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Die Kühlschrankfächer, das Bett, die Kleider im Schrank, die Kuckucksuhr, das Fahrrad, die Satellitenschüssel und die Dachziegel sowieso. Der Farbrausch dauert nur wenige Tage, eigentlich entsteht er nur für eine einzige Nacht: die Blaue Nacht am 28. Mai.
Die Aktion „Hausblaumacher“ an der Hinteren Insel Schütt 26 ist ein origineller Privat-Beitrag zur Nürnberger Kunst- und Kulturnacht. Am Samstag ist das blaue Altstadthäuschen von 19 bis 24 Uhr ohne Eintrittskarte öffentlich zu besuchen – und doch widmet ihm das Programmheft nur drei versteckte Zeilen. Das hat einen einfachen Grund: Es handelt sich um eine Spontanidee, die für den Druck viel zu spät kam. Dahinter stehen zwei Nürnberger Architekten. Alexander Kromer und Patrick Schreiner von „Querwärts“ bezeichnen sich als Fans der Blauen Nacht und wollten schon lange einmal mitmischen. „Mal was anderes machen“, wie Kromer sagt. Das Jahresmotto „Fremde Welten“ bot sich an. Dafür spannten sie nun einfach einen Kunden ein.
Bernd Hendl hatte das Wohnhäuschen zwischen Krakauer Turm und Tratzenzwinger gekauft und im Frühjahr bei den Architekten zur Kernsanierung in Auftrag gegeben. Hendl arbeitet selbst kreativ, ihm gehört eine Werbeagentur. Und so sagte er Ja, als Kromer und Schreiner fragten, ob er den Rohbau fürs Blaumachen freigeben würde. Seit zwei Wochen arbeiten die drei Männer daran, und fast 50 Bekannte und Kollegen helfen begeistert mit. 400 Liter Dispersions-Wandfarbe haben sie verstrichen und versprüht.
Abkratzen muss die aber später niemand: Alle Möbel und Haushaltsgegenstände sind zusammengesammelte Sperrmüllobjekte. Wände, Fenster, Dach und Türen werden ohnehin erneuert. „Die Idee hat ganz viele Leute angesteckt“, freut sich Schreiner. So decken sich fast alle Kosten durch Sponsoren: Fußbodenleger, Küchenbauer, Farb-, Elektro- und Treppenbaufirmen stiegen ein – aus Lust am blauen Spaß. In der Blauen Nacht werden auch eingefärbte Schauspieler im Haus wohnen. Danach ist eine Versteigerung der Utensilien für einen guten Zweck geplant.
Während der Vorbereitungen stutzten schon viele Passanten und Nachbarn. „Nein, das ist kein Scherz, das ist Kunst!“, antwortete ihnen Architekt Kromer manchmal. „Es gefällt allen Kindern. Die Älteren haben Angst, es könnte so bleiben.“ Auch der Hausbesitzer Bernd Hendl, der regelmäßig Studenten in Farbtechnik unterrichtet, geht schmunzelnd auf Distanz: „Ich mag die Farbe, ja. Aber ich möchte nicht in ihr wohnen“, sagt der 45-Jährige. Wenn er am Jahresende hier einziehen kann, will er weiße Wände haben. Außen darf sein Haus dann höchstens noch brave Sandsteinfarbtöne zeigen. Als Teil der Stadtmaueranlage steht es unter Ensemble-Denkmalschutz – Knallfarbe streng verboten! Für die Blaue Nacht aber hat die Nürnberger Bauordnungsbehörde alle Augen zugedrückt und Humor gezeigt.
Hendl überlegt, sich danach zur Erinnerung irgendeinen Winkel in Blau zu bewahren. „Vielleicht einen blauen Dachziegel oder so.“
www.hausblaumacher.de