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Die Idee zu der wissenschaftlichen Untersuchung kam aus dem Umweltamt der Stadt Nürnberg. Und Reinhard Wittenberg aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften fand den Vorschlag äußerst interessant. Wittenberg, seine Kollegen und Studenten haben schon einige Studien zu Nürnberger Aspekten betreut, darunter das „Nürnberg-Barometer“, das seit 2002 im Abstand von vier Jahren die Zufriedenheit und die allgemeine Befindlichkeit der Einwohner aufzeigt.
Bei der nun vorgestellten Untersuchung beschränkten sich Wittenberg und seine Kollegen auf folgende Schwerpunkte: Wie sehr fühlen sich die Menschen von heißen Sommern beeinträchtigt? Wie gut sind die Menschen über klimatische Veränderungen informiert? Und wie nehmen sie das Engagement der Stadt in diesem Zusammenhang wahr?
8000 volljährigen Nürnbergern jeden Alters wurde im Juli 2011 ein umfassender Fragenkatalog zugesandt. 2500 der Befragten füllten ihn aus, 1300 online, 800 schriftlich und 400 telefonisch. Die Befragten wohnen ausschließlich in der Alt- und Weststadt Nürnbergs.
Dass große Hitze einen bleibenden Eindruck hinterlässt, bewies schon die Eingangsfrage: Demnach konnten sich auch im Jahr 2011 noch 73 Prozent der Befragten an den „Jahrhundertsommer 2003“ erinnern, in dem die Höchsttemperatur 38 Grad Celsius im Schatten betrug.
„Überraschend war für mich die Erkenntnis, dass nicht die alten Menschen die Hitze als so problematisch empfinden, wie ich es vorher angenommen hatte“, sagt Wittenberg zu den ersten Ergebnissen. „Es ist eher so, dass die Mittelalten die größten Probleme damit haben. Das liegt daran, dass sie meist berufstätig sind und die Arbeitsplätze für Hitze nicht ideal ausgestattet sind.“ Die Nutzung von Bus und Straßenbahn wird von der Mehrzahl der Befragten als sehr belastend empfunden. Auch der Aufenthalt in der Innenstadt wird im Sommer überproportional häufig als belastend empfunden.
Um in Wohnbebauungen Abhilfe zu schaffen, plädierten zwischen acht und neun von zehn Befragten dafür, mehr Grün anzupflanzen. Dazu passt, dass 34,5 Prozent der Befragten bereit wären, eine Baumpatenschaft zu übernehmen. 57Prozent wären es nicht; 8,5 Prozent machten keine Angabe.
Zwei Komplexe der Befragung befassten sich mit je einem zentralen Platz in beiden Stadtteilen. Dabei wurde deutlich, dass lediglich 14,1 Prozent der Teilnehmer mit dem Ist-Zustand des Hauptmarktes vollkommen zufrieden sind.
689 Personen wünschen sich indes mehr Bäume – auch mit der Aussicht auf mehr Schattenspender. 639 wollen mehr Sitzmöglichkeiten. „Nach Stadtteilen differenziert, sind nur zwei Unterschiede nennenswert, die in gewisserweise allerdings typisch sind: Die weiter entfernt wohnenden ,Weststädter‘ denken praktisch und treten überproportional häufig für mehr Parkplätze ein“, heißt es in der Studie.
Die um den Hauptmarkt herum lebenden „Altstädter“ äußerten viel häufiger andere Wünsche für die Hauptmarkt-Gestaltung. Unter anderem schlagen sie vor, eine Querung für Fahrräder zu ermöglichen, transportable Baumcontainer aufzustellen, den Taxistand aufzugeben, Arkaden bzw. Fassaden wie vor dem Krieg zu gestalten, weniger Veranstaltungen zu genehmigen, Restaurants mit schönerer Bestuhlung auszustatten, einen anderen Bodenbelag zu verlegen oder eine ausschließliche Marktnutzung zu ermöglichen.
Auch die Diskussion um das Quelle-Areal griff der Lehrstuhl auf. Dazu heißt es in der Analyse: „Bezüglich der zukünftigen Nutzung ist in den Köpfen der Befragten eindeutig eine Mischnutzung aus Wohnsiedlung, Grünfläche und Einkaufszentrum am stärksten verankert.“ 587-mal wurde diese Variante favorisiert. Das entspricht 51,4 Prozent. Deutlich wurde auch, dass jüngere Befragte überproportional häufig eine „Grünfläche“ oder „sonstiges“ bevorzugen, ältere hingegen die „Mischnutzung“ – ihnen ist das Projekt aber auch häufiger gleichgültig. Insgesamt ist „10,9 Prozent oder 124 Befragten die Umgestaltung des Areals völlig egal.“ Was die „offenen Angaben“ zu den „sonstigen Nutzungsvorschlägen“ anbelangt, ergibt sich, dass viele Bürger dort Kultur und Bildung verortet sehen möchten; viele würden eine ähnliche Nutzung wie „Auf AEG“ bevorzugen. Weitere Ideen sind die Schaffung von Sportanlagen, eines Erholungsgebiets oder eines Behördenzentrums.
Die Studie fragte auch ab, wie informiert die Menschen über den Klima-wandel sind, hierzu ist festzustellen, dass 45,4 Prozent sich als „gut“ oder gar „sehr gut“ informiert empfinden. Aber: Geht es speziell um den Klimawandel in Nürnberg, sieht sich über die Hälfte „schlecht“ und „sehr schlecht“ informiert, während der Anteil der „gut“ und „sehr gut“ Informierten auf 13,8 Prozent sinkt.
Das spiegelt sich auch in den Antworten nach aktuellen Nürnberger Klimaschutzprojekten: So kennt fast die Hälfte der Befragten das Leihfahrradsystem NorisBike, aber nur 73Menschen haben je vom Klimaschutzfahrplan der Stadt gehört. Dennoch glaubt die Hälfte der Befragten, dass die Stadt Nürnberg „sich intensiv um den Umweltschutz kümmert“.
Interessant ist, dass 30 Prozent das Projekt „Grüner Wohnen“ zu kennen glaubten. Das gibt es aber in der Realität gar nicht. Damit wollten die Initiatoren belegen, dass Menschen heute teilweise „ökologisch korrekt“ bzw. „sozial erwünscht“ antworteten.
Alle Ergebnisse im Internet: unter http://www.soziologie.wiso.uni-erlangen.de und http://www.wirtschaftssoziologie.wiso.uni-erlangen.de