14°C
Donnerstag, 24.05. - 04:31 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Doris Dörrie hat nur bedingt "Glück"

Der Punker und die Prostituierte - 23.02. 09:00 Uhr

Ja, Frau Dörrie sucht das Glück. Doch sucht man es, dies weiß man spätestens seit Herrn Rossi, so fehlt ein Stück. Als Vorlage für Doris Dörries („Kirschblüten – Hanami“) neuen Film „Glück“ diente Ferdinand von Schirachs 2009 erschienene und nur zwei Handvoll Seiten lange gleichnamige Kurzgeschichte. Das Ergebnis ist eine Melange aus Krimi und Straßenstrichdrama, die immer wieder in eine fast märchenhafte Romantikstory umkippt.

Am Rand zum Klischee – und doch anrührend:  Vinzenz Kiefer und Alba Rohrwacher in „Glück“.
Am Rand zum Klischee – und doch anrührend: Vinzenz Kiefer und Alba Rohrwacher in „Glück“.
Foto: dpa
Am Rand zum Klischee – und doch anrührend:  Vinzenz Kiefer und Alba Rohrwacher in „Glück“.
Am Rand zum Klischee – und doch anrührend: Vinzenz Kiefer und Alba Rohrwacher in „Glück“.
Foto: dpa

Im Zentrum steht Hartgeldhure Irina (Alba Rohrwacher). Warum es die junge Frau aus Osteuropa nach Berlin verschlagen hat, erfährt man in einer kurzen und drastischen Rückblende: Sie wurde in ihrem Heimatdorf von Soldaten auf dem Küchentisch vergewaltigt. Von den selben Männern, die kurz zuvor ihren Eltern die Kehlen durchschnitten.

Obwohl doch hier sonst alles gut war, wird suggeriert. Oder wie es Dörrie versinnbildlicht: Der Mohn blüht, die Wolken ziehen und die Schafe blöken.

Seit ihrer Flucht geht Irina als Illegale im Plattenbau-Milieu anschaffen. Eines Tages lernt sie Kalle (Vinzenz Kiefer) kennen. Einen Punker, der auf der Straße lebt, reichlich Metall im Gesicht trägt und neben dem die unvermeidliche Promenadenmischung hertrottet.



Schnell zieht Kalle mit ein ins schmucklose Einzimmer-Appartement. Denn er ist auf den zweiten Blick ein recht niedlicher Junge mit Waschbrettbauch. Ob der Billigbier saufende Durchschnittspunk immer so körpergestählt daherkommt? Hier darf gezweifelt werden.

Aber wie nicht anders zu erwarten ist dieses Glück eine äußerst fragile Angelegenheit. Das Schicksal schlägt zu, als einer der Freier beim Orgasmus auf Irina den Geist aufgibt. Kalle will retten, was nicht zu retten ist, und greift zum elektrischen Brotmesser. Was folgt, ist eine für Dörrie ungewöhnliche Splatter-Sauerei, die zusätzlich ungewollt komisch rüberkommt.

Doch Gott sei Dank gibt es ja den im Märchen obligatorischen Helden (Matthias Brandt). Der verdient seine Brötchen passenderweise als Strafverteidiger und bezeichnet sich selbst als Spezialisten für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Hier sollte man wissen, dass Autor Ferdinand von Schirach ebenfalls als Strafverteidiger tätig ist.

Dörries „Glück“ entpuppt sich als zwiespältige Angelegenheit. Phasenweise wirkt der Streifen wie im neunten Monat bedeutungsschwanger und scheint kein Klischee auslassen zu wollen. Dann wieder gelingen der Regisseurin Bilder von hoher Emotionalität.

Trumpfkarte ist dabei die tolle Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher. Die italienisch-deutsche Schauspielerin überzeugte kürzlich bereits im Drama „Die Einsamkeit der Primzahlen“. Als Prostituierte wider Willen ist Rohrwacher hier für die subtilen Töne zuständig.

Wenn sie und Kalle auf einem Kinderspielplatz herumtollen, wirkt dies seltsam anrührend. Eine Nutte und ein Punk beim Schaukeln. Eine Szenerie, die eigentlich an Kitsch kaum zu überbieten ist.

Und zum Schluss noch ein Lob für die deutsche Hauptstadt. Die zeigt sich hier von ihrer besonders ranzigen Seite. So trostlos und abgewrackt sah man Berlin selten... (CINECITTA: Erlangen: LAMM)

Lesetipp: Ferdinand von Schirachs Erzählungen gibt es jetzt als „Glück und andere Verbrechen“ mit Bildern aus dem Film (Piper, 8,99 Euro).


  



Thomas Susemihl

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.