel-Weg“ ist ziemlich verborgen. Variante zwei: Von der Bank geradewegs auf die Felsnadel zugehen, die wir bisher im Rücken hatten. Orientierungshilfe: ein weithin sichtbares gelbes Seil. Immer neue Felsen tauchen auf, während wir an Höhe gewinnen. Der Wald mutet wild an wegen der vielen umgestürzten Bäume. Aber gefährlich ist der Anstieg nicht, nur steil.
Geschafft! Wir schnappen nach Luft. Die anstrengendste Passage der Tour liegt hinter uns. Der Weg wird breiter. Es geht nur noch sanft bergan. Bald taucht der Waldtempel auf, ein schlichter Andachtsort unter Buchen. Umso imposanter wirkt das Große Hasenloch schräg gegenüber. Die gewaltige Höhle mit dem kuriosen Namen muss natürlich erkundet werden! Nachweislich wurde das Große Hasenloch bis hinein ins 19. Jahrhundert als Schutzhöhle und Jägerstation genutzt. Schon urgeschichtliche Menschen hatten während der Eiszeit, etwa 7000 v. Chr., hier Zuflucht gefunden. Ausgrabungen förderten diverse Beutetiere zutage, darunter Mammut, Urstier und Höhlenlöwe.
Die Fantasie hat noch reichlich Nahrung, als wir den Weg fortsetzen. Grünpunkt leitet uns wie gehabt. Der Wald lichtet sich. Eine letzte kleine Steigung, dann öffnet sich die weite Hochebene. Unter einem alten Lindenbaum steht die Hofmannskapelle. Und überall gibt’s Bänke. Wir setzen uns auf eine davon in die Sonne. Die Aussicht ist herrlich. Die wachholderbestandenen, mit Felsen durchsetzten Hänge rundum gefallen uns aber auch. Tatsächlich sind die „Trockenhänge um Pottenstein“ seit 1995 Naturschutzgebiet. Hier findet man mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten, darunter Orchideen und Enzian. In den weiten Wachholderheiden leben allein über 50 Schmetterlingsarten.
Eine Lindenallee führt direkt zur Burg Pottenstein. Fast parallel schlängelt sich ein Wiesenpfad. So oder so kommt man ans Ziel. Doch bevor wir dem Adelssitz einen Besuch abstatten, machen wir noch einen Abstecher zur Hohen Warte. Der Aussichtspunkt hoch auf dem Felsen bietet einen weiten Blick bis zum Horizont. Deutlich zeichnen sich unter uns Pottensteins vier Flusstäler ab. Südlich, im markanten Tal des Weihersbachs, befindet sich Pottensteins „Erlebnismeile“ mit Teufelshöhle (die größte Höhle der Fränkischen Schweiz gilt als eine der schönsten Schauhöhlen Deutschlands), Schöngrundsee, Sommerrodelbahn und Felsenbad.
Über den extrem abschüssigen und holprigen Elisabethweg gelangen wir zum ehemaligen Domizil der einstigen ungarischen Prinzessin und späteren Landgräfin von Thüringen. Elisabeth fand 1228 für einige Monate Zuflucht in der Höhenburg. Die tausenjährige Anlage ist bis heute bewohnt. Seit 1918 befindet sie sich im Besitz derer von Wintzingerode. Besucher sind willkommen! Burghof und Palas nebst Gedenkzimmer für die Heilige Elisabeth, Brunnenhaus und Zehntscheune (mit wechselnden Ausstellungen) stehen allen offen. Ende gut, alles gut? Bedingt, denn der Magen knurrt. Noch! Pottenstein gehört nicht umsonst zur Genussregion Oberfranken, die für deftige Speisen bekannt ist, fangfrische Forellen und die höchste Brauereidichte der Welt.
Anfahrt:
R3 nach Pegnitz, dort weiter mit der Buslinie 389 in Richtung Pottenstein an der B470. Alternativ mit der R2 bis Forchheim, dann mit R22 nach Ebermannstadt. Hier ebenfalls Anschluss an den Bus 389.
Burg Pottenstein:
geöffnet von Mai bis Oktober Di–So von 10–17 Uhr, im Winter je nach Wetterlage und Nachfrage. Eintritt für Erwachsene: 5 €, Kinder (5-15): 2,50 €. Die Familienkarte (2 Erwachsene und 3 Kinder) kostet 13 €. Der Burgherr führt selbst Führungen durch. Anmeldung 09243/7221
www.burgpottenstein.de
Di. 12.03.13
Sa. 19.01.13
Sa. 03.11.12
Fr. 26.10.12
So. 06.01.13
Fr. 26.10.12
Di. 28.08.12
Fr. 18.05.12