Die Bahn will morgen ihr 175-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt in Nürnberg feiern. Am 7. Dezember 1835 war mit der Fahrt des „Adler“ von Nürnberg nach Fürth das Eisenbahnzeitalter in Deutschland eingeläutet worden. Zu den Feierlichkeiten werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bahnchef Rüdiger Grube zahlreiche Gäste erwartet. Für den Festakt hat die Bahn mit großem Aufwand eine durch Zelte überdachte Verbindung vom DB-Museum zum Schauspielhaus aufgebaut. Dort werden am Abend die Festansprachen gehalten.
Die Veranstaltung soll den Höhepunkt zum Abschluss des Bahn-Jubiläumsjahres bilden. Einem Bahnsprecher zufolge liegen die Gesamtkosten aller Veranstaltungen „im unteren einstelligen Millionenbereich“. Das sei nur etwa ein Fünftel dessen, was 1985 für das 150-jährige Bahnjubiläum ausgegeben worden sei.
Doch Hans-Rüdiger Minow, Sprecher der Initiative „Zug der Erinnerung“, hält die Summe trotzdem für „obszön“ angesichts der „Brotkrumen“, mit denen die Deutsche Bahn als Nachfolgeunternehmen der Deutschen Reichsbahn die überlebenden NS-Opfer abspeisen wolle. Die Deutsche Reichsbahn habe rund drei Millionen Menschen in die Konzentrationslager transportiert und damit umgerechnet 445 Millionen Euro verdient. Zwar habe die Deutsche Bahn Entschädigungszahlungen in Höhe von fünf Millionen Euro für die Überlebenden in Aussicht gestellt. Doch bei etwa 200000 Betroffenen bekäme jeder nur 25 Euro – laut Minow „ein unannehmbares Almosen“. Seine Initiative erwartet, dass die Opfer ihren Traumata entsprechende Hilfe bekommen.
Ein Unternehmenssprecher der Deutschen Bahn AG betonte dagegen, es könne keine „individuelle Entschädigung“ geben, dafür sei die DB nicht der richtige Adressat. Schließlich sei sie „nicht Rechtsnachfolger der Reichsbahn“.
Einige der Demonstranten war am Samstag sogar aus der Ukraine, aus Weißrussland und Russland angereist. Unterstützt wurde die Protestveranstaltung vom Verein „Child Survivors“ – Überlebende Kinder der Shoa. Der Protestzug führte vom Kunstkulturquartier über Königstraße, Lorenzkirche, Karolinenstraße, Weißen Turm und den Gedenkstein für die ehemalige Synagoge an der Essenweinstraße zum DB-Museum in der Sandstraße.
Die Deutsche Bahn und die Stadt Nürnberg hatten die Demonstration zunächst verboten. Dagegen hatte der „Zug der Erinnerung“ beim Verwaltungsgericht Ansbach geklagt. Ende letzter Woche einigte man sich darauf, dass die Abschlusskundgebung vor dem DB-Museum stattfinden dürfe, allerdings in angemessenem Abstand zu den Aufbauarbeiten für den Festakt.