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NZ: Matthias, in einem Kapitel fragst Du Deinen Vater: „Papa, warum halten wir eigentlich zum Club?“. Hast Du eine Antwort gefunden?
Matthias Hunger: Das ist eine sehr, sehr schwierige Frage. Mein Vater konnte sie mir leider nicht beantworten. Ich glaube, ich würde an der Frage auch heute noch scheitern. Man kann das nicht so einfach erklären. Vielleicht liegt es ja gerade daran, dass der Club eben nicht so ekelhaft perfekt ist wie manch anderer Verein. Womöglich liegt es aber auch ein Stück weit am fränkischen Menschenschlag. Vielleicht sind wir einfach zu träge, um uns von unserem Club abzuwenden. Aber wahrscheinlich hängen wir Fans vor allem an der Hoffnung, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Und im Moment sieht es ja gar nicht so schlecht aus.
NZ: Wäre dann jetzt nicht gerade der beste Moment, Menschen wie den im Buch erwähnten ,Bayernsympathisanten‘ zum Club zu bekehren?
Hunger: Es ist nie zu spät, Club-Fan zu werden. Aber ich habe es bisher nur bei einem überhaupt geschafft, ihn für den Club zu begeistern, und der war nicht Bayernsympathisant. Obwohl einige Bayern-Fans das Buch gelesen haben, sind sie von ihrer Sicht der Dinge überzeugt. Ich schätze, einen Bayern-Fan zu bekehren versuchen, ist verschwendete Zeit.
NZ: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Deine Erlebnisse als Club-Fan zu veröffentlichen?
Hunger: Die Idee entstand in der Euphorie um den Pokalsieg 2007. Der Zeitpunkt hat für meine Generation dann auch gepasst: Ein Vierteljahrhundert nach dem letzten Pokalfinale, dazwischen das ganze Rauf und Runter mit dem Club. Ein guter Anlass, das alles einmal niederzuschreiben.
NZ: Warum hast Du das Buch nicht mit dem Pokalsieg enden lassen?
Hunger: Erstens bin ich nicht so der Typ für Happy Ends. Und zweitens passt das jetzige Ende des Buches besser zum Club. Die Dramatik mit dem darauffolgenden Abstieg, dem Wiederaufstieg und mit dem Gerade-Noch-Klassenerhalt in der vergangenen Saison ist authentischer für den 1.FCN.
NZ: Wie haben andere Fans auf das Buch reagiert?
Hunger: Bisher waren es überwiegend positive Reaktionen. Ein Kritikpunkt war jedoch, dass ich mit den früheren Vereinsführungen nicht kritischer ins Gericht gegangen bin. Aber das war nie mein Ansinnen. Ich wollte keine Enthüllungsgeschichte schreiben, sondern die letzten Jahrzehnte aus der Sicht eines Fans beschreiben. Es gibt bestimmt etliche Leute, die noch ganz andere Einblicke in den Club oder die Fanszene haben als ich. Doch ich bin guter Dinge, dass sich die breite Masse in dem Buch wiedererkennt. Aber machen wir uns nichts vor. Es wird wohl auch Menschen geben, denen das Buch nicht gefällt.
NZ: Wenn der Standardtraum eines jeden Club-Fans, der Europapokal, Realität werden würde, könntest Du Dir eine Fortsetzung des Buches vorstellen?
Hunger: Für mich ist dieses Buch in sich abgeschlossen. Aber sollten wir den Europapokal irgendwann einmal gewinnen, würde ich es mir zumindest noch mal überlegen. Wenn ich dann noch dazu fähig bin ...

Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12