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Nürnbergs Sozialreferent Reiner Prölß kritisiert, dass es immer noch ein „gesellschaftliches Leitbild von Familie“ gebe, das die Geschlechterrollen manifestiere: „Der Mann ist immer noch Alleinverdiener, die Frau verdient allenfalls etwas dazu“, so Prölß. Es sei eine „Herkulesaufgabe“, den Familien die Infrastruktur bezüglich Betreuung und Bildung zu bieten, die es ihnen ermöglicht, dass beide gleichermaßen arbeiten gehen können, ohne dadurch Nachteile zu haben. Man dürfe die Eltern damit nicht alleinlassen: „Das ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.“
Marina Hennig von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz fordert klarere Leitlinien in der Familienpolitik. Man müsse Mütter daran hindern, überhaupt mit dem Arbeiten zu pausieren – jedenfalls in der jetzigen rechtlichen Situation, in der etwa das Betreuungsgeld nicht in die Altersvorsorge einfließt. „Den Müttern droht die Altersarmut.“ Zudem sei der Wiedereinstieg schwierig – auch, weil die Managementqualitäten, die Mütter während der Elternzeit erwerben, von Personalchefs nicht berücksichtigt würden.
Mit Familien, die nicht unter einem Dach leben, beschäftigt sich Michaela Schier. Die Wissenschaftlerin vom Deutschen Jugendinstitut hat eine Studie mit dem Titel „Multilokalität von Familie“ durchgeführt. Dabei wurden zwei Arten von multilokalen Familien untersucht: Solche, die durch die Trennung der Eltern entstehen und solche, die etwa aus beruflichen Gründen getrennt leben. Sind die Eltern getrennt und das Kind lebt abwechselnd bei Mutter und Vater, sei es deshalb nicht automatisch entwurzelt, so Schier. „In unserer Studie fanden wir heraus, dass Kinder das Pendeln viel besser verkraften, als die Eltern es befürchten.“ Es sei für die Kinder aber belastend, Konflikte der Eltern mitzubekommen: „Das fängt schon an, wenn sie sich beim Abholen des Kindes nicht grüßen können.“
Ein weiteres verblüffendes Ergebnis: Pendelt ein Elternteil und ist nur am Wochenende zuhause, fällt das den Kindern schwerer, als wenn – etwa bei Filmschaffenden – das Elternteil zwar für einen längeren Zeitraum abwesend ist, dafür aber längere Phasen zuhause verbringt. „Kurze Treffen sind immer schwieriger, weil sie symbolisch stark aufgeladen sind.“ Das setze alle Familienmitglieder unter enormen Druck.