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NZ: Regen, Kälte, Hitze: Das vergangene Jahr war durchaus schwierig für die Landwirte im Knoblauchsland. Allein der Hagel im Frühjahr verursachte Schäden für fünf Millionen Euro, hieß es damals.
Brückner: Unsere Bilanz ist eigentlich gar nicht so stark geprägt von den Wetter-Kapriolen. Das Wetter war sogar sehr positiv für das Wachstum der Pflanzen. Wir haben Erträge gehabt, die gigantisch waren. Aber große Erträge haben meistens kleine Preise zur Folge – so auch im letzten Jahr. Die Lager sind noch jetzt teilweise voll mit Winterware, die wir einfach nicht an den Mann bringen. Wir hoffen, dass jetzt mit der Kälteperiode doch das eine oder andere Winterprodukt noch seinen Abnehmer findet.
NZ: Auch das EHEC-Virus hat dem Knoblauchsland zugesetzt.
Brückner: Der monetäre Schaden lässt sich nicht beziffern. Mental war das für uns ein riesiger Schaden, weil ein gesundes, frisches Produkt wie Gemüse mit Tod und Krankheit in Verbindung gebracht wurde. Das wirkt bis heute nach.
NZ: Trotz der vollen Lager und der gesunkenen Preise?
Brückner: Ja.
NZ: Was hätten sich die Landwirte im Knoblauchsland damals gewünscht?
Brückner: Man kann sowohl die Bürger als auch die Politik in der damaligen Situation verstehen. Man wusste ja erst einmal nicht, was los war. Ein vorsichtigerer Umgang mit Informationen wäre wünschenswert gewesen. Aber im Nachhinein ist es immer leicht, wenn man weiß, dass die zunächst unter Verdacht stehenden Produkte gar nicht betroffen waren.
NZ: Was haben Bauern und Verband aus der EHEC-Krise gelernt?
Brückner: Wir sind während dieser Zeit wieder mehr zusammengerückt im gesamten Gebiet. Die Kollegialität ist größer geworden, die Verbände haben wieder wunderbar zusammengearbeitet. Diesen positiven Zug möchte ich aufnehmen, um weitere gemeinsame Probleme nun zu lösen. Und wir haben gelernt, dass man mit der einen oder anderen Aktion sicher vorsichtiger umgehen muss. Man kann sich etwa die Frage stellen, ob man gleich einen Bundesminister einladen muss, wenn dieser Bundesminister selbst nicht weiß, was er zu der Lage jetzt sagen soll.
NZ: Blicken wir in die Zukunft: Was erwarten die Landwirte von 2012?
Brückner: Wir sind eigentlich optimistisch. Weil es immer so war, dass nach einem wirtschaftlich katastrophalen Jahr eine Besserung kommt. Wir erwarten schon, dass der Verbraucher unser Gemüse wieder als gesund akzeptiert, und dass wir wieder unseren Platz finden.
NZ: Die Energiepreise galoppieren – was bedeutet das für das Knoblauchsländer Gemüse?
Brückner: Vielleicht können wir das eine oder andere Produkt nicht mehr in der bisherigen Weise produzieren. Das sind zum Beispiel Tomaten oder Gurken im ganz frühen Bereich: Erzeuger, die sich keine Gedanken darüber gemacht haben, womit sie ihre Gewächshäuser beheizen, werden in Zukunft Schwierigkeiten auf dem Markt haben. Es gibt Betriebe, die ihre Hackschnitzel-Anlagen haben; die sind nicht betroffen und können nächste Woche mit der Gurkenernte beginnen. Also: Wir müssen schauen, dass wir günstigere Energieträger bekommen.
NZ: Aber die Landwirte beziehen doch Erdgas um einiges günstiger als der Normalbürger.
Brückner: Wir bekommen Gas durch die großen Abnahmemengen etwas günstiger. Aber das macht nicht viel aus. Zum Zweiten hängt der Anteil der Energie an den Produktionskosten stark davon ab, was der Einzelne produziert. Ich in meinem Betrieb habe im Winter Salate und Feldsalat; damit liege ich bei acht, vielleicht zehn Prozent an den Gesamtkosten. Andere Betriebe, die ganzjährig Gurken oder Tomaten produzieren, haben schnell einen Energiekosten-Anteil von 20 bis 30 Prozent.
NZ: Mit welchen Energie-Innovationen könnten sich die Knoblauchsländer Bauern besser positionieren?
Brückner: Man könnte zum Beispiel mit einem Blockheizkraftwerk Strom produzieren und die Abwärme für das Gewächshaus nutzen. Wir könnten für ein Gesamtgebiet im Rahmen der Energiewende eine Gemeinschaftslösung finden, bei der wir die Abwärme zentral nutzen.
NZ: Gibt es schon konkrete Überlegungen?
Brückner: Die einzelnen Betriebe haben Pläne, wie sie sich aufstellen. Wir wären sonst schlechte Unternehmer. Aber für eine zentrale Lösung gibt es bislang keine Planungen – wir können das nur immer wieder ins Gespräch bringen.
NZ: Was haben Sie als neuer Kreisobmann des Bauernverbands vor?
Brückner: Ich versuche, ein etwas anderes Bild des Gemüsebaus rüberzubringen. Wir sind Unternehmer, wir sind stolz auf unsere Produkte, und wir wollen von unserem Markt hier leben. Das ist meine Grund-Botschaft. Heute zum Beispiel haben wir einen Beschluss gefasst, im Gemüseerzeugerverband einen Arbeitskreis Biogemüsebau zu gründen. Wir müssen uns am Markt orientieren, und das ist sicher eine große Herausforderung für die Zukunft.
NZ: Sie sind mit dem Vorsatz angetreten, neue Themen künftig schneller anzugehen. Welche Themen zeichnen sich ab?
Brückner: Eine Grundsatz-Diskussion zum Thema Flughafen-Nordanbindung. Der Umgang mit der weiteren Landnutzung. Das Thema CO2-Etikettierung. Wir haben genügend Arbeit.
NZ: Wie sehen die Landwirte die Nord-Anbindung?
Brückner: Wir wollen die Nord-Anbindung. Weil das für uns die einzige Möglichkeit ist, den Verkehr zum Flughafen zu bringen, ohne die Bevölkerung oder unsere Gemüsebau-Gebiete zu belasten.
NZ: Wie könnten sich die Landwirte im Knoblauchsland gegen die Billiggemüse-Flut in den Discountern stemmen?
Brückner: Eigentlich nur mit einem regionalen Image. Uns macht hier große Sorgen, dass der Lebensmittel-Einzelhandel den Kunden in gewisser Weise bevormundet. Wenn der Preis für Kopfsalat anzieht, und es für den Produzenten etwas interessant wird, dann wird in den Supermärkten und Discountern einfach mal eine Woche kein Kopfsalat gelistet. Der Verbraucher bekommt das gar nicht mit, denn es ist ja anderer Salat verfügbar. Auf den Feldern steht dann aber eine gewaltige Menge herum – und so können sich die Erzeugerpreise nie bewegen.
NZ: Die Landwirte müssten also ihre Produkte selbst vermarkten.
Brückner: Ja, sie müssen sicherlich selbst im Markt besser Fuß fassen, Aber sie müssen auch ihr eigenes Produkt-Image stärken.
NZ: Was bauen Sie selbst an?
Brückner: Momentan haben wir sehr viel Feldsalat für den Großhandel. Für unseren Hofladen produzieren wir eher Raritäten wie Portulak oder Rucola, wir haben Spinat unter Glas und Schnittlauch. Im Großhandel haben wir noch Lagerprodukte wie Sellerie. Im Sommer haben wir im Freiland Salate, Rettich, Brokkoli, unter Glas Gurken und Tomaten. Mir macht es einfach Spaß, etwas mehr in die Breite zu gehen.