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Erneuerung wider den Aber-Geist

Nicht Politik, sondern geerdete Frömmigkeit beherrscht den Kirchentag - 31.05.2003

Mutiges Bekenntnis

Und dies, obwohl der Gottesdienst im offiziellen Kirchentagsprogramm nicht erwähnt war. Denn zur Mahlfeier waren, trotz aller Warnungen und trotz päpstlicher Enzyklika, alle eingeladen: Protestanten wie Katholiken. Und nun das Unerhörte: Ein katholischer Geistlicher war der Zelebrant. Gotthold Hasenhüttl, ein in Theologenkreisen bekannter Professor aus Saarbrücken, hatte sich bereit erklärt, die Liturgie zu feiern.

Nun muss er wohl mit Konsequenzen rechnen. Denn schon beim Katholikentag in Hamburg vor zwei Jahren hatte es einen verbotenerweise ökumenischen Gottesdienst gegeben. Der damalige Zelebrant, Pfarrer Hermann Münzel aus Trier, konnte danach eine Amtsenthebung nur durch das Versprechen abwenden, nie, aber auch wirklich nie mehr solches zu tun. Außerdem musste er sich beim damaligen Trierer Bischof entschuldigen.

Hasenhüttl hingegen will das nicht tun. Der 69-jährige Grazer Diözesanpriester sieht keine kirchenrechtlichen Fallstricke und fühlt sich auch durch die Enzyklika des Papstes nicht beeinträchtigt. Denn Jesus Christus sei der Einladende und der Herr des Mahles. Im Gegensatz zu Pfarrer Münzel, der die Gaben mit Geistlichen anderer Konfessionen gesegnet hatte, bleibt Hasenhüttl der alleinige Zelebrant bei einem rein katholischen Ritus. Wenn auch an diesem Tag Brigitte Enzner-Probst, eine bayerische Gemeindepfarrerin, die Predigt hält.

Eine Erneuerung wider den Neid und den Aber-Geist, der nur behindert und herunterzieht. Vollkommene Versöhnung, so meint sie, sei wohl auf Erden nie möglich. „Aber wenn wir es nicht schaffen, uns gegenseitig willkommen zu heißen, werden wir auch von denen nicht gehört, die es noch zu überzeugen gilt.“

Die folgende Eucharistie überwältigt viele. Ökumene-Interessierte sind gekommen, die sich nicht mehr mit Worten abspeisen lassen wollen. Und konfessionsverbindende Ehepaare, denen katholischerseits allenfalls in höchster Not das gemeinsame Abendmahl zugebilligt wird. Da ist der Krautostheimer Pfarrer und Synodale Hermann Ruttmann, der mit seiner katholischen Frau Birgit Kruschina gekommen ist. „Hier ist ist endlich einmal ausgesprochen worden, was in unseren Gemeinden gefühlt und gedacht wird“, meint sie danach. Und auch Hermann Münzel, der gerüffelte Pfarrer aus Trier, ist da: „Ich hab mich über die einfache, stolze Art der Gethsemane-Gemeinde gefreut, die sich nicht dem Druck der Kirchen gebeugt hat, diesen Gottesdienst abzusagen“, kommentiert er mit Tränen in den Augen.

Es werde nun darauf ankommen, meint einer der Veranstalter, wie die offizielle Kirche reagiert. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag hatte der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky noch versucht, die Sache herunterzuspielen. Gefragt, ob nicht die prophetische Kraft des gemeinsamen Abendmahls wichtiger sei als die Provakation, antwortet er sibyllinisch, man wolle erst einmal im jesuanischen Stil „gelassen“ die Dinge betrachten und danach die entsprechenden Fragen stellen. Als er am Freitagmorgen von Fragen überrollt wurde, soll das beim sonst so jovialen Kardinal zu Zornesausbrüchen geführt haben.

Nötig, da sind sich viele Beobachter einig, wäre der Ärger nicht gewesen, wenn man kulanter gehandelt hätte. Denn aufzuhalten sei das gemeinsame Mal ja doch nicht. Und zu einer befürchteten Vermischung führe die gegenseitige Einladung keinesfalls. Im Gegenteil. Dies wurde auch bei diversen Foren des Kirchentags deutlich. Konfessionelle Identität, so betonte nicht nur Kurienkardinal Walter Kasper, bedeute Reichtum — Reichtum der Mentalitäten, der Kultur, der Riten und unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen. Hier zu vermischen, wäre in der Tat ein falsche Ökumene.

Und vielleicht haben ja die Mitglieder der Katholischen und Evangelischen Jugend in Bayern die Sache am besten begriffen.

Kreatives Potenzial

Sie haben sich zu einer ökumenischen „Mal-Gemeinschaft“ zusammengefunden. In mehr als 80 Gruppen gestalteten sie jeweils etwa drei Meter lange Randstücke von Baumstämmen — so genannte Segensschwarten. Von Gruppen aus Augsburg über Nürnberg bis Bamberg brachte die Bundeswehr 220 Kunstwerke nach Berlin. Die Aktion geht im Tempodrom auf dem Anhalter Bahnhof weiter. Dort können junge Kirchentagsbesucher selbst zu Pinseln, Farbe und Schnitzmessern greifen. Raimund Kirch 

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