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Im Zentrum steht Hartgeldhure Irina (Alba Rohrwacher). Warum es die junge Frau aus Osteuropa nach Berlin verschlagen hat, erfährt man in einer kurzen und drastischen Rückblende: Sie wurde in ihrem Heimatdorf von Soldaten auf dem Küchentisch vergewaltigt. Von den selben Männern, die kurz zuvor ihren Eltern die Kehlen durchschnitten.
Obwohl doch hier sonst alles gut war, wird suggeriert. Oder wie es Dörrie versinnbildlicht: Der Mohn blüht, die Wolken ziehen und die Schafe blöken.
Seit ihrer Flucht geht Irina als Illegale im Plattenbau-Milieu anschaffen. Eines Tages lernt sie Kalle (Vinzenz Kiefer) kennen. Einen Punker, der auf der Straße lebt, reichlich Metall im Gesicht trägt und neben dem die unvermeidliche Promenadenmischung hertrottet.
Schnell zieht Kalle mit ein ins schmucklose Einzimmer-Appartement. Denn er ist auf den zweiten Blick ein recht niedlicher Junge mit Waschbrettbauch. Ob der Billigbier saufende Durchschnittspunk immer so körpergestählt daherkommt? Hier darf gezweifelt werden.
Aber wie nicht anders zu erwarten ist dieses Glück eine äußerst fragile Angelegenheit. Das Schicksal schlägt zu, als einer der Freier beim Orgasmus auf Irina den Geist aufgibt. Kalle will retten, was nicht zu retten ist, und greift zum elektrischen Brotmesser. Was folgt, ist eine für Dörrie ungewöhnliche Splatter-Sauerei, die zusätzlich ungewollt komisch rüberkommt.
Doch Gott sei Dank gibt es ja den im Märchen obligatorischen Helden (Matthias Brandt). Der verdient seine Brötchen passenderweise als Strafverteidiger und bezeichnet sich selbst als Spezialisten für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Hier sollte man wissen, dass Autor Ferdinand von Schirach ebenfalls als Strafverteidiger tätig ist.
Dörries „Glück“ entpuppt sich als zwiespältige Angelegenheit. Phasenweise wirkt der Streifen wie im neunten Monat bedeutungsschwanger und scheint kein Klischee auslassen zu wollen. Dann wieder gelingen der Regisseurin Bilder von hoher Emotionalität.
Trumpfkarte ist dabei die tolle Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher. Die italienisch-deutsche Schauspielerin überzeugte kürzlich bereits im Drama „Die Einsamkeit der Primzahlen“. Als Prostituierte wider Willen ist Rohrwacher hier für die subtilen Töne zuständig.
Wenn sie und Kalle auf einem Kinderspielplatz herumtollen, wirkt dies seltsam anrührend. Eine Nutte und ein Punk beim Schaukeln. Eine Szenerie, die eigentlich an Kitsch kaum zu überbieten ist.
Und zum Schluss noch ein Lob für die deutsche Hauptstadt. Die zeigt sich hier von ihrer besonders ranzigen Seite. So trostlos und abgewrackt sah man Berlin selten... (CINECITTA: Erlangen: LAMM)
Lesetipp: Ferdinand von Schirachs Erzählungen gibt es jetzt als „Glück und andere Verbrechen“ mit Bildern aus dem Film (Piper, 8,99 Euro).
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Fr. 16.03.12
So. 19.02.12