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Ein Campus für die Energiewende

Freistaat finanziert Forschungseinrichtung - 11.05. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung über eine Kooperation und der Übergabe der ersten Förderbescheide durch Ministerpräsident Horst Seehofer gab es gestern den offiziellen Startschuss für den Energie Campus Nürnberg (EnCN). 400 Wissenschaftler sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Arbeitsplatz finden.


Die Wissenschaft stand bei der Vertragsunterzeichnung für die Kooperation beim Energie Campus im Vordergrund (von links): Heinz Gerhäuser, Leiter der Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen, Michael Braun, Präsident der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Karl-Dieter Grüske,Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie, Christoph Brabec, Leiter des Zentrums für Angewandte Energieforschung.
Die Wissenschaft stand bei der Vertragsunterzeichnung für die Kooperation beim Energie Campus im Vordergrund (von links): Heinz Gerhäuser, Leiter der Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen, Michael Braun, Präsident der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Karl-Dieter Grüske,Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie, Christoph Brabec, Leiter des Zentrums für Angewandte Energieforschung.
Foto: Michael Matejka
Die Wissenschaft stand bei der Vertragsunterzeichnung für die Kooperation beim Energie Campus im Vordergrund (von links): Heinz Gerhäuser, Leiter der Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen, Michael Braun, Präsident der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Karl-Dieter Grüske,Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie, Christoph Brabec, Leiter des Zentrums für Angewandte Energieforschung.
Die Wissenschaft stand bei der Vertragsunterzeichnung für die Kooperation beim Energie Campus im Vordergrund (von links): Heinz Gerhäuser, Leiter der Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen, Michael Braun, Präsident der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Karl-Dieter Grüske,Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie, Christoph Brabec, Leiter des Zentrums für Angewandte Energieforschung.
Foto: Michael Matejka

In der neuen interdisziplinären Forschungseinrichtung arbeiten mehrere Hochschuleinrichtungen zusammen (siehe Artikel unten). Ziel der Kooperation ist es, mit Mitteln der Spitzentechnologie Fortschritte bei der Energieeffizienz und Klimaneutralität zu erreichen, um den Ausstieg aus der Atomenergie möglichst schnell zu schaffen. Vor allem in den Bereichen der Erzeugung, Wandlung, Speicherung und Verteilung von Energie wird geforscht (siehe Artikel rechts).

Mit der Übergabe der Bewilligungsbescheide durch den Ministerpräsidenten hat der EnCN für seine ersten vier Projekte die Verfügungsgewalt über 20 Millionen Euro erhalten. Der Freistaat investiert insgesamt 50 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre. Das Geld stammt aus dem 115 Millionen-Topf, mit dem die Staatsregierung die Folgen der Insolvenz von Quelle für die Region abfedern wollte.


Welche Bedeutung der EnCN hat, wurde schon daran deutlich, dass neben Seehofer die Minister Markus Söder, Martin Zeil, Wolfgang Heubisch und die Staatssekretärin Katja Hessel bei der Übergabe dabei waren. Mit dem EnCN soll es möglich werden, entlang der gesamten Energiekette zu forschen, von der Energieerzeugung über ihre Verteilung bis hin zur Nutzung, so Wirtschaftsreferent Roland Fleck. Mit seinen Mitarbeitern hatte Fleck vor drei Jahren die Idee für den Campus. Die Einrichtung sollte die ansässige Energiewirtschaft und Umwelttechnik, die in der Region immerhin 70000 Arbeitsplätze hat, im Bereich der Forschung fördern.

Neben Fleck setzte sich auch der Erlanger Lehrstuhlinhaber Wolfgang Arlt sehr für den Energie Campus ein. Der EnCN werde beim Umbau der Energiewirtschaft nach Fukushima eine „überragende Rolle“ spielen, war sich Arlt sicher. Mit einer neuen Rechentechnik solle die derzeitige Energiekette abgebildet werden, um festzustellen, welche Folgen es für die Netze hat, wenn die Energieerzeugung immer dezentraler wird. „Derzeit weiß das keiner“, so Arlt. Auch die Energieverteilung könne nicht mehr wie vor 20 Jahren erfolgen. „Sie ist wesentlich komplexer geworden. „Wir brauchen intelligente Netze“, so der Wissenschaftler. Eine völlig neue Infrastruktur könne sich Deutschland wohl nicht leisten. Man brauche dezentrale Speichermöglichkeiten.


Wolfgang Arlt
Wolfgang Arlt
Wolfgang Arlt
Wolfgang Arlt

Welche technologische Herausforderung die Abkehr von der Atomkraft bedeutet, machte Arlt an einem Beispiel deutlich: Wenn nur 40 Prozent der Stromproduktion von bayerischen Kernkraftwerken abgeschaltet werden, dann müsste als Ersatz auf jedem Haus in Bayern eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Der Verfahrenstechniker, der auch Sprecher des Trägervereins für den Energie Campus ist, war auch überzeugt davon, dass die Wissenschaftler mehr mit den Menschen kommunizieren müssen: „Es wird die Technik etabliert, die gut ist und von der Bevölkerung akzeptiert wird.“ Die Neutralität der Wissenschaftler sei ein hohes Gut, so Arlt: „Der Energiebereich ist mit zu viel Scharlatanen und Lobbyisten durchsetzt. Jeder sagt etwas, ob er etwas weiß oder nicht.“ Um diese Unabhängigkeit zu wahren, regte Arlt an, dass der EnCN auch nach fünf Jahren vom Freistaat weiter betrieben und nicht von einer anderen Forschungseinrichtung übernommen wird. „In fünf Jahren arbeiten wir nicht nur in der Spitzenklasse, sondern an der Spitze“, zeigte sich der Wissenschaftler optimistisch. Viel Lob bekam die Stadt, weil sie den EnCN in der Startphase flexibel unterstützt habe.

Für Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch soll der EnCN dazu beitragen, dass der Wohlstand in Bayern auch künftig hoch ist. Die neue Forschungsplattform biete die Möglichkeit, dass unterschiedliche Einrichtungen interdisziplinär zusammenarbeiten können, ohne dass sie ihre Selbstständigkeit verlieren. Seehofer zeigte sich überzeugt, dass die Abkehr von der Atomkraft „kein Sonderweg, sondern ein Modellweg ist“.

  



André Fischer

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