Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) rechnet auch in den Folgejahren mit anhaltendem Andrang und will deswegen weitere 10 000 neue Studienplätze schaffen. Dabei steht allerdings ein Konflikt mit Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) bevor, der sparen muss. «Ich gehe frohen Mutes in die Verhandlungen», sagte Heubisch. Da aber nicht alle Abiturienten studieren, will die bayerische Wirtschaft auch mehr Lehrstellen und Praktika als gewöhnlich anbieten.
Für die letzten G9-Schüler soll es Sonderregelungen geben - damit möglichst keiner durchfällt. Zum einen will Kultusminister Spaenle zum ersten und voraussichtlich auch letzten Mal Wiederholungsprüfungen anbieten. Wer das Abitur beim ersten Mal nicht geschafft hat, kann es ein halbes Jahr später ein zweites Mal probieren.
Außerdem wird eine sogenannte «Günstigkeitsklausel» bei der Berechnung der Abinote eingeführt. Normalerweise zählen bei der Abiturnote die schriftlichen Prüfungen zu zwei Drittel, die mündliche zu einem Drittel. 2011 jedoch wird es die Option geben, die mündliche Note stärker zu gewichten. «Das wird für die Schülerinnen und Schüler individuell berechnet, je nachdem was günstiger ist», sagte Spaenle dazu. Grund für die großzügigen Sonderregelungen ist, dass durchgefallene G9-Abiturienten nicht mehr wie bisher einfach die 13. Klasse wiederholen können - denn die gibt es künftig nicht mehr.
Wissenschaftsminister Heubisch rechnet 2011 mit 76 000 Studienanfängern in Bayern, da viele Erstsemester aus anderen Bundesländern zuwandern. Das wären 16 000 mehr als in diesem Jahr. Seit langem eingeplant sind daher über mehrere Jahre verteilt insgesamt 38 000 neue Studienplätze und 3000 neue Personalstellen. Heubisch beansprucht jetzt aber die im Koalitionsvertrag mit der CSU vereinbarte Option auf die Schaffung von 10 000 weiteren zusätzlichen Studienplätzen. Der FDP-Politiker räumte ein, dass das unter Finanzierungsvorbehalt steht - ließ aber wenig Zweifel, dass er den weiteren Ausbau der Hochschulen für notwendig hält. Wenn der Andrang auf die Hochschulen anhalte, «werde ich das nachhaltig einfordern müssen», sagte er.
Um den Ansturm auf die Hochschulen etwas abzumildern, werden viele Studiengänge anders als üblich schon zum Sommersemester starten. Das gilt aber nicht für die harten Numerus Clausus-Fächer wie Medizin, deren Studenten nach bundesweitem Schlüssel auf die einzelnen Hochschulen verteilt werden.
Im Gegensatz zu vielen Schülern ist die bayerische Wirtschaft eher erfreut als besorgt über den doppelten Abiturjahrgang - weil in den nächsten Jahren dramatischer Fachkräftemangel droht und die Unternehmen auf zusätzliche Ingenieure und Lehrlinge hoffen. Vor allem die bayerische Metall- und Elektroindustrie hofft auf Nachwuchs. «Voraussichtlich werden in Bayern schon 2015 rund 130 000 Hochschulabsolventen fehlen, bis 2030 sogar 350 000», warnte Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).
