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Nackter will nackt bleiben

Wanderer Stephen Gough auf freiem Fuß - 21.07.2012

LONDON  - Seine Haft saß Gough in einer Einzelzelle und natürlich nackt ab. Jetzt hat die Obrigkeit eingelenkt. Gough wurde aus dem Gefängnis in Perth entlassen und spazierte im Adamskostüm auf die Straße. Die Polizei ließ ihn gewähren.

Für seine Nacktheit ging Stephen Gough sogar ins Gefängnis. Jetzt gaben die Behörden nach.
Für seine Nacktheit ging Stephen Gough sogar ins Gefängnis. Jetzt gaben die Behörden nach.
Foto: dpa
Für seine Nacktheit ging Stephen Gough sogar ins Gefängnis. Jetzt gaben die Behörden nach.
Für seine Nacktheit ging Stephen Gough sogar ins Gefängnis. Jetzt gaben die Behörden nach.
Foto: dpa

„Nur bei massiven Beschwerden“, so ein Sprecher, wolle man Gough wieder festnehmen. Der 53-Jährige ehemalige Marineinfanterist will jetzt ganz wie Gott ihn schuf zurück nach England laufen. „Ich habe meine Kinder jahrelang nicht gesehen“, sagte er.

Seit 2006, genau gesagt. Stephen Gough hatte damals seine zweite Tour als Nacktwanderer hinter sich. Er absolvierte die Strecke von Land’s End im Südzipfel Englands bis nach John O’Groats im Norden Schottlands splitterfasernackt – von Hut, Schuhen und einem Rucksack einmal abgesehen. Auf seiner Wanderung führten die Beschwerden entrüsteter Bürger immer wieder dazu, dass er verhaftet und wiederholt zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Selbst auf seinen Geisteszustand wurde der zweifache Familienvater untersucht, aber die Psychiater konnten nichts an seiner mentalen Verfassung aussetzen.


Er ist halt einfach stur. Als Exhibitionist sieht sich Gough nicht. Als Flitzer auch nicht, immerhin legte er auf seiner Wanderung ein eher gemütliches Tempo vor. „Alles, was ich tue“, sagte er, „ist, meinen Körper zu zeigen, wie Gott ihn schuf. Ich habe diese Wanderung gemacht als eine Feier meiner selbst als menschliches Wesen – und mein Körper ist nun mal ein wichtiger Teil davon.“

Goughs Beharrlichkeit hat ihm eine beachtliche Fangemeinde beschert. Die Beschwerden, Protestbriefe und Petitionen seiner Anhänger haben wohl jetzt die Behörden davon überzeugt, dass es keinen Sinn hat, Gough immer wieder festzunehmen. Immerhin soll die Strafverfolgung und Inhaftierung von Gough die öffentliche Hand rund eine halbe Million Pfund gekostet haben. Vielleicht will man auch einfach der Klügere sein und nachgeben. „Wir hoffen“, so sag-

te der Chefinspektor Andy McCann, „dass wir eine befriedigendere Lösung für alle Beteiligten finden können, wenn wir Nachsicht walten lassen“. Der Nacktwanderer will auf seiner Tour zurück nach England immerhin belebte Straßen meiden. Aber das heißt nicht, dass er seinen Standpunkt ändert, was Nacktheit angeht. „Es ist immer am einfachsten“, sagte er nach seiner Entlassung, „wenn man sich anpasst, aber damit kompromittiert man seine Prinzipien. Ich werde nicht aufgeben. Nackt bleiben, heißt die Parole!“ 

JOCHEN WITTMANN


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