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Als Li Yiming im April das Restaurant „Happy Happa“ am Klarissenplatz eröffnete, war für ihn klar: Er will authentische Küche aus Szechuan anbieten. Und zwar so authentisch, dass einheimische Gäste möglicherweise überfordert wären. Daher hat der Geschäftsführer vor dem Lokal zwei Aufsteller stehen. Auf dem einen sind die Tagesempfehlungen auf Deutsch zu lesen, den anderen können nur Chinesen entziffern. Wer Gerichte von diesem Aufsteller bestellt, dem serviert Li einen Wolfsbarsch im ganzen, Schweinerippchen mit Knochen und Knorpeln, ungeschälte Garnelen. Zweisprachigkeit lohnt sich. Denn in Nürnberg sind immer mehr chinesische Touristen unterwegs.
Warum die Gäste aus dem Riesenreich ausgerechnet die friedliche Frankenmetropole für sich entdeckt haben, weiß Yvonne Coulin ganz genau. Zum einen, erklärt die Geschäftsführerin der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg, gebe es in China einen vermögenden Mittelstand. Der sehe gerne die Welt, lehnt aber die früher üblichen Hektikreisen beispielsweise durch Europa ab. Stattdessen gibt er „Mono-Destinationen“ den Vorzug, einer Reise durch ein Land mit Aufenthalt in mehreren Städten. Die Chinesen in Nürnberg sind also zumeist Touristen, die Deutschland erkunden und dabei Ziele wie Köln, Hamburg und Dresden ansteuern.
Außerdem ist Nürnberg seit April 2011 Mitglied in der Marketinggemeinschaft „Magic Cities of Germany“. Diese hat in Peking eine Außenstelle, verkauft Reisen durch Deutschland und Aufenthalte in den Städten der Marketinggemeinschaft. Nürnberg profitiert davon – „wie auch viele andere deutsche Städte“, zeigt sich Yvonne Coulin zufrieden.
16736 Übernachtungen chinesischer Gäste gab es bis August 2011. Das sind 36 Prozent mehr, als bis August 2010 gezählt wurden. Damit ist China von der zwölften auf die zehnte Stelle der Touristen-Herkunftsländer gerückt. Spitzenreiter sind Gäste aus den USA. Coulin erwartet für Nürnberg in den nächsten Jahren einen „kontinuierlichen Zuwachs“ aus China.
Darauf stellt sich auch Ingrid Jourdant-Kammerer ein, die Vorsitzende des Vereins der Gästeführer Nürnberg. Derzeit bieten zwei Frauen Stadtspaziergänge in chinesischer Sprache an, „und der Bedarf steigt“. Zwar gibt es schon länger Touristen aus China, doch deren Bedürfnisse haben sich geändert. Hätten sie früher keine Zeit gehabt, eine Stadt näher kennenzulernen, so sei das Interesse an der Kultur gewachsen.
Dass die Gäste aus Fernost viel Geld haben, sieht Gerhard Wagner täglich. Er ist Inhaber von mehreren Souvenirgeschäften rund um den Hauptmarkt. Bei ihm gibt es als Andenken Bierkrüge, Hummel-Figuren, bedruckte T-Shirts. Doch am liebsten greifen chinesische Touristen in Wagners Läden zu Schweizer Taschenmessern. Und in der Kaiserstraße kaufen sie gerne luxuriöse Handtaschen von Louis Vuitton.
Aber Chinesen bräuchten seiner Meinung nach auch Information, zum Beispiel einen handlichen Stadtführer durch Nürnberg. Seit eineinhalb Jahren setzt sich Wagner dafür ein, dass der Verlag eine Übersetzung auf Chinesisch herausbringt. Bisher vergebens. Nur in der Tourist-Info liegen Broschüren aus, in denen auf Chinesisch die wichtigsten Fakten etwa zum Schönen Brunnen und zum Johannis-Friedhof zu erfahren sind.
Viele müssten sich erst daran gewöhnen, glaubt Wagner, dass Touristen aus aller Herren Länder anreisen. „Früher“, sagt der 76-Jährige, „hätte ich niemals gedacht, dass Russen und Chinesen zu uns kommen.“