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Fall GFE: TÜV Süd in Erklärungsnot

Fragwürdiges Gutachten erstellt - 19.01. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Wie berichtet, bangen GFE-Anleger um insgesamt etwa 50 Millionen Euro. Mitarbeiter wie Anleger verließen sich auch auf das Ergebnis eines vierseitigen TÜV-Süd- Gutachtens. Das bescheinigt einem Blockheizkraftwerk (BHKW) der unter Betrugsverdacht stehenden Deutsch-Schweizer GFE-Group umgerechnet 91 Prozent Stromwirkungsgrad. Nun stellt der Prüfkonzern seine Gutachterpraxis auf den Prüfstand.


Einen „Spezifischen Rapsölverbrauch von 105,1 Gramm pro Kilowattstunde Stromerzeugung“ bescheinigt der TÜV Süd einem getesteten GFE-BHKW. Was bedeutet: Rapsöl würde zu 91 Prozent direkt in Strom umgewandelt.

Professor Michael Wensing vom Lehrstuhl für Technische Thermodynamik der Universität Erlangen-Nürnberg (LTT) nennt den „in dem Gutachten des TÜV Süd genannten Wert Unsinn“ und „einen effektiven Wirkungsgrad von 91 Prozent für die Umwandlung der Kraftstoffenergie in elektrischen Strom unmöglich“. Denn selbst bei Spitzen-Stromerzeugern falle mindestens 40 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme an.

GFE versprach Spitzenrenditen

Die GFE versprach in Wirtschaftlichkeitsberechnungen, ihre BHKW mit mindestens 75 Prozent Stromwirkungsgrad ermöglichten Spitzenrenditen: 20 Jahre lang monatlich jeweils 2,5 Prozent der Investitionssumme. Dabei beriefen sich die Vermittler der Firmengruppe auch auf besagtes Gutachten des TÜV Süd.

TÜV-Süd-Pressesprecher Thomas Oberst wirkt ziemlich unglücklich, als er von der NZ mit dem Gutachten aus seinem Haus konfrontiert wird. „Wie in der Überschrift des Gutachtens zu lesen, hatten wir nur den Auftrag, den Treibstoffverbrauch nach den Spezifikationen des Herstellers zu messen“, verteidigt er die Gutachter: Das TÜV-Süd-Team habe sich auf die Aussagen der GFE verlassen, das BHKW gebe im Moment der Verbrauchsmessung eine bestimmte elektrische Energie ab. Selbst überprüft habe der „offiziell anerkannte Experte“ die Stromerzeugung aber nicht.

Missbrauch soll in Zukunft verhindert werden

Auf diesen Umstand weist eine Fußnote auf Seite 3 des Gutachtens hin. Doch „an diesem Fall erkennen wir klar, dass dieses Gutachten gegenüber Laien missbräuchlich eingesetzt werden kann“, gibt Thomas Oberst zu. Und er kündigt Konsequenzen im Hause TÜV Süd an: „Wir werden verhindern, dass so ein Missbrauch in Zukunft möglich ist“, erklärt der Pressesprecher.

Außerdem würden die Umstände geprüft, wie das Gutachten überhaupt zustande kam, so Thomas Oberst. Denn nach NZ-Informationen soll die Nürnberger TÜV-Süd-Niederlassung den GFE-Auftrag mehrfach ausgeschlagen haben. Ausgeführt wurde die BHKW-Prüfung schließlich von einem TÜV-Süd-Team aus Prag: Die Nürnberger Filiale hatte davon scheinbar genauso wenig gewusst wie die Münchner Zentrale.

„Wenn mit einer gewissen kriminellen Energie ein solches Gutachten beauftragt wird, ist es schwer, dem einen Riegel vorzuschieben. Deshalb sind wir dabei, zu klären, ob es wünschenswert ist, solche Gutachten in Zukunft noch zu erstellen“, stellt Oberst die aktuelle Prüfpraxis des TÜV Süd infrage. Bis heute sind GFE-Mitarbeiter grundsätzlich überzeugt, das Kraftwerkskonzept der Firma funktioniere – auch dank des TÜV-Süd-Testats. Zurzeit wird das Rapsöl-Wasser-BHKW in Testlabors des TÜV Rheinland überprüft. Voraussichtlich noch in dieser Woche sollen Ergebnisse vorliegen, heißt es von seiten der Staatsanwaltschaft.

Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Hans Raab will bald sein Gutachten zum Insolvenzantrag der GFEmbH vom 28. Dezember 2010 vorlegen. Raab hat „in mehreren Gesprächen mit Mitarbeitern der zweiten Führungsebene des Unternehmens grundlegende Erkenntnisse zur Beurteilung der Situation erlangt“ und will „den derzeitigen Betriebsstillstand möglichst schnell beenden“. Ob Raab mit dem Gutachter des TÜV Süd Kontakt hat, bleibt unklar. 



Heinz Wraneschitz

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Kurzbeschreibung:
Ein angeblich hocheffizienter Pflanzenölmotor in Blockheizkraftwerken (BHKW) sollte 1300 Anlegern hohe Renditen bringen - es wurden jedoch nur sehr wenige Anlagen in Betrieb genommen. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt jetzt wegen Betrugsverdachts gegen die Nürnberg-Schweizer GFE-Energy-Group (Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien) und 47 Beschuldigte, von denen sich sieben in U-Haft befinden. Die Polizei geht von 62 Millionen Euro Schaden aus (Stand August 2011).