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Auf die Sekunde genau sollen die Fontänen vor dem Rathaus 16 Meter in die Höhe schießen. Deshalb macht Mischa Anton schon seit Dienstag die Nacht zum Tag. Als Produktionsleiter eines der meistgesehenen Programmpunkte darf er sich keinen Fehler erlauben. So sitzen Anton und seine Techniker jetzt einige Male bis morgens um sieben vor ihren Pulten auf dem leeren Hauptmarkt. Sie programmieren und programmieren. Wasserfeste Stromführung ist das eine, aber Computer sind die eigentliche Antriebskraft für die Wasser- und Lichtshow der Wiener Spezialisten von „Consortium Eventtechnik“.
Mischa Anton versteht diese Arbeit als Kunst. „Wir betreiben ein Spiel mit Emotionen“, sagt er. „Es ist schön, die Gemüter zu bewegen und die Leute zum Feiern zu bringen. Wasser mit Licht fasziniert alle.“ In vielen Städten waren die Österreicher schon mit Inszenierungen beauftragt, ob bei „Klangwellen“Shows oder Bahnhofseinweihungen. Jede Version entsteht neu, passend zur Kulisse. Für Nürnberg habe man eine ernstere Stimmung gewählt, sagt Anton. Dazu beleuchtet „Consortium“ auch die Umrisse der Frauenkirche mit Laserlicht und setzt die Museumsbrücke mit blauen Wasserstrahlen in Szene.
Auch bei Lisa Lang hat der Stress mit einer Lichtprojektion zu tun, aber die erledigen andere für sie. Sie sei unendlich nervös, sagt sie. Als ob sie sich selbst an der Burgmauer im Scheinwerferlicht zeigen müsste – dabei sind es nur ihre Bilder. Die Malerin, die aus Nürnberg stammt und in Fürth wohnt, gestaltet in diesem Jahr die bewegte Kaiserburg-Illumination. Diese ist seit der Premiere 2005 der verlässlichste Applausfaktor der Blauen Nacht. Die österreichische Projektionsfirma Rezac verarbeitet die Originale über Fotos zu einem Film, der dann in Spitzenfarben über vier Projektoren läuft. Die größte Herausforderung daran ist die bizarr geformte Burgsilhouette.
Langs comichaft figürlicher Malstil in Knallfarben dürfte sich gut eignen. Die meisten Motive entstanden eigens für die Blaue Nacht, gemäß dem Jahresmotto „Fremde Welten“. „In meiner Bilderwelt geht es immer um Entdeckungen und befremdliche, bedrohliche Zusammenstellungen.“ Vögel und ein Faultier werden genauso über die Burg schweben wie ein Hubschrauber, der einen Kronleuchter schleppt. Und dann geht es der Künstlerin noch um den „Burgblick“. „Am Samstag wird die Burg zum ersten Mal zurückblicken.“
Die Blaue Nacht müsse natürlich mehr bieten als eine bunte Burg und Wasserspiele, meint Andreas Radlmaier, Leiter des Projektbüros im Kulturreferat. Die städtischen Veranstalter bezeichnen die Festivität ausdrücklich als Kunst- und Kulturnacht. So rücken sie diesmal den Kunstwettbewerb im Programm mehr in den Vordergrund. Erstens bekommt jedes der 15 ausgewählten Projekte etwas mehr Honorar, jetzt 1000 Euro, zweitens darf das Publikum per Kartenabstimmung bis Anfang Juni einen Liebling küren.
Ob da die Agentur „Phocus Brand“ Chancen hat? Sie platziert sang- und klanglos Fürther Ortsschilder in der Altstadt und fordert so zumindest die einheimischen Passanten heraus. Am Trödelmarkt installiert die finnische Künstlerin Sylvia Javén auf der Karlsbrücke eine Leinwand zum Durchschreiten mit einer Schneenachtlandschaft aus ihrer Heimat. Und auf der Liebesinsel stellen Berliner Architekten einen leuchtenden Raum aus verwobenen PVC-Rohren auf.
Die Jury habe die 15 in einem „extrem harten Kampf“ aus 180 Bewerbungen ausgewählt, sagt die Kuratorin Pirko Julia Schröder. Entscheidungskriterien sind beispielsweise die Interaktion mit dem Publikum oder die Anknüpfung ans Stadtbild. Unbedingt müssen mehrere Besucher gleichzeitig ein Werk erleben können – und bezahlbar muss es sein. „Ein Lasergitterwerk über der gesamten Altstadt geht halt nicht.“
Schröder, selbst Künstlerin, hält die Blaue Nacht in ihrer Branche für „eine tolle Gelegenheit, auf einen Schlag zigtausend Besucher zu haben“. Die Künstler nähmen fast nur positive Erlebnisse mit, denn: „Nürnberg hat ein tolles Publikum, das genau selektiert. Dem geht es nicht nur um Massenbelustigung.“
Lisa Langs Hinterglasmalerei lässt sich auch in Ruhe in ihrer Ausstellung bis 26. Juni im Glasbau des Künstlerhauses, Königstraße 93, betrachten. Geöffnet täglich 10–22 Uhr, Eintritt frei (außer während der Blauen Nacht).
Mo. 21.05.12
So. 20.05.12
So. 20.05.12
So. 20.05.12
So. 20.05.12