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Solchen Typen ist man beim Monopoly, Risiko oder Canasta bestimmt schon begegnet, aber es gibt natürlich noch viele andere Variationen: Jürgen Zeh, der schon jahrzehntelang Spielerunden und Spiele-Veranstaltungen organisiert (u.a. im Nürnberger Spielzeugmuseum), hat einen ganzen Mikrokosmos von Spieler-Charakteren zusammengetragen, der zur Zeit im Rahmen der Sonderausstellung "Mitspieler gesucht!" im Fembohaus zu sehen ist.
Ganz grob gesagt könnte man sie in zwei Lager unterteilen: die "guten" und die "schlechten" Spieler. Hier sind die Grenzen natürlich auch manchmal fließend, aber so viel ist klar: Mit guten Spielern setzt man sich gerne an einen Tisch, um ordentlich zu zocken, und nimmt auch eine Niederlage nicht krumm. Das andere Lager zeichnet sich dagegen dadurch aus, sowohl im Sieg wie auch in der Niederlage allen Beteiligten auf die Nerven zu gehen: Eigene Erfolge werden den Konkurrenten genüsslich aufs Brot gestrichen, bei schlechtem Abschneiden wird gleich Schummelei unterstellt. "Der gute Spieler reißt die anderen mit und nimmt sich nicht allzu ernst", greift Jürgen Zeh zwei wichtige Merkmale heraus.
Ganz anders verhält sich etwa der Typ "Rambo": Er kämpft mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln, nimmt alles furchtbar ernst und macht dadurch die Leichtigkeit kaputt, die ein Spiel eigentlich auszeichnen sollte. Oder etwa "Shakespeare": Er wirft sich dramatisch in Pose, sollte es einmal nicht wie gewünscht laufen, und stellt nach einer verlorenen Partie gleich die Frage nach dem Sein oder Nicht-Sein.
Ein ganz schlimmer Finger ist auch "Dr. Mabuse", der es liebt, seine Mitspieler in aussichtslose Situationen zu bringen und sich anschließend tierisch darüber freut. Wenn es bei ihm einmal nicht klappt wie gewünscht, ärgert er die gesamte Gruppe mit übertriebener Zeitschinderei oder Kunstpausen. Nachdem zu einem zünftigen Gesellschaftsspiel immer mehrere Personen gehören, bringt auch erst das Zusammentreffen von ausgesuchten Spieler-Typen erst die richtige Würze hinein: So etwa, wenn ein besonders regelgetreuer Pedant - bei Jürgen Zeh als "Mr. Muster" bezeichnet, auf einen Bruder Leichtfuß trifft, der auch unter dem Namen "Mogler-Mogul" geläufig ist. Dann besteht die Spannung nicht nur darin, wer gewinnt, sondern auch, ob es dem Regel-Wächter gelingen wird, allen versuchten Tricksereien auf die Schliche zu kommen.
Ganz bitter kann es dagegen werden, wenn ein ausgefuchster "Ehr-Geiz" auf eine sensible "Mimose" trifft. Während der eine quasi über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen, fühlt sich der andere als unschuldiges, wehrloses Opfer übler Machenschaften und beklagt sich bitter "Alle spielen immer nur gegen mich!" Solche Spielerunden enden bisweilen auf der Psychiater-Couch. Um derlei Spätfolgen zu vermeiden, entwickelten wohlwollende Spiele-Autoren auch sogenannte "kooperative Spiele", bei denen das Miteinander und nicht der Konkurrenzkampf im Vordergrund steht. Sie konnten sich allerdings zumeist nicht so recht durchsetzen: Zum einen, weil den meisten Spiele-Begeisterten einfach die Würze des Wetteiferns fehlte, und zum anderen, weil sich auch hier ein bestimmter Spieler-Typ herauskristallisierte: Der Dominator, der kurzerhand den imaginären Vorsitz über die gesamte Spielerunde an sich riss und mit seinen dauernden Kommandos den Grundgedanken der Kooperation völlig ins Gegenteil verkehrte.
Mitspieler gesucht! Ausstellung über das Deutsche Spielearchiv Nürnberg, bis 21. November im Stadtmuseum Fembohaus, Burgstraße 15.