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Abenteuerspielplatz für gestandene Männer

Feldbahnmuseum hat eine tolle Sammlung alter Loks und Wagen zu bieten - 20.08.10

Nürnberg  - Vor 175 Jahren ist zwischen Nürnberg und Fürth der "Adler", Deutschlands erste Dampfeisenbahn, gefahren. Dieses Ereignis wird seit Monaten schon gefeiert. Wir haben uns anlässlich des Jubiläums ein Museum angesehen, das nicht am lautstarken Partyrummel teilnimmt, aber das dennoch ganz besondere Ausstellungsstücke zu bieten hat: das Feldbahn-Museum in Reichelsdorf.


Der ganze Stolz des Museums-Teams ist die Dampflok aus dem Jahr 1908. Die Wagen stammen aus dem Tiergarten. Eine weitere Dampflok wird im Herbst erwartet: Sie kommt aus Afrika und war lange Zeit auf einer Zuckerrohrplantage in Angola im Einsatz.
Der ganze Stolz des Museums-Teams ist die Dampflok aus dem Jahr 1908. Die Wagen stammen aus dem Tiergarten. Eine weitere Dampflok wird im Herbst erwartet: Sie kommt aus Afrika und war lange Zeit auf einer Zuckerrohrplantage in Angola im Einsatz.

Ort der Ausstellung ist ein Zauberwald. Die Eichen und Buchen tropfen noch vom nächtlichen Regen. Es riecht schon ein wenig nach Herbst. Karlheinz Rohrwild schreitet mit langen Schritten eine leichte Steigung hinauf. Dorthin, wo die Gleise liegen. Denn wenn es hier auch um andere Dinge geht, ein bisschen "Adler" ist trotzdem präsent - in Form von sechs Schwellensteinen, die auf der berühmten Strecke zwischen Nürnberg und Fürth lagen. Über sie dampfte einst Deutschlands berühmteste Lok hinweg.

Jahre später landeten die Granitbrocken in einem alten Eisenbahnbetriebswerk, nun ruhen sie, gerettet, auf weichem Waldboden. "Das ist unsere Reminiszenz an das Jahr 1835", sagt Karlheinz Rohrwild. Gemeinsam mit seinem Bruder Helmut kümmert er sich um das Museum, das sein Vater Karl Heinz gegründet hat. Im Jahr 2005 ist der Senior von einer seiner Feldbahnen tödlich überrollt worden.

Seine Söhne haben sein Erbe angetreten. Sie führen nicht nur die Gebäudereinigungsfirma ihres Vaters weiter, sondern auch dessen liebstes Hobby - und bauen die Sammlung aus. Immer weiter und weiter. 86 Loks aus aller Welt stehen im Wald. Aus Tschechien, Polen, Österreich, England, aus Holland, der Schweiz und der ehemaligen DDR. Es sind Dieselloks darunter, Akkuloks, Pressluftloks, eine Benzol- und eine Dampflok - und alle eint die Feldbahn-Spurweite 500. Die Familie mag es puristisch. Umgespurt wird nicht, nur was tatsächlich auf dieser Schmalspurgröße unterwegs war, darf ins Museum einrollen. "Umzuspuren wäre zu einfach", sagt Karlheinz Rohrwild. "Man muss schon ehrlich sein und bei der Wahrheit bleiben."

Zur Wahrheit gehören neben den Loks 408 Wagen, von denen 151 einst in Bergwerken unterwegs waren. "Wir sind immer auf der Suche nach Ergänzungen. "Aber das ist bei der Spurweite sehr schwierig. Denn die Norm ist 600." 1976 hat Vater Rohrwild die Sammlung mit einer Grubenlok aus einer Ziegelei in Langenzenn begonnen. Er hatte als Kind davon geträumt, Lokführer zu werden. Das wurde er nicht. Er übernahm die Firma seines Schwiegervaters. Aber seinen Traum von einem Museum hat er trotzdem verwirklicht.

Nach seinem Tod sind neue Gebäude auf dem Gelände entstanden, zum Beispiel eine Ausstellungshalle mit einem Keller, in dem irgendwann ein Bergwerk simuliert werden soll. In den Fahrzeugschuppen riecht es nach Stahl und Schmieröl, nach Arbeit und nach Nostalgie. Karlheinz Rohrwild ist Experte für Feld- und Grubenbahnen. Zu jedem Teil und Teilchen kann er eine Geschichte erzählen. Er nimmt seine Aufgaben als Museumsleiter ernst. Und das, obwohl sein Herz der Astronomie gehört. Nicht Lokführer wollte er werden, sondern Astronaut.

Auch er hat nicht den Beruf ergriffen, von dem er als Junge geträumt hat. Seine Liebe zu den Sternen ist Hobby geblieben, und die Leidenschaft seines Vaters für Feldbahnen ist auch für ihn zu einem Lebensthema geworden. Weil er findet, dass es wichtig ist: "Was wir hier machen, ist zum großen Teil auch eine Kulturaufgabe. Nämlich die Maschinen zu erhalten, die die Industrielle Revolution erst möglich gemacht haben." Diese Maschinen rollten durch Bergstollen, auf Feldern und Schlachtfeldern, in Ziegeleien, auf Baustellen, in Gärtnereien, im Wald und nach dem Krieg auch in den Städten - als Schuttbahnen.

Stillstand herrscht auch heute nicht. "Wir wollen kein Standmuseum, wir wollen die Nutzanwendung zeigen. Für uns steht im Vordergrund, was mit den Maschinen gemacht worden ist", sagt Karlheinz Rohrwild. Kohle haben diese Fahrzeuge transportiert, Arbeiter, Torf, Steine, Rüben, Ziegel, Kriegsgerät, Trümmer. Zu Demonstrationszwecken lässt Rohrwild die Dampflok heranrollen, sie ist die kleinste ihrer Art in Deutschland, 1908 gebaut von der bayerischen Fabrik Krauss und Company in München und restauriert hier im Museum. "Am schwierigsten war es, das Bodenblech für das Führerhaus zu organisieren. Riffelblech wird nicht mehr hergestellt. Wir haben es schließlich aus Istanbul bekommen." Angehängt sind sieben Wagen, die bis zur Mitte der 70er Jahre im Nürnberger Tiergarten unterwegs waren - damals, als die Bahn noch bis zur Waldschänke hochfuhr.

Die Rohrwilds haben die Wagen gerettet, entdeckt bei einem Schrotthändler, der sie vermutlich seiner Presse überlassen hätte. "Sie waren in einem schlechten Zustand und mussten alle komplett restauriert werden." Ein neues Prachtstück erwarten die Rohrwilds im Herbst: Dann soll ihre zweite Dampflok ankommen - und zwar aus Afrika. Sie war in den 30er Jahren in Angola auf einer Zuckerrohrplantage im Einsatz und wird den Rest ihrer Tage gepflegt im Museum verbringen. Aber nicht im Stillstand. Hier ist Anfassen erlaubt. Und Mitfahren auch.

Feldbahn-Museum 500 e.V. Nürnberg, Drahtzieherstraße 32. Kostenlose Führungen für Gruppen noch bis einschließlich September nach Terminabsprache: Tel. 0911/6802200. Fahrtage finden erst wieder im nächsten Jahr statt.

  





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