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Es kam zu einem Großeinsatz von 170 Kräften, aber nur 30 Anwohner mussten evakuiert werden. Und Sprengmeister Karl-Heinz Wolfram brauchte lediglich 15 Minuten, um die Bombe zu entschärfen.
Gähnende Leere in der Schulküche der Georg-Paul-Amberger-Grundschule. Wo sich sonst die Schüler ums Mittagessen drängen, sitzen nur vereinzelt ein paar Leute an den Tischen. Sie mussten ihre Wohnungen im Umkreis von 300 Metern des Bombenfundes verlassen. Von den 200 in Frage kommenden Bewohnern haben die meisten auf das Angebot verzichtet, den Aufenthaltsraum in der Amberger-Schule zu nutzen. Angenommen haben es hauptsächlich ältere Bürger, die auch ein paar Happen von der Gratisverpflegung essen.
Alina D. und ihr siebenjähriger Sohn Raivis sind die einzigen Jüngeren. „Wir haben sonst keine andere Möglichkeit, irgendwo hinzugehen“, sagt die aus Lettland stammende junge Frau. Sie lebt erst seit wenigen Monaten mit Raivis in Nürnberg und besitzt hier keine Verwandten. Also hat sie ihren Personalausweis und die wichtigsten Unterlagen mitgenommen und ist mit ihrem Sohn in die Schule gegangen, die Raivis während der Woche jeden Tag besucht. „Er hat sich gewundert, warum er am Sonntag in die Schule muss“, erzählt Alina lachend. Nun hoffen die beiden, dass nichts Schlimmes passiert, und vertreiben sich die Zeit mit „Mensch ärgere Dich nicht“-Spielen. „Das passt doch irgendwie“, meint Alina.
Den nur neun Zufluchtsuchenden in der Schulküche stehen fünf Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes gegenüber. Benjamin Klier, Leiter der Schnelleinsatzgruppe des BRK, weiß aus Erfahrung: „In solchen Fällen kommen normalerweise ungefähr zehn Prozent der Evakuierten zur Betreuung.“ Gestern waren es nicht einmal fünf Prozent, und „weil von vornherein feststand, dass es ein relativ kleiner Einsatz wird“, ist das BRK auch nur mit halber Kraft vor Ort.
Insgesamt aber ist es ein Riesenaufgebot an Einsatzkräften: 20 hauptberufliche Feuerwehrleute, 40 freiwillige, 39 Rettungsdienstler von Arbeiter-Samariter-Bund, BRK, Johannitern und Maltesern, 45 Polizisten, 18 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und acht von Bahn, N-Ergie und VAG. Es gilt schließlich nicht nur, sich um die Evakuierung von Anwohnern zu kümmern und einen Teil von ihnen zu betreuen. Auch Straßen sind abzusperren, ein Fahrdienst mit Sonderbussen ist zu organisieren, nicht mobile Bewohner sind zu transportieren.
Hauptperson des Tages ist Sprengmeister Karl-Heinz Wolfram. Für ihn ist das alles zwar Routine, trotzdem muss er hochkonzentriert zu Werke gehen. Er beginnt seine Arbeit um 12.45 Uhr – eine Viertelstunde später stellt die 70 Kilo-Bombe keine Gefahr mehr dar; der Blindgänger ist entschärft. Nun kann der Kampfmittelräumdienst ihn wegbringen.
Wolfram atmet auf – und mit ihm alle Schweinauer. Der 35er und der 36er Bus fahren wieder ihre gewohnte Route, die Sperren in der Hansa-, Diesel- und Schweinauer Hauptstraße sowie im Olivenweg werden aufgehoben. Die Züge auf der Strecke Nürnberg–Ansbach fahren wieder, und für Raivis und seine Mutter kann es noch ein schöner zweiter Adventssonntag werden.