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Bio-Babykost aus der Tiefkühltruhe

Nürnberger Tüftler bietet Kindernahrung ganz ohne Zusatzstoffe an - 21.02. 18:00 Uhr

NÜRNBERG  - Existenzgründer: Der Begriff riecht nach weiter Welt, nach Aktienkursen, nach New Economy. Dabei entstehen viele Geistesblitze vor unserer Haustür. Zum Beispiel die tiefgefrorene Baby- Nahrung, die der Nürnberger Wolfgang Pöhlau entwickelt hat. Gemüse und Obst in Bio-Qualität kommen löffelweise aus dem Gefrierschrank – und Existenzgründer Pöhlau liefert ins Haus.


Existenzgründer Wolfgang Pöhlau mit seinem Geistesblitz.
Existenzgründer Wolfgang Pöhlau mit seinem Geistesblitz.
Foto: Harald Sippel
Existenzgründer Wolfgang Pöhlau mit seinem Geistesblitz.
Existenzgründer Wolfgang Pöhlau mit seinem Geistesblitz.
Foto: Harald Sippel

Natürlich kann man Babys Gemüsebrei täglich selber kochen oder zum Gläschen greifen, sagt der 38-Jährige. Das eine bindet viel Zeit, und das andere „schmeckt nicht und riecht oft komisch“. Darüber jedenfalls hätten die Mütter seiner beiden Patenkinder geklagt, die Ende 2008 kurz hintereinander geboren wurden. Zudem enthielten Fertigprodukte oft Salz, Zucker und andere (erlaubte) Zusatzstoffe, die nicht jeder im Baby-Brei haben wolle, sagt der studierte Lebensmittel-Ingenieur.


Also entstand die Idee, Baby-Nahrung rein aus Bio-Gemüse bzw. -Obst herzustellen und tiefgekühlt zu vermarkten. Kein leichtes Unterfangen, wie Pöhlau schnell feststellte, sondern jede Menge Arbeit. Das begann schon bei der Entwicklung der einzelnen Sorten: Gedämpfte Kartoffeln etwa wurden beim Pürieren mal zu flüssig, mal wie Kleister, und beim Einfrieren ergaben sich weitere Probleme. Der sehr unterschiedliche Wassergehalt von Broccoli und Zucchini wiederum verlangte jeweils eigene Wege der Zubereitung.

Die Aufgaben endeten längst nicht mit der Suche nach geeigneten Schockfrostern, Abfüllmaschinen oder einer Kühlkammer. Halbe Nächte recherchierte Pöhlau im Internet, brütete über ellenlangen Listen für die Hygiene-Dokumentation, berechnete, wie viele Sekunden beim Abfüllen eines Gefrier-Portionsförmchens vergehen. Denn die tiefgekühlten Breisorten sollten löffelweise verwend- und kombinierbar sein, hatte sich Pöhlau schon früh vorgenommen.

Es hat geklappt: Ob Pastinaken, Möhren oder Kürbis — seit August letzten Jahres bietet der Tüftler sechs verschiedene Gemüsesorten an. Die Ausgangsware, zertifiziertes Bio-Gemüse, das der Diät-Verordnung entspricht, bezieht der 38-Jährige von Landwirten in Norddeutschland oder der Pfalz (dort kaufen auch die großen Gläschen-Brei-Hersteller ein). Gekocht wird bislang zwei Mal im Monat in einer angemieteten Großküche – mit sehr viel Handarbeit

Pöhlau selbst dämpft und püriert das Gemüse mit professionellen Großgeräten — aber ohne Verdickungsmittel, Zucker oder Salz, Ei oder Milchprodukte. Ein Mitarbeiter füllt den Brei mit einer Dosierstation ab und bringt die Förmchen in den Schockfroster, wo die Babynahrung binnen einer Stunde auf minus 18 Grad abkühlt. Schließlich werden jeweils 23 Gemüsekugeln in Folie gefasst und in 300-Gramm-Kartons abgepackt, die der Existenzgründer (nach dem Modell von Bofrost und Co.) auf Bestellung ins Haus bringt.

Der persönliche Kontakt zu den bislang etwa 80 Kundinnen sei wichtig, sagt Pöhlau. Um die Mütter rund um das Thema Baby-Beikost beraten zu können: In welchem Alter man damit beginnt, ab wann man Gemüsesorten mischt, und so weiter. Vor allem aber, um Rückmeldungen zu bekommen, wo das Angebot noch verbessert werden könnte. Denn bei einem Preis zwischen 2,90 und 3,50 Euro je Packung soll die Qualität perfekt sein.

Internet nein,  Bio-Läden ja

Dazu gehören auch weitere Vertriebswege. Kleine Bio-Läden in der Region könnten sich für die Produkte mit dem Namen „babyviduals“ interessieren, meint Pöhlau. Im Internet sieht er hingegen keinen Markt. Die Kosten für Trockeneis und Kälte-Verpackung summierten sich leicht auf 15 Euro je Sendung — Bestellungen würden damit zu teuer.

Schließlich steht die Ausweitung der Produktpalette auf dem Programm. Der Apfel als bisher einziger Obst-Brei soll von der Birne ergänzt werden, an deren Verarbeitung Pöhlau noch tüftelt. Und den sechs Gemüse-Sorten will der 38-Jährige Fleisch und Getreide in Brei-Form sowie Öl und Säfte zur Seite stellen.

Spätestens ab April wird wöchentlich gekocht, das macht der bisherige Kunden-Zulauf nötig. Mit dieser Kapazität will Wolfgang Pöhlau dann möglichst lange auskommen. Denn der nächste Schritt wird einigen Mut erfordern: Die Einrichtung einer eigenen Großküche, hat sich der Existenzgründer ausgerechnet, dürfte locker 500000 Euro kosten.

Infos und Kontakt findet man unter der Adresse www.babyviduals.de sowie unter Tel. 0911/3002656.



  



Tilmann Grewe

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