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Rot-goldene BrokatGemütlichkeit regiert im Foyer; Prickelndes in rosé oder blanc? Gläser werden gereicht, während „Leute heute“-Moderator Pierre Geisensetter lässig an der Bar lehnt, das Bussi-Bussi-Geschehen beäugt und Empfangschef, Butler und Maitre alias Reiner Scharlowsky jedem persönlich die Hand reicht. Spätestens damit beginnt die Show, ein fein gewobenes Zusammenspiel, das sich nicht sofort erschließt: Servicepersonal oder Künstler? Ist‘s Komödie, ist Ernst?
Slapstick-Comedian Tom Murphy hat dagegen, ungeplant, seine liebe Not mit „Christian“, einem Gast mit selbstdarstellerischen Ambitionen ohne Stop-Taste. „Beschränken sie sich auf ihre Rolle als Gast!“, muss schließlich der Maitre mahnen – peinlich! Tritt aber Alexander Herrmann vor seine Landsleute, ist nur noch Glanz im Zelt: „Ich bin stolz, dass ich das hier machen darf“, bekundet der Star- und TV-Koch und erläutert die fränkische Bewertungsskala für Gaumengenüsse gleich selbst: „Note drei: ,kannst net meckern‘. Note zwei, auch maximale Höchstnote der Bayern: ,Bassd scho‘. Note drei – und die kennt nur der Franke: ,Allmääächd!‘“
Herrmann punktet als gebürtiger Franke mit Heimatidiom, Offenheit, Bodenständigkeit und dem persönlichen Gespräch an den Tischen. Und zumindest bislang tun wir Franken uns mächtig hervor: „Kein Zelt ist so gut gebucht, und Alexander Herrmann wird hier öfter sein, als seine Kollegen in anderen Städten“, verspricht Managerin Nina Holländer. Der Franke an sich „tickt ja anders, als ein Münchner oder Berliner“ – deshalb musste es ein fränkisches Menü geben, klar. Schäufele, Forelle, Sauerbraten und Rumtopf also, aber gänzlich neu...
Herrmann selbst vermittelt in der Küche Entspannung: „Etz sei net so nervös!“, ermahnt er lächelnd den Regionalmanager und wendet sich der Presse zu. „Der Saibling war der heikelste Gang. Jetzt ist er auf Sensationsniveau! Dafür habe ich Edelstahlrohre genau auf 3,4 cm sägen lassen...“ Bitte?
„Die größte Herausforderung und neu für mich war, das Menü aus den Händen zu geben.“ Vertrauen in die Mitarbeiter – ein Muss; Gleiches gilt für die zweite Säule des Abends, die Akrobatik, samt Magie des Varietee: Atemberaubend und zauberhaft agieren Hakuna Matata (Tansania), die Strapaten Tatyana Stepchenko & Ivan Tarnavskyy (Ukraine), Yo-Yo-Künstler Dennis Schleussner oder Mr. Edd & Lefou (Deutschland), urkomisch und mit immensem Körper-Timing.
Als beides verbindendes Element leisten „Die singenden Kellner“, zehn Musical-Darstellerinnen und Darsteller, Enormes: Evergreens, Hits am laufenden Band, da singt auch Andreas Köpke mit. „Es gibt so Vieles, was diese Veranstaltung so kurzweilig macht. Und das Essen ist etwas Besonderes – das ist Lebensqualität!“, schwärmt der nationale Torwarttrainer, der wenige Stunden zuvor erst vom Länderspiel aus Schweden zurückkam. „Wer Wert auf gutes Essen und gute Laune legt, für den ist das hier was!“ Auch Dagmar Wöhrl, in Rot gewandet, ist begeistert: „Ich brauchte heute was Entspannendes. Und es beeindruckt mich, wie man so vielen Leuten ein perfektes Essen kredenzen kann! So etwas kann auch ein schönes Geschenk sein!“ Ein teueres, zugegeben. Weniger Chornummern wären eventuell mehr gewesen. Doch wer doppelten Sinnenschmaus verkraftet und vier Stunden Non-Stop-Bespaßung mag, findet sie im „Palazzo“ auf höchstem Niveau. Für Gespräche ist anschließend Zeit. Auch Bürgermeister Klemens Gsell ließ den Abend bei gedämpfter Musik ausklingen...
Weitere Infos: www.palazzo.org