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Die Freunde und die Feinde des Papstes

Um Benedikt XVI. ist es einsam geworden - 08.05.2009

Benedikt XVI. ist der 264. Nachfolger des Apostels Petrus. Wie wird seine Amtszeit in der knapp 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche bewertet? Schon heute hat er den Ruf eines Theologenpapstes, der lieber Bücher schreibt, als Reformen anzustoßen, die im hochkomplizierten Gefüge einer weltweiten Kirche mit 1,5 Milliarden Mitgliedern immer auch Störungen heraufbeschwören können.

Zumal sich Joseph Ratzinger bereits die Finger an den Levebvreianern verbrannt hat. Die Wiederaufnahme von vier Bischöfen der traditionalistischen Bewegung in den Schoß der katholischen Kirche hat allein schon für enorme Unruhe gesorgt. Dass sich unter den Vieren auch noch ein Holocaustleugner befand, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Der Streit um den Kurs der katholischen Kirche ist auch ein Streit um die Deutung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das im Ganzen zwar nicht infrage gestellt wird, das aber in Teilen Korrekturen erfahren könnte, wie die Neuformulierung der Karfreitagsbitte im lateinischen Messritus zeigt; darin wird darum gebetet, dass die Juden Jesus Christus als Messias erkennen sollen. Wurde dies schon von progressiven Kreisen als Skandal empfunden, ärgert die Aufhebung der Exkommunikation von Bischöfen, die nach wie vor das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkennen, noch mehr.

Um den Papst sei es einsam geworden, meint der italienische Journalist Sandro Magister. Zwar stünden noch immer an Sonntagen mehr Menschen draußen auf dem Petersplatz als zu Zeiten von Johannes Paul II. Doch offenbar gebe es einen Machtkampf innerhalb der Kurie. So habe Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Bischofskongregation, den Medien absichtlich ein verschwommenes unverständliches Dekret überlassen, das nicht die wirklichen Intentionen des Papstes wiedergegeben habe. Solche Ansichten, die von Insidern des Vatikan nicht abgestritten werden, sind gefährlich.

Tatsächlich schwächt jede Spaltung die Glaubwürdigkeit der Kirche. Wenn Benedikt XVI. das Schisma mit einer Gemeinschaft aufheben will, die mehrere hunderttausend Anhänger zählt, dann ist das nachvollziehbar, nur muss das auch kommuniziert werden. Hat man in Italien noch sehr nachsichtig reagiert, kamen die meisten Proteste aus Deutschland. Der Papst sah sich genötigt, einen Brief an die Bischöfe jenseits der Alpen zu schreiben; darin sprach er selbst zweimal von einer Panne bei der Kommunikation.

Ein einmaliger Vorgang, der wiederum die Kurie in Rom verunsichert. Der Kreis derjenigen, die Benedikt absolut treu sind, sei im Vatikan sehr schmal besetzt, meint Sandro Magister. Zu den Getreuen zählt er Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, seinen persönlichen Sekretär, den Prälaten Georg Gänswein, der Ratzinger schon zur Seite stand, als der noch Präfekt der Glaubenskongregation war, oder den für Kultur zuständigen Erzbischof Gianfranco Ravasi. Gänswein wollte auch nicht riskieren, dass Teile eines Gesprächs mit Journalistinnen und Journalisten aus dem Bistum Eichstätt veröffentlicht werden. Seine Äußerungen könnten missinterpretiert werden, meinte er. «Es gibt Leute, die mir nicht gut wollen.»

Aber auch so weiß man, wie der Tagesablauf an der Schaltstelle der katholischen Kirche im Vatikan aussieht. Von Anfang an hat Benedikt darauf geachtet, dass er nicht getrieben wird, wie sein Vorgänger. Zum Stab gehören zwei Privatsekretäre; neben Gänswein der maltesische Kurienprälat Alfred Xuereb. Den Haushalt organisieren der Kammerherr Paolo Gabriele und vier Damen, die der geistlichen Gemeinschaft Comunione e Liberazione angehören. Die Privatsekretäre und die vier Damen wohnen eine Etage über der Papstwohnung; darunter, im zweiten Stock befinden sich die Empfangsräume für Privataudienzen und Empfänge von Delegationen. Gleich neben dem Arbeitszimmer des Papstes im dritten Stockwerk des Nordflügels ist auch das Arbeitszimmer Gänsweins. Wer vom Petersplatz hinaufschaut, sieht dort oft noch bis 23 Uhr die Lichter brennen.

Ingrid Stampa sorgt wie zuvor schon in der Glaubenskongregation für die Herausgabe und Übersetzung der Bücher. Das Vertrauen des Papstes genießt auch die Schönstatt-Schwester Barbara Wansing. Diese kleine Gemeinschaft feiert jeden Tag um sieben Uhr die heilige Messe. Nach dem Frühstück beginnt die Arbeit mit einer Presseschau, darauf folgt das Unterzeichnen von Urkunden und die Vorbereitung auf die Audienzen in der Seconda Loggia. Nach dem Mittagessen um 13 Uhr gönnt sich der Papst oft einen kleinen Spaziergang auf dem Dachgarten des Palastes. Seltener ergeht er sich in den Vatikanischen Gärten, die dann für Besucher gesperrt sind. Der Nachmittag gehört dem Aktenstudium und Besprechungen. Abends schaut sich der Papst die Nachrichten an, wenn nicht Freunde und Bekannte zum Abendessen kommen.

Der Verwaltungsapparat, der dem Papst zuarbeitet, ist – gemessen an der Effizienz – denkbar klein. An der «Weltregierung» der katholischen Kirche arbeiten nur etwa 2800 Priester, Ordensleute und Laien. Die Zentrale der Kurie bildet das Staatssekretariat. Tarcico Bertone ist sozusagen der Kanzleramtsminister. Die Kongregationen und päpstlichen Räte entsprechen den Ministerien in weltlichen Regierungen. Sie sind zum Teil außerhalb des Vatikan untergebracht und liegen mitunter auf nur einer Zimmerflucht.

Spricht man mit Insidern, dann werden immer wieder die gegenseitigen Absprachen, das Aufeinanderhören hervorgehoben. So dauern Entscheidungen zwar länger, sie sind zumeist aber auch besser überdacht. Was man jedoch nicht auf den Umgang mit den Traditionlisten übertragen kann: Da hat man dem Papst offenbar gezeigt, wo seine Grenzen liegen.

Buch zum Thema: Jürgen Erbacher. Vatikan, Wissen was stimmt. Herder. 128 Seiten. 7,95 Euro 

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