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Ein Spion sitzt im englischen Geheimdienst, und zwar ganz oben, in der Chefetage. Die Russen haben ihn dort platziert. Mitten im Kalten Krieg ist ihnen dieser spektakuläre Coup gelungen. Top-Geheimdienst-Erkenntnisse des Westens fließen seitdem ungehindert nach Moskau, fingierte Berichte von dort zurück. Doch nun droht der „Maulwurf“ aufzufliegen. George Smiley, Ex-Vizechef des Secret Service und eigentlich schon im Ruhestand, setzt sich auf seine Fährte. In einem Milieu allgemeinen Misstrauens und ständig lauernden Verrats kommt er dem Täter immer näher.
Was in der Zusammenfassung wie die Handlung eines konventionell auf Spannung setzenden Thrillers klingt, ist in Wahrheit ein Spionagefilm der ganz anderen Art. Tatsächlich geht es in „Dame, König, As, Spion“, der hochkarätig (u.a. mit Oscargewinner Colin Firth) besetzten Neuverfilmung des Bestsellerromans von John Le Carré (1974), mehr um die Erzeugung einer ganz spezifischen milieu- und zeitbedingten Atmosphäre als um reißerische Effekte oder gar blinde Action.
Wir befinden uns in den 60er Jahren, aber vom rebellischen Geist etwaiger Studenten- oder Poprevolutionen ist so gut wie nichts zu sehen in dieser Welt grauen Bürokratentums und bedrückend unglamouröser Spionageaktionen. Wenn sich die Führungskader im muffigen Hauptquartier des Geheimdienstes, im „Circus“ treffen, weht neben offen zutagetretendem Kollegenneid und lähmendem Misstrauen auch eine – gelegentlichen Libertinagen nicht abgeneigte – Spießigkeit durch den kahlen Raum.
Bei den letzten Auftritten von Control (John Hurt), der an der Suche nach dem Leck in den eigenen Reihen scheiternden Nummer eins, sind es aber vor allem Zorn und Angst, die sich für den Zuschauer in fast physisch spürbarer Art manifestieren. Neckische Stilallüren in 007-Manier sind hier unvorstellbar.
Tatsächlich ist es denn auch der Bond-Antityp George Smiley (schildkrötenhaft: Gary Oldman), der in der sich permanent belauernden Männerwelt des Agenten-Business den Topspion Moskaus entlarven wird. Und während in der Welt draußen, ob in Budapest oder Istanbul, die kleineren Lichter das blutige Alltagsgeschäft betreiben, tobt im Inneren des Secret Service das zähe Ringen um die Vorherrschaft. Wer dabei gegen wen antritt, bleibt bis zum Schluss offen. Ebenso, ob auch nur einer der Protagonisten noch ein Fünkchen Idealismus für sein Tun übrig hat.
Grau in grau, mit einem großen Klecks Beige darin, das ist das Kolorit dieses Spionagefilms, moralisch wie ästhetisch. So gesehen ein Zeitporträt. Müsste man dem Kalten Krieg Farben zuweisen, wären es diese. (CINECITTA; METROPOLIS; Erlangen: MANHATTAN)
