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Die sieben Todsünden der CSU

Kommentar: Gewissenserforschung - 29.09.2009

Wenn auch die CSU nach ihren drastischen Stimmenverlusten vom Sonntag nicht in Sack und Asche gehen muss, ist doch Gewissenserforschung angesagt. So kleinlaut wie am Wahlabend sah man den Ministerpräsidenten Seehofer jedenfalls noch nie. Was schon einmal als erster Schritt hin zur Umkehr gewertet werden kann. Am ehesten scheint ein Kraut gegen den Stolz (Superbia) gewachsen zu sein; bei 42 Prozent versteht sich das ja wohl von selbst. Gegeizt (Avaritia) hat die Partei in letzter Zeit mit ihrer sprichwörtlich guten Beziehung zur Basis. Die fühlte sich ziemlich alleingelassen, weil man sich viel zu ausschweifend (Luxuria) einer Steuersenkungsdebatte hingegeben hat, der niemand so recht folgen konnte. Einseitig Gastwirte, Firmenerben und Häuslebauer zu bedenken, passt nicht zur CSU.

Fuchsteufelswild (Ira) konnte der sonst so joviale Horst Seehofer werden, wenn ihm etwas gegen den Strich ging; da kannte er weder Freund noch Feind, und so schuf er sich viele Gegner, die ihn einen Egomanen nannten und für teamunfähig hielten, was ihn ganz in die Nähe von Maßlosigkeit und Selbstsucht (Gula) rückte.

Am schlimmsten aber wirkte die Acedia, die Trägheit des Herzens. Von der Partei im Stich gelassen fühlten sich die treuesten Wähler der CSU, die Bauern. Der Bundesagrarministerin fiel es sichtlich schwer, den skandalös niedrigen Milchpreis zu erklären. Vom neuen bayerischen Landwirtschaftsminister kennt man bis heute kaum den Namen. Und wenn dann noch ein Abgeordneter eine Milchbäuerin ohrfeigt . . . dann stimmt etwas nicht.

Über allem aber liegt Invidia, der Neid. Noch immer bekommt in Franken sein Vorgänger im Amt mehr Beifall als Seehofer; die alten Wunden sind noch nicht verheilt. Vielleicht sollte der Ministerpräsident einfach ein paar Stunden Silentium in Kloster Plankstetten nachlegen. RAIMUND KIRCH 

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