13°C
Donnerstag, 24.05. - 05:31 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Delfinarien sind europaweit keine Auslaufmodelle

Obwohl in manchen Medien der Eindruck gerne erweckt wird - 26.07. 21:09 Uhr

Nürnberg  - "Delfinarien sind Auslaufmodelle": Dieser Behauptung von Tierschutzaktivisten begegnet man derzeit – kurz vor Eröffnung der Delfinlagune im Tiergarten – in allen möglichen Medien immer wieder. In Deutschland, so heißt es weiter, würde ein Delfinarium nach dem anderen schließen. Nur Nürnberg schwimme sozusagen gegen den Strom und leiste sich für zig Millionen die neue Lagune.


Bilderstrecke zum Thema
Delfine, Manatis und Seelöwen haben ein neues Zuhause. Sehen Sie in der Galerie, wie der Umzug der Tiere funktioniert hat.

Dabei wird gerne der Eindruck erweckt, die anderen Anlagen würden aufgeben, weil man eingesehen habe, dass Delfine „in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden“ könnten. Tatsächlich stecken ganz andere Gründe hinter den Schließungen.

Zuletzt gab es in deutschen Zoos – außer in Nürnberg – Delfinarien im Hamburger Tierpark Hagenbeck, im Allwetterzoo Münster und im Zoo Duisburg. Außerdem lockte ein Freizeitpark mit einem Delfinarium: der Heidepark Soltau.

Im Privatzoo Hagenbeck eröffnete man 1971 ein Delfinarium; 1996 wurde es nach Protesten von Tierrechtlern und dem Tod eines jungen Großen Tümmlers während einer Vorführung geschlossen.


Bilderstrecke zum Thema
Bald können sich die Besucher an der neuen Delfinlagune erfreuen. Aber wie "wohnten" die Meeressäuger eigentlich vorher? Eine kleine Zeitreise in Bildern beleuchtet die Entwicklung des Lebensraumes der Delfine im Nürnberger Tiergarten.

In Münster, wo der Zoo als GmbH firmiert, gibt es das Delfinarium seit 1974; es wird auf dem Zoogelände von einem privaten Pächter betrieben. Obwohl der die Haltungsbedingungen schon etwas verbessert hat, entspricht die Anlage nicht heutigen Anforderungen an eine gute Tierhaltung. „Man hätte sehr viel Geld in das Gebäude stecken müssen“, so Tiergartendirektor Dag Encke, der als Kurator im Zoo Münster tätig war, bevor er Chef in Nürnberg wurde. Der private Betreiber in Münster habe die Investition nicht stemmen können und der Zoo keine Möglichkeit gesehen, finanziell einzuspringen. Daher ist die Schließung der Anlage 2012 beabsichtigt.

Der Zoo Duisburg hält auch künftig an seinem Delfinarium fest.

Im Delfinarium des Heideparks Soltau sei die Tümmler-Nachzucht „erstaunlich gut gelungen“, meint Encke. Der Freizeitpark wurde von der britischen Merlin Entertainments Group aufgekauft und heißt jetzt „Heide-Park Resort“. Das Unternehmen will keine Delfine halten. Die Großen Tümmler wurden an andere Einrichtungen abgegeben, u.a. nach Nürnberg, wo Joker und Arni jetzt im Delfinarium II leben. Das Delfinarium in Soltau wurde 2009 abgerissen.

In deutschen Tierparks gibt es insgesamt noch 16 Große Tümmler. „Zwölf davon wurden im Zoo geboren, vier sind Wildfänge aus der Anfangszeit der Delfinarien“, erläutert Lorenzo von Fersen, Leiter des Delfinariums im Tiergarten Nürnberg.

Der Biologe kann auch mit Zahlen aus der EU aufwarten: „Vor 20 Jahren war es noch so, dass von den europaweit 119 in Delfinarien lebenden Tieren zehn Prozent im Delfinarium geboren wurden und 90 Prozent Wildfänge waren“, so von Fersen. Im Jahr 2000 lag der Anteil der in Delfinarien geborenen Tümmler schon bei 44 Prozent, der der Wildfänge bei 56. Weitere zehn Jahre später waren die 235 Tümmler in Delfinarien der EU zu 61 Prozent dort geboren, nur noch 39 Prozent waren Wildfänge.


„Wir setzen in Europa längerfristig auf eine selbsterhaltende Population“, sagt von Fersen. Die Delfinnachzucht in europäischen Zoos habe sich insgesamt positiv entwickelt. Man sammle immer mehr Erfahrung auf diesem Gebiet. Auch für den Nürnberger Tiergarten, der zuletzt wegen mehrerer toter Delfinbabys in die Schlagzeilen geriet, ist er optimistisch. In der Lagune könne man – anders als bisher in den beiden getrennten Delfinarien I und II – sozial intakte Gruppen von Großen Tümmlern halten. „Es ist wichtig für eine gelingende Nachzucht, dass junge Weibchen zuschauen können, wie Delfinmütter ihre Jungen großziehen“, betont von Fersen. Im Delfinarium Harderwijk (Niederlande) klappt das seit Jahren gut. Und auch in den USA, wo die Delfinarien erfunden wurden, überleben inzwischen 78 Prozent der Kälber bis zum dritten Lebensjahr – Tendenz steigend. Dort schließen auch keine Delfinarien, im Gegenteil: Die einzelnen Einrichtungen halten heutzutage größere Delfingruppen als früher.

Auch in Europa gibt es laut von Fersen keine Welle von Delfinariums-Schließungen: „Die Zahl ist EU-weit stabil, eher werden es mehr.“ Sorgen macht ihm und den im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP zusammenarbeitenden Zoos allerdings die Entwicklung in der Türkei: Dort schießen „Delfinarien“ beinahe wie Pilze aus dem Boden. Da der Begriff nicht genau definiert ist, halten immer mehr Hotels Große Tümmler in einem Swimmingpool und nennen das dann „Delfinarium“. Oft ist es ungeklärt, wo die Tiere herkommen.


Bilderstrecke zum Thema
Vom Beschluss über die Grundsteinlegung bis heute: Auf unseren Bildern haben wir die Entwicklung der Delfinlagune dokumentiert - mit allen Höhen und Tiefen.

Bei der Diskussion um die Delfinhaltung in Zoos stört Lorenzo von Fersen vor allem eines: die fehlende Verhältnismäßigkeit. „Die Medien schenken den sechs Tieren im Tiergarten viel mehr Aufmerksamkeit als den bis zu 320000 Delfinen, die jedes Jahr in den Weltmeeren zu Tode kommen.“

Delfinlagune und Manatihaus werden am Donnerstag offiziell eingeweiht. Für Zoobesucher ist die neue Anlage ab Samstag, 30. Juli, zugänglich. – Mehr zum Thema Delfinlagune und Tiergarten im NZ-Blog „Achtung, Wolf“ unter nz.de/blogs/tiergarten
  



Ute Wolf

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Zum Thema
Tiergarten



Kurzbeschreibung:
In einem weitläufigen Gelände mit Wald, Wiesen, Weihern und Sandsteinfelsen liegt der Nürnberger Tiergarten. Er gilt als einer der schönsten deutschen Landschaftszoos.
Die 2011 fertiggestellte Delfinlagune sorgt für höhere Besucherzahlen aber auch für Kritik.
Zum Thema
Delfinlagune



Kurzbeschreibung:
Die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten, die das alte Delfinarium ersetzte, wurde 2011 fertiggestellt. Sie verfügt über mehrere Außenbecken, Zuschauertribünen und eine Unterwasserscheibe, durch die man die Tiere beobachten kann.
Während die Lagune einerseits einen Besuchermagneten darstellt, üben Tierschützer grundsätzlich heftige Kritik an der Haltung von Delfinen.