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Hier werden Menschen Abschied nehmen. Sie werden vor sich einen Sarg sehen und es nicht fassen können, dass ein Leben zu Ende gegangen ist. Dieser Ort soll ihnen Raum für ihre Trauer geben. Und für ihre Tränen. Denn die, sagt Stadtdekan Bammessel, seien unendlich wichtig. „Man darf sich Tränen nicht verbieten, wenn einem ein Mensch, der so unendlich wertvoll war, genommen wird.“ Er wünsche sich, dass die Menschen dieses Bauwerk als Einladung verstehen. „Hier darf getrauert werden. Nur wer richtig trauert, kann auch getröstet werden und den Schmerz verarbeiten. Es ist ungesund, nicht zu trauern. Die Tränen haben ihr Recht.“
Ein würdiger neuer Rahmen für Trauerfeiern sei hier entstanden, sagt Bammessel. „Zeitgemäß, hell und freundlich.“ Das an diesem sonnigen Vormittag viel gelobte Bauwerk direkt gegenüber der alten Halle, hat der Architekt Günther Dechant entworfen. Es ist ein schlichter, flacher Betonbau, der viel natürliches Licht zulässt. Der Raum neigt sich leicht nach vorne, dorthin, wo der Sarg stehen wird, wo der Trauerredner spricht. „Diese Neigung“, sagt Baureferent Wolfgang Baumann, „dient auch der Verneigung vor den letzten Dingen des Lebens.“
200 Menschen finden hier Platz und auch wenn die Halle voll besetzt ist, wird sich niemand eingeengt fühlen. Draußen, ein paar Meter entfernt, steht ein neuer Glockenturm, ein flaches Wasserbecken zieht sich an der Fassade der Halle entlang. Hier gibt es auch die Möglichkeit zu verweilen. Heute sind die Sitzgelegenheiten freilich mit einer dicken Haube aus Schnee versehen.
„Es ist ein würdiges Gebäude“, sagt Baumann. „Es ist gelungen, ein Gleichgewicht aus Geschlossenheit und Transparenz zu schaffen. Eine wirklich schöne Architektur.“ Er erinnert auch daran, wie hitzig das Projekt im Baukunstbeirat diskutiert worden war. Darin ging es vor allem um den Standort gegenüber der alten Trauerhalle mit ihrer Sandsteinfront aus dem 19. Jahrhundert.
Von wohltuender Schlichtheit sei das neue Gebäude, sagt Stadtkämmerer Harald Riedel, der auch für das Friedhofs- und Bestattungswesen zuständig ist. „Es zeigt sich, dass es richtig war, dafür Geld in die Hand zu nehmen.“ 1,7 Millionen Euro hat die Stadt in die Halle investiert, nun lässt sie auch das alte Gebäude sanieren. Etwa ein Jahr werden die Arbeiten dauern, sagt Günther Gebhardt, der Leiter der Friedhofsverwaltung. „Gerade hat dort die vorerst letzte Trauerfeier stattgefunden.“ Für Riedel sind Friedhöfe mehr als nur „Bestattungsplätze“. „Sie sind auch Orte der Trauerbewältigung und des Nachdenkens über das Leben. Und sie sind Ruhezonen inmitten der Großstadt. Deshalb ist es so wichtig, unsere Friedhofskultur zu bewahren.“
Am Sonntag, 12. Dezember, findet in der neuen Trauerhalle ein Nachmittag mit Lesungen und Musik für Hinterbliebene statt. Beginn ist um 15 Uhr, der Eintritt ist frei.
