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Circus Barelli steht bald vor Gericht

Unternehmen soll bis zu 700 000 Euro an Sozialabgaben vorenthalten haben - 03.02. 08:00 Uhr

Nürnberg  - Der Circus Barelli gerät erneut in die Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft Ansbach will gegen leitende Mitarbeiter des früheren Unternehmens Anklage erheben. Der Vorwurf: Vorenthaltung von bis zu 700 000 Euro Sozialabgaben sowie fahrlässige Tötung.

Ende Mai 2011 wurde der Circus Barelli in Nürnberg durchsucht. Jetzt kommt die Anklage.
Ende Mai 2011 wurde der Circus Barelli in Nürnberg durchsucht. Jetzt kommt die Anklage.
Foto: Karlheinz Daut
Ende Mai 2011 wurde der Circus Barelli in Nürnberg durchsucht. Jetzt kommt die Anklage.
Ende Mai 2011 wurde der Circus Barelli in Nürnberg durchsucht. Jetzt kommt die Anklage.
Foto: Karlheinz Daut

Mehrere Aktenordner umfasst das Material, das Zoll und Staatsanwaltschaft seit Mai 2011 gegen die Circus-Verantwortlichen zusammengetragen haben. Mittlerweile sind die Ermittlungen abgeschlossen. Derzeit werde eine „umfangreiche Anklageschrift“ vorbereitet, bestätigte der leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Karl auf NZ-Anfrage. Die Anklage werde sich „gegen mehrere Personen“ richten und soll bis spätestens Ende März zugestellt werden.

Nähere Einzelheiten wollte Oberstaatsanwalt Karl nicht nennen. Beobachter gehen davon aus, dass u.a. der frühere Barelli-Chef Henry Spindler (alias „Harry Barelli“) und der langjährige Geschäftsführer des in Dentlein am Forst (Landkreis Ansbach) beheimateten Unternehmens vor Gericht gestellt werden sollen.



Die Ermittlungen reichen bis in das Jahr 2007 zurück. Im Mai 2011, während des letzten Barelli-Gastspiels in Nürnberg, gelang der Staatsanwaltschaft offenbar ein entscheidender Schlag. Rund 100 Beamte des Nürnberger Hauptzollamtes sowie des Unterstützungskommandos (USK) der Bereitschaftspolizei durchsuchten frühmorgens Zelte und Wohnwagen des Unternehmens.

Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, fast 50 Zeugen wurden befragt. Es stellte sich heraus, dass der Zirkus seit Jahren Angestellte zu Hungerlöhnen oder ohne Bezahlung beschäftigt – und sie mit Drohungen gefügig gemacht hatte, so die Staatsanwaltschaft seinerzeit.

Inzwischen steht aus Sicht der Anklagebehörde fest, dass der Zircus „600 000 bis 700 000 Euro“ Sozialabgaben nicht überwiesen hat, so Karl. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung bezieht sich auf einen Unfall in Mainz, wo ein Barelli-Mitarbeiter beim Zeltaufbau ums Leben gekommen sein soll. Beide Vorwürfe hatte Henry Spindler in der Vergangenheit über seinen Nürnberger Rechtsanwalt zurückweisen lassen.


Henry Spindler alias "Harry Barelli"
Henry Spindler alias "Harry Barelli"
Henry Spindler alias "Harry Barelli"
Henry Spindler alias "Harry Barelli"

Nach der Durchsuchung Ende Mai 2011 in Nürnberg versuchte Spindler offenbar einen Neuanfang. Schon im Juni startete er mit dem Circus Liviu Barelli in Halle, machte u.a. in Dresden und Koblenz, in Weiden und Kulmbach Station. Dort blieb das Unternehmen im November wegen Geldmangels liegen. Erst als die Stadt Kulmbach massiven Druck ausübte, zog die Karawane weiter, berichtete damals die Presse vor Ort.

Spindler bestritt Medienvertretern gegenüber, den Circus Liviu Barelli als Geschäftsführer zu leiten; als Circus-Sprecher unterstütze er lediglich den tatsächlichen Direktor, Liviu Dica. Dieser Rumäne wiederum ist Zeitungsberichten zufolge in Nürnberg zu Hause und soll in der Vergangenheit mehrfach mit dem ursprünglichen Circus Barelli gereist sein.

Bei seinen Nürnberger Gastspielen sorgte der Circus Barelli immer wieder für Schlagzeilen. Einmal wurde ein Besucher-Ehepaar beschimpft und geschlagen, das (zuvor in der Innenstadt verteilte) Freikarten nutzen wollte. Dann beklagte sich Henry Spindler medienwirksam über gestohlene Plakate (dieselbe Geschichte ereignete sich in München).

Ein anderes Mal warb Barelli mit einem jungen weißen Kamel, das just beim Nürnberger Gastspiel zur Welt kam und nun von den Nürnbergern einen Namen erhalten sollte. Das angebliche Kamel-Baby wurde noch in weiteren Städten wie Augsburg oder Budenheim (Rheinland-Pfalz) getauft. Schließlich tauchte es beim Circus Liviu Barelli in Kulmbach auf.
  



Tilmann Grewe

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