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Backwaren vom Vortag: Schlaraffenland für Sparfüchse

Bernd Heberger verkauft Brot und Brezen von gestern - 11.04.2013 07:25 Uhr

Bernd und Dagmar Heberger verkaufen in ihrem Laden Brot vom Vortag sowie Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern.

Bernd und Dagmar Heberger verkaufen in ihrem Laden Brot vom Vortag sowie Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. © Harald Sippel


"Gurken aus Nürnberg - nicht aus Fürth", steht auf einem Schild unter einer Kiste mit Salzgurken am Ladeneingang. Das allein beweist, dass Bernd Heberger, der das Geschäft "Leckeres vom Vortag“ im November 2010 zusammen mit seiner Frau Dagmar eröffnete, kein gewöhnlicher Ladenbesitzer ist. Für ihn ist der Verkauf sowohl Hobby als auch eine zweite Chance, und er ist mit Herz und Seele dabei.

Vor drei Jahren wurde der damals 59-Jährige, der im Versand einer Bäckerei arbeitete, plötzlich arbeitslos. „Das war ein Schock für mich. Denn in dem Alter ist es ziemlich schwierig, einen neuen Job zu bekommen“, erzählt Heberger. Doch dann kam ihm die Idee, selbst eine Bäckerei zu eröffnen und darin Brot und Brötchen vom Vortag zu verkaufen. Durch seinen früheren Beruf hat er selbst mitbekommen, wie viele Lebensmittel bei Bäckereien jeden Tag im Müll landen – und das nur, weil sie einen Tag alt sind. Dem wollte Heberger entgegentreten.

Kuchen & Co. stammen von einer Bäckerei, die ihre Ware noch handwerklich herstellt. Jeden Abend holt Heberger die übrig gebliebene Ware dort ab, verpackt sie in Tüten und verkauft sie dann ab sechs Uhr morgens in seinem Laden. Die Qualität der Ware ist dabei nicht geschmälert – der Preis hingegen schon. Zehn Brezen kosten einen Euro, ebenso das saftige Vollkornbrot oder der Fränkische Bauernlaib.

Allerdings gibt es in dem kleinen Laden am Kopernikusplatz nicht nur Backwaren, sondern auch Obst und Gemüse, das nicht der optischen Norm entspricht. Während ein Beutel mit Bodensee-Äpfeln normal drei Euro kostet, wird er hier für gerade einmal die Hälfte verkauft. Auch ein Kilo Kartoffeln oder ein Säckchen mit Gurken liegen bei lediglich einem Euro. „Das Gemüse würde normalerweise komplett auf dem Müll landen – nur weil beispielsweise die Gurken zu kurz oder gekrümmt sind“, erzählt Heberger. „Wenn die Äpfel nicht alle die gleiche Größe haben, werden sie in Supermärkten nicht mehr verkauft“, ergänzt er kopfschüttelnd.

Obwohl am Anfang viele seiner jetzigen Stammkunden skeptisch gegenüber dem neuartigen Konzept waren, läuft der Laden mittlerweile von selbst. Heute kaufen Menschen aller Nationen und Altersgruppen in dem kleinen Laden ein. Viele kommen extra aus der Nordstadt oder Brunn, weil sie sich hier so wohl fühlen. Denn Bernd Heberger gibt jedem Kunden das Gefühl, willkommen zu sein. Er ist immer gut gelaunt, macht Scherze und begrüßt seine ausländischen Kunden zum Teil sogar in ihrer Landessprache. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass jeder das Geschäft mit einem glücklichen Lächeln verlässt. 

Michaela Kalb

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