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Gerster wird bald umziehen, zu seiner Freundin nach Venlo in den Niederlanden. Wenn im Herbst die Saison beginnt, will er für den SV Krefeld in der Bundesliga spielen. Umziehen wollte Gerster sowieso, aber eigentlich erst später. Nun hat er seinen Plan aus sportlichen Gründen geändert. Denn in Nürnberg gibt es in der kommenden Saison keinen Wasserball-Zweitligisten mehr. Der FCN hat seine Mannschaft nach vier Jahren im Unterhaus zurückgezogen und wird nun in der Oberliga Bayern antreten. „Ich bin schon ein bisschen wehmütig, ich hätte gerne noch eine Saison in Nürnberg Zweite Liga gespielt“, sagt Gerster. „Aber man muss die Zeichen der Zeit erkennen.“
Viele Spieler, die bisher das Gerüst der Nürnberger Mannschaft bildeten, sind nämlich schon weit über 30. Zu Beginn der vergangenen Saison im November 2009 hatte Spielertrainer Christian Pache (39) zwei Prognosen aufgestellt. Erstens: „Oben in die Tabelle gehören wir nicht mehr hin, dafür sind wir zu alt.“ Und zweitens: „In absehbarer Zeit werden einige der Alten aufhören, weil der Körper sagt, es macht keinen Spaß mehr.“ Beides sollte sich bewahrheiten.
Die „Barracudas“ beendeten die vergangene Saison auf dem achten Platz, im Niemandsland der Zweiten Liga. Und ab dem Jahreswechsel zeichnete sich ab, dass einige Spieler ihre Laufbahn beenden wollen. Den Anfang machte Torwart Andreas Röthlingshöfer, dann gab es eine Kettenreaktion, erinnert sich Gerster. Auch Pache sowie Andreas und Christian Wetzel entschlossen sich, in Sachen Sport kürzer zu treten. „Unsere Körper halten die zweite Liga auf Dauer nicht mehr aus“, sagt Pache, der in Zukunft auch mehr Zeit für Familie und Beruf haben möchte. Dazu kehrt Frederik Grunewald nach dem Abschluss seiner Ausbildung in seine Heimat Werne zurück.
Ohne diese etablierten Spieler halten sich die „Barracudas“ in der Zweiten Liga nicht mehr für konkurrenzfähig. Zumal die FCN-Wasserballer jahrelang keine Nachwuchsarbeit machen konnten – weil es weder interessierte Jugendliche gab noch Trainingsmöglichkeiten in den Nürnberger Hallenbädern. Erst im Mai 2009 hat der FCN die Jugendarbeit wieder aufgenommen, gemeinsam mit dem einstigen Erzrivalen Post SV. Mittlerweile trainieren zwanzig Jugendliche bis zu viermal pro Woche.
Trotzdem seien die Nachwuchsspieler noch nicht bereit für die hohen Ansprüche der Zweiten Liga: „Keiner hat Lust darauf, dass wir zwei Spiele gewinnen und 18-mal auf den Deckel bekommen“, erklärt Gerster. Also entschieden sich die Club-Wasserballer für den Schritt zurück in die Oberliga. Für Pache ist das aber kein Grund zur Trauer, sondern vielmehr „die logische Konsequenz. Wir müssen nach vorne schauen. Es macht keinen Sinn, an der Zweiten Liga festzuhalten.“
Pache bleibt Trainer der Mannschaft und will auch weiterhin selbst ins Becken steigen: „Ich werde sicher kein Stammspieler sein. Aber ich werde helfen, wenn es Spitz auf Knopf steht.“ Wichtig sei ihm vor allem, dass sich die jungen Spieler etwas von den Erfahrenen abschauen können und sich weiterentwickeln: „Sie sollen lernen, alleine zu spielen, sich auszuzeichnen und immer ihre Leistung zu bringen.“ Wegen des freiwilligen Rückzugs in der Oberliga ist der FCN im ersten Jahr nicht aufstiegsberechtigt. Aber danach will Pache angreifen: „Ziel ist es, dass die Kleinen in zwei Jahren in der zweiten Liga spielen.“ Festzuhalten bleibt also: Im Nürnberger Wasserball geht eine Ära zu Ende – aber es soll nicht die letzte gewesen sein.