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Wohl auch wegen des nicht gerade sommerlichen Wetters erlebt der Tiergarten am ersten Tag, an dem die neue Delfinlagune auch für das Publikum geöffnet ist, keinen über gewöhnliche Wochenenden hinausgehenden Besucheransturm.
Manche derjenigen, die da sind, haben aber einige Kilometer auf sich genommen. Etwa das Ehepaar Frödrich, das aus Königsbrunn angereist ist. „Wir haben gestern in der Zeitung gelesen, dass die Lagune eröffnet hat“, erzählt Tommy Frödrich (46). Kurzentschlossen erklärten die beiden Nürnberg zum Zielort eines Tagesausflugs. Und sind begeistert: „Die Anlage ist absolut perfekt“, findet Frödrich.
Auch der sechsjährige Pascal Schöller freut sich, dass seine Lieblingstiere, die Delfine, nun mehr Platz haben. Er wohnt in der Nähe von Heidelberg, seine Großeltern sind Nürnberger. „Meine Oma schickt mir immer Zeitungsausschnitte, wenn es Neues zu den Delfinen gibt.“ Deshalb war der junge Tiergartenfreund über den Stand der Lagune bestens im Bilde; nun ist er mit Opa Herbert Schöller (69) und Oma Barbara Schöller (55) vor Ort. Die Show, die die Tierpfleger an gut besuchten Tagen künftig jede Stunde zwischen 10 und 17 Uhr mit den Delfinen und Seelöwen zeigen, hat ihm gut gefallen. Vor allem der bereits 51-jährige „Oldie“ Moby eroberte dabei das Herz des Jungen: „Es war toll, als der Delfin den Ring auf seiner Nase kreisen ließ.“
Der Senior unter den vier Delfinen in der Lagune habe sich als erster an die neuen Umstände gewöhnt, erzählt Delfinlagunen-Leiter Armin Fritz den Besuchern bei der Vorstellung. „Ich hätte nie gedacht, dass der alte Moby das noch erlebt“, meint ein Besucher, der versonnen die Großen Tümmler bei ihren Sprüngen und Ballspielen beobachtet. In Zoos würden die Tiere wesentlich älter als in Freiheit, meint er.
Marco Dornauer dagegen ist etwas skeptischer, was die Delfinhaltung betrifft. „Ich bin kein vehementer Gegner, aber ich habe zuletzt das Delfinarium gemieden.“ Andererseits, gibt Dornauer zu bedenken, blieben die Großen Tümmler in Tiergärten immerhin davon verschont, als Beifang in Fischernetzen qualvoll zu verenden. 300000 Delfine und andere Wale erleiden dieses Schicksal jährlich, ist auf einer Informationssäule bei der Lagune zu lesen.
Der 36-jährige Dornauer besichtigt gemeinsam mit seiner Ehefrau Kathrin (33) und den Kindern Emma (drei) sowie Arvid (eineinhalb Wochen) das Gelände. Kathrin Dornauer findet vor allem den Blauen Salon klasse, in dem man nur durch eine Scheibe getrennt den Seekühen Auge in Auge gegenübersteht: „Das ist glaube ich für beide Seiten interessant“, sagt Kathrin Dornauer und lacht. „Manatis sind ja sehr intelligente Tiere.“ Das Manatihaus habe sie schier „vom Sockel gehauen“: „So etwas habe ich noch nirgendwo gesehen.“
Die Dornauers werden treue Kunden des Tiergartens bleiben, auch von der Preiserhöhung lassen sie sich nicht abschrecken. Das Ehepaar Frödrich findet den neuen Eintrittspreis von 13,50 Euro pro Person ebenfalls absolut in Ordnung, gerade auch im Vergleich zu anderen Tiergärten.
Die Tierschutzaktivisten von Organisationen wie Pro Wal, Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) oder Menschen für Tierrechte, die vor dem Eingang demonstrieren, glauben dagegen, dass sich der Tiergarten mit der Lagune „finanziell umbringt“, wie es Jürgen Ortmüller (WDSF) drastisch formuliert. Er denkt ebenso wie Andreas Morlok (Pro Wal), dass die Besucher wegen der höheren Preise wegbleiben und so der teure Bau die gesamte Institution in den Ruin treibt. Morlok (45) hatte 2007 auf sich aufmerksam gemacht, als er mit einem 450-Kilometer-Barfußmarsch vom Bodensee nach Nürnberg gegen den Lagunenbau protestierte und sich dabei blutige Füße holte. Ebenso wie Ortmüller hält er Delfinhaltung in Tiergärten für Quälerei. Die beiden haben auch ein wissenschaftliches Gutachten des Bochumer Biologen Christian Schulze dabei, in dem dargelegt wird, dass der natürliche Aktionsradius von Delfinen schwerlich mit einer Haltung in Zoos vereinbar ist. Dieses Papier soll auch in die Neufassung des Säugetiergutachtens (ein Katalog von Mindestanforderungen für die Säugetier-Haltung) des Bundeslandwirtschaftsministeriums einfließen, kündigt Ortmüller an. „Die jetzt noch in Nürnberg lebenden Tiere kann man natürlich nicht mehr auswildern, das wäre ihr Todesurteil“, sagt der 57-Jährige. Aber die Tiergarten-Verantwortlichen sollten die Haltung auslaufen lassen, meinen die Aktivisten.
Der Tiergarten freilich hat die Demonstration von Ortmüller, Morlok und Co. geschickt konterkariert – direkt neben den Ständen der Tierschützer werben drei großflächige Plakate für Delfinlagune und Manatihaus.
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 10.05.12
Mi. 02.05.12
Fr. 27.04.12
Mo. 19.03.12
Sa. 17.03.12